Das Bankhaus M.M. Warburg & CO hat im Geschäftsjahr 2025 zwei zentrale strategische Großprojekte zum Abschluss gebracht: die Migration auf das neue Kernbankensystem Agree21 und die grundlegende Fokussierung des Geschäftsmodells auf Private Banking und Corporate Banking. Die damit verbundenen Sondereffekte führten zu einem Jahresfehlbetrag von 38,9 Mio. Euro – ein bewusst in Kauf genommener Preis für eine zukunftsfähige Aufstellung der Bank.
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Das Bankhaus M.M. Warburg & CO hat im Geschäftsjahr 2025 zwei zentrale strategische Großprojekte zum Abschluss gebracht: die Migration auf das neue Kernbankensystem Agree21 und die grundlegende Fokussierung des Geschäftsmodells auf Private Banking und Corporate Banking. Die damit verbundenen Sondereffekte führten zu einem Jahresfehlbetrag von 38,9 Mio. Euro – ein bewusst in Kauf genommener Preis für eine zukunftsfähige Aufstellung der Bank.
Kernbankensystem migriert und Geschäftsmodell konzentriert
Berichtendes Institut ist die Privatbank M.M. Warburg & CO (AG & Co.) KGaA mit Sitz in Hamburg, deren Jahresbericht 2025 neben dem eigenen Einzelabschluss auch separate Berichte ihrer wesentlichen Tochterunternehmen Marcard, Stein & Co AG (Family Office) und Warburg Invest Holding GmbH mit der Warburg Invest Kapitalanlagegesellschaft mbH enthält.
Diese Gesellschaften werden im vorliegenden Bericht als wesentliche Beteiligungen über den Beteiligungsansatz im Risikomanagement der KGaA erfasst, jedoch nicht im Wege einer Vollkonsolidierung in einem eigenen Konzernabschluss zusammengeführt; die nachfolgend diskutierten Kennzahlen zur Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage beziehen sich, soweit nicht anders vermerkt, auf den Einzelabschluss der M.M. Warburg & CO (AG & Co.) KGaA. Zum Vorjahresvergleich ist zu beachten, dass die Warburg Research GmbH zum 1. Januar 2025 veräußert wurde und damit nicht mehr Teil des Beteiligungsportfolios ist.
Im Mai 2026 konnte Warburg gemeinsam mit dem IT-Dienstleister Atruvia die Migration auf das neue Kernbankensystem Agree21 erfolgreich abschließen – nach eigener Einschätzung ein Meilenstein, der eine zukunftsfähige, skalierbare IT-Plattform für ein erweitertes digitales Angebot und neue Kundenservices schafft. Parallel hat Warburg sein Geschäftsmodell konsequent geschärft und sich klar auf die beiden Kerngeschäftsfelder Private Banking und Finanzierungsgeschäft im Corporate Banking fokussiert.
Mit dem Rückzug aus dem institutionellen Kapitalmarktgeschäft und der Veräußerung von Warburg Research sowie der Verwahrstelle für liquide Assets hat die Bank eine konsequente, klare Entscheidung getroffen, statt sich in einem zunehmend margenschwachen Umfeld zu verzetteln. Im Private Banking investiert Warburg gezielt in den Ausbau der Kundenbetreuungsteams und bringt neue, zielgruppengerechte Produkte auf den Markt – etwa den ersten Publikumsfonds mit Verteidigungsschwerpunkt (EDEF) sowie den Zugang zu Privatmärkten über Eltifs für Private-Banking-Kunden.
Diese beiden Großprojekte haben das Geschäftsjahr 2025 finanziell deutlich geprägt: Auf die anderen Verwaltungsaufwendungen im Zusammenhang mit dem Kernbankensystem entfielen 23,1 Mio. Euro, auf die einmaligen außerordentlichen Aufwendungen aus der Anpassung der Geschäftsmodelle weitere 24,8 Mio. Euro – in Summe 47,9 Mio. Euro Sondereffekte.
Das Geschäftsjahr schließt damit mit einem Jahresfehlbetrag von 38,9 Mio. Euro (Vorjahr: Jahresüberschuss von 1,0 Mio. Euro), den die Bank selbst als auf Planniveau liegend einordnet. Nach eigener Einschätzung wäre ohne diese bewussten Zukunftsinvestitionen ein deutlich besseres Ergebnis erzielt worden.
Operativ zeigt sich ein gemischtes, aber einordbares Bild. Der Zinsüberschuss sank um 11,9 Prozent von 67,3 Mio. Euro auf 59,3 Mio. Euro, im Wesentlichen als Folge der Normalisierung des Zinsumfelds. Der Provisionsüberschuss gab um 7,9 Prozent von 66,8 Mio. Euro auf 61,6 Mio. Euro nach, wobei sich das Auslandsgeschäft positiv entwickelte und die Rückgänge vor allem auf das bewusst abgebaute Kapitalmarkt- und Verwahrstellengeschäft zurückgehen.
Erfreulich entwickelte sich dagegen der Nettoertrag aus Handelsgeschäften mit 5,1 Mio. Euro (Vorjahr 3,4 Mio. Euro), getragen vom Devisengeschäft – wobei der Eigenhandel selbst zum Jahresende 2025 vollständig und plangemäß eingestellt wurde.
Auch bei den Kosten zeigt sich Disziplin: Der Personalaufwand sank auf 67,9 Mio. Euro (Vorjahr 70,5 Mio. Euro), die anderen Verwaltungsaufwendungen auf 76,5 Mio. Euro (Vorjahr 83,8 Mio. Euro) – und dies trotz laufender IT-Investitionen, da im Vorjahr noch hohe Abschreibungen auf die im Eigenbestand befindlichen Seeschiffe das Ergebnis belastet hatten.
Mit dem Verkauf der Schiffe zu Jahresbeginn 2025 ist dieser für Warburg historisch ungewöhnliche Bilanzposten nun nahezu vollständig abgewickelt. Die Bilanzsumme blieb mit 3,2 Mrd. Euro nahezu konstant; die Forderungen an Kunden wurden bei konservativer Risikoausrichtung um 22,3 Prozent auf 548,9 Mio. Euro ausgeweitet, vorwiegend im kurzfristigen Laufzeitbereich.
Regulatorisch bewegt sich Warburg weiterhin auf solidem Niveau: Die Eigenmittelquote liegt bei 19,2 Prozent (Vorjahr 21,5 Prozent), die harte Kernkapitalquote bei 12,9 Prozent (Vorjahr 13,8 Prozent) – beide komfortabel über den regulatorischen Mindestanforderungen. Die Liquiditätskennziffern bleiben ebenfalls auskömmlich: Die LCR liegt bei 185,4 Prozent, die NSFR bei 173,2 Prozent. Die Eigenkapitalrendite (-5,7 Prozent) und die Cost-Income-Ratio (114,7 Prozent) sind im Berichtsjahr erwartungsgemäß durch die Sondereffekte belastet und damit nur eingeschränkt aussagekräftig für die operative Ertragskraft des transformierten Geschäftsmodells.
Die Tochtergesellschaften liefern solide Beiträge: Die Warburg Invest KAG konnte das verwaltete Vermögen auf 6,75 Mrd. Euro steigern und einen Jahresüberschuss von 0,9 Mio. Euro erzielen. Marcard, Stein & Co schloss mit einem guten Betriebsergebnis ab; wachsende Provisionserträge aus dem Family-Office-Geschäft konnten den leicht rückläufigen Zinsüberschuss überkompensieren.
Eine Ausgangsposition für profitables Wachstum
Mit Abschluss der IT-Migration (vollständig im Mai 2026) und der Geschäftsmodell-Fokussierung hat Warburg die beiden zentralen strukturellen Baustellen der vergangenen Jahre abgearbeitet und eine klare Ausgangsposition für künftiges, profitables Wachstum geschaffen. Als weiterer Schritt der Fokussierung wurde im Juni 2026 bekanntgegeben, dass Warburg das Multi-Family-Office mit Vollbanklizenz Marcard, Stein & Co. an Rothschild verkauft, was einen weiteren Schritt der Fokussierung auf die Geschäftsfelder Private Banking und Corporate Banking darstellt.
Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet die Bank entsprechend einen stark steigenden Jahresüberschuss und eine deutlich verbesserte Eigenkapitalrendite, da die einmaligen Sondereffekte entfallen. Mittelfristig, bis Ende 2027, peilt Warburg eine Cost-Income-Ratio von 80 Prozent sowie eine Eigenkapitalrendite von 8 Prozent an.
Mehr als 225 Jahre nach ihrer Gründung beweist die Hamburger Privatbank damit erneut, dass Tradition und Erneuerungsfähigkeit kein Widerspruch sein müssen. Wer bereit ist, kurzfristige Ergebnisbelastungen für eine grundlegende Modernisierung in Kauf zu nehmen, schafft sich die Substanz, um auch in einem zunehmend kompetitiven und volatilen Umfeld als verlässlicher Partner für Unternehmer- und Privatkundenvermögen zu bestehen.
Mit einer modernen IT-Plattform, einem klar geschärften Geschäftsmodell und einer soliden Kapital- und Liquiditätsausstattung hat sich Warburg die strukturellen Voraussetzungen geschaffen, um die kommenden Jahre nicht nur zu bestehen, sondern aktiv zu gestalten – ein Geschäftsjahr 2025, das sich im Rückblick als Investition in die Zukunftsfähigkeit des Hauses erweisen dürfte.
Über die Autoren:
Stefanie Hehn ist Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen und ist auf Corporate Finance und Kapitalmarkttheorie spezialisiert. Bis 2018 war sie für die Deutsche Bank tätig.
Gösta Jamin lehrt als Professor für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen. Zudem begleitet Jamin als Berater Banken und Finanzdienstleister bei der digitalen Transformation.
