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BB Biotech-Manager Daniel Koller im Gespräch „Biotech: Vielversprechende Ausgangslage“

Daniel Koller, Leiter Investmentmanagement Foto: Bellevue Asset Management

Herr Koller, was hat Bellevue 1993 veranlasst, eine Investmentgesellschaft zu gründen und in Biotech zu investieren?

Daniel Koller: Bellevue hat Biotech früh als aussichtsreiches Thema erkannt und mit der BB Biotech AG ein Anlagegefäß geschaffen, das Investoren erlaubte, über eine an der Schweizer Börse notierte Gesellschaft an den Biotech-Entwicklungen im US-Markt teilzunehmen. Während Investmentfonds festen Regeln folgen müssen, verfügen wir über eine selbst definierte und auferlegte Anlagestrategie. Diese erlaubt uns, konzentrierter investieren zu können und somit Kernbeteiligungen stark zu gewichten. Zudem erlaubt die Struktur einen längeren Anlagehorizont, denn eine Investmentgesellschaft verhält sich wie ein geschlossener Fonds und die Kapitalfluktuationen von Kundengeldern fällt weg.

Haben sich die Analyse und Selektion von Biotech-Unternehmen in den letzten Jahrzenten verändert?

Koller: Ja, deutlich. Nicht nur gibt es heute deutlich mehr Biotech-Unternehmen zu analysieren, zudem hat sich der Anlageprozess vertieft. Dennoch muss die Analyse zeitlich zügiger als damals erfolgen. Unser Team hat sich daher im Investmentmanagement auf sieben Leute verbreitert. Zusätzlich haben wir drei Kollegen, die uns mit computergestützten Analyseverfahren unterstützen und uns Zugang zu neuen Datenquellen ermöglichen. Dabei geht es zum Beispiel darum, die Flut an Daten und Texten schneller zu erfassen und auszuwerten, sie zu sortieren und abzugleichen. Ziel ist es, das Portfolio zu optimieren. Wir haben aber kein Computermodell, das uns ein Portfolio generiert. Die Entscheidungen treffen wir weiterhin selbst.  

Welche Kernbeteiligungen haben die Entwicklung von BB Biotech geprägt?

Koller: Alle größeren Positionen sind schon länger im Portfolio. Unsere Investments durchlaufen eine S-Kurve. Wir beteiligen uns in der Regel initial mit 1 bis 2 Prozent unseres Kapitals an kleineren Unternehmen, die dann mit ihrem Erfolg an der Börse wachsen, mit Kapital von BB Biotech weiter unterstützt werden und zu großen Beteiligungen werden. Schwächt sich aufgrund des Reifegrads dann das Wachstum ab, realisieren wir Gewinne und verkaufen. Einige Werte sind schon 10 oder 15 Jahre im Portfolio, zum Beispiel Vertex. Das war damals eine mittelgroße Firma mit unter fünf Milliarden Kapitalisierung, heute liegt der Börsenwert bei rund 90 Milliarden US-Dollar. Und wir halten aufgrund der äußerst vielversprechenden Pipeline weiter am Unternehmen fest. Andere Kernbeteiligungen sind jünger und erst seit rund fünf Jahren im Portfolio vertreten. Dazu zählen Moderna und Argenx.

Welche Therapiegebiete sind für die nächsten drei bis fünf Jahre am interessantesten?

Koller: Wir bewegen uns vor allem in vier großen Themenfeldern. Das ist erstens die Krebsforschung, wo bereits wichtige Fortschritte erzielt worden sind, aber weiterhin ein hoher Bedarf nach noch wirksameren und sicheren Medikationen besteht. Ein weiteres wichtiges Feld ist Neurologie: In den Bereich Demenz wird zurzeit enorm viel investiert. Drittens nehmen die Autoimmunerkrankungen zu, dies wird ein wichtigeres Thema für uns werden. Ein vierter Bereich ist Herz-Kreislauf, darunter fällt im erweiterten Bereich das momentan viel beachtete Thema der Fettleibigkeit.

Aktuell halten sich Investoren eher zurück, der Kurs von BB Biotech hat nachgegeben. Was erwarten Sie für die nächsten zwölf Monate?

Koller: Gestiegene Zinsen, ein schwacher M&A-Markt und der Vorstoß der US-Regierung, künftig die Medikamentenpreise in den USA zu steuern, sehen wir als Faktoren, die Biotech-Aktienmärkten zugesetzt haben. Wir sind weiterhin sehr zuversichtlich – insbesondere aufgrund der Kombination aus guten fundamentalen Fortschritten innerhalb der Branche und attraktiven Bewertungen nach den Abschlägen der letzten beiden Jahre. Während sich große Konzerne vergleichsweise gut gehalten haben und weiter wachsen können, sehen wir deutlichere Abschläge bei mittelgroßen Firmen, und bei den kleineren sind wir auf Unternehmensbewertungen im Bereich der Cash-Bestände oder gar darunter. Dieses Segment wird sich nach unserer Einschätzung sehr binär verhalten, also entweder zu enormen Kursavancen im Erfolgsfall oder zum Verschwinden der Unternehmen bei Misserfolg von Entwicklungskandidaten führen. Auch Übernahmeaktivitäten dürften wieder zunehmen. Wann die Erholung an den Börsen starten wird, wissen wir nicht. Aber die Gesamtlage ist hoch attraktiv, so dass wir sehr optimistisch sind.

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