Bis in den siebenstelligen Bereich Das verdienen Mitarbeiter und Führungskräfte im deutschen Asset Management

Carsten Kröhl und Wilhelm-Christian Helkenberg von der Personalberatung Heads | © Susanne Hesping Photo

Carsten Kröhl und Wilhelm-Christian Helkenberg von der Personalberatung Heads Foto: Susanne Hesping Photo

Asset Manager gelten in der Finanzwelt als vergleichsweise stabile Arbeitgeber, insbesondere in Deutschland. Aber bieten sie für ambitionierte Profis auch langfristige Entwicklungschancen? Und das auch in puncto Gehalt? Und wenn ja, in welchen Bereichen oder Funktionen besonders?

Beste Karrierechancen bieten in der Regel wachsende Industrien. Davon sind Asset Manager eher entfernt. Der mäßige Publikumsfondsabsatz wird allerdings durch stetig wachsende institutionelle Investments ausgeglichen. Fondsabsatz im Ausland haben nur wenige große deutsche Asset Manager.

Dennoch wachsen die Assets under Management, und nicht nur durch Kurssteigerungen. Asset Managern in Deutschland geht es besser, manche fahren 2014 Rekordergebnisse ein.

Auch die vieldiskutierte Konsolidierung hat in Deutschland bisher nur punktuell stattgefunden. Merger ausländischer Häuser (zum Beispiel Pioneer/Santander AM) gefährden in Deutschland in der Regel kaum Arbeitsplätze, weil nur geringe Funktionsüberlappungen bestehen und meist nur Vertrieb vor Ort ist, der oft beibehalten wird.

Neben Wachstum treiben vier Herausforderungen den Personalbedarf und sind damit die entscheidenden Treiber für Entwicklungsmöglichkeiten: Regulatorik, Effizienzerhöhung, die Notwendigkeit renditestarke Produkte im Niedrigzinsumfeld anzubieten sowie gegebenenfalls neue (internetbasierte) Vertriebsformen. Auch treten weiterhin vereinzelt ausländische Asset Manager in den deutschen Markt ein und schaffen (Vertriebs-)Positionen.

Eine generelle Einschränkung allerdings gilt: Mit wenigen Ausnahmen, wie AGI oder DeAWM et cetera, sind deutsche Asset Manager primär national orientiert. Internationale Häuser, auch wenn hier präsent, siedeln Positionen mit Europa- oder weltweiter Verantwortung nur punktuell in Deutschland an.

So sind Rollen mit übergreifender Verantwortung in Deutschland selten. Wer internationale Karriere machen will, muss meist ins Ausland – wobei der Sprung von einer deutschen Einheit eines internationalen Fondsanbieters in dessen Headquarters aus kulturellen Gründen nicht einfach ist.

Die Gehaltsentwicklung ist tendenziell stabil, die Finanzkrisen haben überraschend nicht zu Rückgängen geführt. Abgesehen von einigen Verschiebungen von hohen Boni hin zu mehr Fixgehalt, die einige wenige Banken-Asset Manager im Sinn einer konzerneinheitlichen Gehaltspolitik vorgenommen haben, sind Gehaltsniveaus und Bonusmöglichkeiten weitgehend stabil geblieben.

Das gilt auch, weil regulatorische Bonusgrenzen wie der 100/200 Prozent-Cap im deutschen Asset Management ohnehin selten erreicht werden. Möglicherweise lassen sich bonusrelevante Ziele (etwa beim Publikumsfondsabsatz) aktuell schwerer erreichen, aber die Ziel-Boni sind konstant. Nur wenige Bereiche – wie beispielsweise Produktmanagement – haben zugelegt (siehe unten).

In diesem Umfeld können gute Professionals in vielen Feldern stabile, wenngleich selten steile Karrieren ebenso realisieren wie sinnvolle, nicht aber exorbitante Gehaltsentwicklungen – wie folgende Ausführungen zu wesentlichen Funktionen im Asset Management zeigen.

Differenzierte Entwicklungsmöglichkeiten in verschiedenen Funktionen

Karriere – und Gehaltschance differieren von Funktion zu Funktion.

1. Vertrieb bietet wie üblich die chancenreichsten Entwicklungsmöglichkeiten, primär im institutionellen Bereich, zunehmend aber auch wieder in Wholesale-Vertrieb. Generell steht Qualitätsverbesserung, weniger Aufbau von Kapazität im Fokus.

1.a Institutionelle Anleger fordern tiefes Verständnis ihrer Probleme und individuelle Lösungen. Vorreiter sind Versicherungen/andere verpflichtungsorientierte Anleger. Ein- und Aufstieg knüpfen sich deshalb deutlich stärker an fachliche Qualifikation und Vertriebspersönlichkeit, weniger als früher an Netzwerke.

Qualifikationen wie CFA, CEFA et cetera werden jetzt auch im Vertrieb gerne gesehen. Chancen auf eine senior oder „Chef…“-Vertriebsposition haben vor allem Sales Manager mit klarem Kundenfokus. Idealkandidaten weisen (nicht zu lange) Vorerfahrung auf Kundenseite, zum Beispiel als Leiter Kapitalanlagen oder Investment-Controller, und erste Vertriebserfahrung auf.

Auch Kandidaten direkt vom institutionellen Anleger haben bei entsprechender Persönlichkeit punktuell Chancen. Als Persönlichkeitsmerkmale sind Seriosität und Authentizität gefragt, im anglo-amerikanischen Umfeld tendenziell eher die sogenannte Smartness.

Langfristige Karrierepfade allerdings sind unsicher: Nur etwa ein Viertel bis ein Drittel der Sales-Manager steigen zum Leiter eines Kundensegments (Leiter Versicherungen & Versorgungswerke et cetera) auf, noch weniger zum „Leiter von...“ oder Geschäftsführer Institutional Sales.

Haben sie dies allerdings erreicht, bestehen größere Chancen einen Gesamtvertrieb (Institutional & Wholesale/Retail) zu übernehmen, als für ihre Kollegen aus dem Publikumsfondsvertrieb.

Karriereentwicklungen für verdiente Institutional-Sales-Manager außerhalb des Vertriebs sind jedoch schwer: Fachlich Versierte können Produktspezialisten werden als Bindeglied zwischen Portfolio-Management und Vertrieb.

Einige wechseln unter Gehaltseinbußen auf die Investorenseite, wenige zu Banken. Einige werden (meist Freelance) Investment-Consultants. Manche verlassen die Industrie. Klare, logische Entwicklungsmöglichkeiten fehlen.

So verbleiben viele, auch gute Leute lange im Vertrieb, wobei lange Erfahrung – zumindest bei institutionellen Anlegern und deutschen Asset Managern – immerhin noch als Vorteil gilt.

Zum Ausgleich wird gut verdient: Gehaltsbandbreiten liegen für Senior Institutional Sales Manager mit mindestens fünf bis sieben Jahren Vertriebserfahrung bei 120.000 bis 170.000 Euro Fixum plus bis zu 100 Prozent Bonusschance bei 100 Prozent Zielerfüllung.

Wer gut verdienen will, erhält bei internationalen Häusern und bankenabhängigen Asset Managern tendenziell mehr als bei rein deutschen und bei Versicherungsabhängigen Häusern.

Sogenannte Segment-Heads liegen bei 20.000 bis 30.000 Euro mehr Fixum, Leiter/GFs Institutional Sales bei 350.000 bis 500.000 Euro inklusive Zielbonus, bei großen Häusern deutlich mehr.

1.b Im Publikumsfondsvertrieb waren Chancen lange verhalten, seit 2013 geht es aufwärts. Klarer Schwerpunkt liegt im Wholesale-Vertrieb an Banken, Asset Allocatoren et cetera.

Im Retail-Vertrieb an Pools und IFAs bieten sich kaum noch Möglichkeiten. Auch hier gilt: Fachliche Qualität zählt (uter anderem Ausbildung, CEFA et cetera). Zunehmend werden deshalb Professionals von der Vertriebspartnerseite eingesetzt (Fund-Selectors/Analysten, Produktmanager, Dachfonds-Manager) – Vertriebspersönlichkeit vorausgesetzt, vorherige Vertriebserfahrung ideal.

Auch hier steigen einige zu Segment-Heads (zum Beispiel Banken & Asset Manager) auf oder zu Key-Account-Betreuern, die zentrale Funds Selection-Units betreuen.

Leiter Wholesale, dann Leiter Publikumsfondsvertrieb, sind weitere Stationen für Wenige, Leiter Gesamtvertrieb (wenn vorhanden) eher selten. Aufgrund größerer Vertriebe und hoher Marketing-Lastigkeit im Publikumsfondsgeschäft, kann die Entwicklung für Sales Manager auch in Richtung Vertriebssteuerung/-Controlling führen oder ins Marketing, gegebenenfalls auch zum Produktspezialisten.

Weiterer Aufstieg innerhalb des Asset Managements bleibt schwierig, außerhalb geht es tendenziell zu Vermögensverwaltern oder Banken. Neu aufgebaut werden Wholesale-Teams für ETFs, die zunehmend in der Vermögensverwaltung auch für private Anleger eingesetzt werden, hier entstehen neue Positionen im (passiven) Asset Management.

Als Vertriebskanal weitgehend ungenutzt ist das Internet. Da neue Wege für den Publikumsfondsabsatz gefunden werden müssen (zum Beispiel Direktvertrieb), sollten mittelfristig gute Möglichkeiten für Internet-affine Professionals entstehen, wenn auch eher konzeptionell und nicht mit typischem Kundenkontakt.

Eher als im institutionellen Vertrieb haben auch Top-Leute mit kürzerer Erfahrung und ohne ein Team gemanagt zu haben Chancen, die begehrten „Chef-...“- Positionen zu besetzen, sofern sie Vertriebserfolg mit hoher „Smartness“ paaren.

Gehaltsbandbreiten für „Seniors“ ohne Teamführung liegen bei 90.000 – 140.000 Euro Fixgehalt plus bis zu 60 Prozent / 80 Prozent, teilweise 100 Prozent Zielbonus. Manche Systeme, vornehmlich anglo-amerikanischer Häuser, koppeln einen unbegrenzten Bonus an den Vertriebserfolg (net new money/revenues).

Allerdings werden diese Systeme zunehmend um „discretionary“ Elemente ergänzt. „Chefs“ von Mutual Funds Sales liegen bei 170.000 bis 230.000 Euro Fix und 100 bis 150 Prozent Bonus, bei großen Häusern mehr.