Bilanz-Check So lief das letzte Geschäftsjahr des Bankhaus Lampe in Oetker-Besitz

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Die kommenden Geschäftsjahre werden für das Bankhaus Lampe richtungsweisend sein: Im März 2020 hat die Oetker-Gruppe den Verkauf des Bankhauses Lampe an die Frankfurter Privatbank Hauck & Aufhäuser vereinbart; aktuell steht die Zustimmung der Aufsichtsbehörden noch aus. Die Transaktion mit vollständiger Übernahme und Integration der Mitarbeiter, Tochtergesellschaften, Kunden und Standorte soll voraussichtlich in 2021 vollzogen werden.

Hauck & Aufhäuser hat für das Geschäftsjahr 2019 einen um rund 10 Prozent rückläufigen Jahresüberschuss von 31,4 Millionen Euro aus 2018 auf nur noch 27,9 Millionen Euro bekanntgegeben, wobei das 2018er Ergebnis aufgrund eines einmaligen Steuereffekts wo positiv ausgefallen war. Wichtige operative Ergebnistreiber haben sich positiv entwickelt: der Provisionsüberschuss konnte um etwa 4 Prozent auf 140,9 Millionen Euro gesteigert werden. Der Zinsüberschuss wuchs sogar um respektable 14 Prozent auf 24,4 Millionen Euro.

Ähnlich wie Lampe konnte auch Hauck seine Basis des verwalteten Vermögens von 124 Milliarden auf 133 Milliarden Euro netto steigern, was nicht nur auf die positive Wertentwicklung an den Kapitalmärkten, sondern auch auf Nettomittelzuflüsse zurückzuführen ist. Die Cost-Income-Ratio konnte von vormals 87,3 Prozent weiter auf 84,2 Prozent in 2019 verbessert werden, was u.a. der Reduktion des Verwaltungsaufwand um ca. 5 Prozent zu verdanken ist. Auch wenn die Kernkapitalquote von 16,1 Prozent aus 2018 in 2019 auf 17,1 Prozent erhöht wurde, schlägt ein deutlicher Rückgang der Eigenkapitalrendite von 16 Prozent auf 10,8 Prozent negativ zu Buche.

Insofern bekräftigen wir unser Analyseergebnis der Notwendigkeit der geplanten Fusion. Durch die Zusammenführung wird mit einer kombinierten Bilanzsumme von knapp 10 Milliarden Euro, einem verwalteten Vermögen von 35 Milliarden Euro und 1.400 Mitarbeitern ein Institut von erheblicher Größenordnung entstehen. Derartige Größenvorteile werden im wettbewerbsträchtigen Privatbankensegment immer wichtiger werden, nicht zuletzt können so die erforderlichen Aufwendungen für Investitionen in IT und Digitalisierung und die meist kostenintensive Umsetzung von regulatorischen Anforderungen von größeren Skalen profitieren. Denn es sind vor allem derartige Kostensynergien, die maßgeblich über die dringend notwendige Steigerung der Profitabilität und damit der Erzielung einer auskömmlichen Eigenkapital-rendite entscheiden.

Die Branche der deutschen Banken im Allgemeinen und der Privatbanken im Besonderen steht unter einem starken Konsolidierungsdruck, der jedoch durch die Niedrigzinspolitik verlangsamt und verzögert wird. Denn die anhaltend günstigen Refinanzierungskonditionen der EZB in Kombination mit der expansiven Geldpolitik lassen Kreditfinanzierungen zu, die langfristig nicht tragfähig und nachhaltig sind. Die Konsolidierung des Sektors wird dadurch verzögert, könnte dann aber durch die möglichen Bonitätsverschlechterungen der Kreditnehmer und erhöhte Kreditausfälle im Sinne von Forderungen der Banken – eventuell auch als Folge der Corona-Rezession – dann rasanter eintreffen.



Über die Autoren:
Stefanie Hehn-Ginsbach lehrt an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen als Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Corporate Finance & Kapitalmarkttheorie. Sie war von 2005 bis 2018 im Deutsche-Bank-Konzern tätig und bekleidete dort mehrere Führungspositionen im In- und Ausland.

Gösta Jamin lehrt ebenfalls an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen als Professor für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre. Zudem begleitet er als Berater Banken, Fintechs und andere Finanzdienstleister bei Projekten der digitalen Transformation.

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