Bilanz-Check Metzler kann Gewinn 2019 mit Mühe auf Vorjahresniveau halten

Gösta Jamin (r.) und Stefanie Hehn lehren an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen am Rhein. | © Jamin/Hehn

Gösta Jamin (r.) und Stefanie Hehn lehren an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen am Rhein. Foto: Jamin/Hehn

Das Bankhaus Metzler hat das Geschäftsjahr 2019 vor dem Hintergrund eines für die Bankenbranche unverändert schwierigen Marktumfelds mit einem Jahresüberschuss von 2,3 Millionen Euro in exakt gleicher Höhe wie 2018 abgeschlossen. Wie im Vorjahr reicht der Jahresüberschuss des sehr stark auf das Provisions- und weniger auf das Kredit- und Einlagengeschäft ausgerichteten Instituts gerade aus, um die regelmäßige Gewinnausschüttung von 2,3 Millionen Euro an die Eigentümer des Bankhauses zu leisten. Allerdings findet nun bereits das zweite Jahr in Folge keine Einstellung in die Gewinnrücklagen statt, so dass keine weitere Stärkung des Eigenkapitals möglich ist. Das Eigenkapital verbleibt entsprechend bei 202 Millionen Euro.

Bemerkenswert ist zudem, dass es im Geschäftsbericht 2018 in der Gewinn-und-Verlust-Darstellung noch eine Zeile „Einstellungen in andere Gewinnrücklagen“ mit dem Ausweis einer Zuweisung von 9 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2017 gegeben hat, auf die im Geschäftsbericht 2019 dann komplett verzichtet wurde. Die Eigenkapitalrendite ist mit 1,4 Prozent unbefriedigend und auch die Cost-Income-Ratio mit 97,4 Prozent hat sich im Vergleich zum Vorjahr mit einem Wert von 94,2 Prozent weiter verschlechtert.

Wie bereits in den Vorjahren erfüllt Metzler spielend die aufsichtsrechtlichen Anforderungen. So beträgt die Kernkapitalquote mehr als 20 Prozent und die Liquidity Coverage Ratio 194 Prozent. Auf die Zurechnung der Reserven nach Paragraf 340f HGB und weiterer stiller Reserven zum aufsichtsrechtlichen Eigenkapital wird weiterhin vollständig verzichtet.

Die operative Ertragslage von Metzler ergibt ein gemischtes Bild. Der für das Geschäftsmodell von Metzler besonders wichtige Provisionsüberschuss in Höhe von 191,4 Millionen Euro ist im Vergleich zum Vorjahreswert von 195,9 Millionen Euro um 2,3 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig konnte man jedoch der im aktuellen Umfeld weniger wichtige Zinsüberschuss um 3 Prozent von 3,0 Millionen Euro im Jahr 2018 auf 3,1 Millionen Euro im Jahr 2019 steigern. Bemerkenswert ist dabei der Anstieg der bereits im Vorjahr positiven Zinsaufwendungen von 0,4 Millionen Euro im Jahr 2018 auf 1,0 Millionen Euro im Jahr 2019.

Offenbar ist es dem Bankhaus Metzler gelungen, den eigenen Kunden in deutlich größerem Umfang Verwahrentgelte für Einlagen in Rechnung zu stellen, wobei gleichzeitig der Bestand an täglich fälligen Einlagen von 2,4 Milliarden Euro im Jahr 2018 auf 2,0 Milliarden Euro im Jahr 2019 zurückgegangen ist. Dies zeigt, dass es Banken offenbar grundsätzlich möglich ist, ihr Zinsgeschäft trotz flacher Zinsstruktur, EZB-Strafzins und hoher Liquiditätshaltung durch die Kunden ertragsorientiert zu managen, wobei die Strategie von Metzler hierbei auf Grund des speziellen Geschäftsmodells möglicherweise nicht eins zu eins auf andere Banken übertragbar ist.

Auf der Aufwandsseite ist der Personalaufwand mit 121,1 Millionen Euro im Jahr 2019 deutlich um 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreswert von 116,3 Millionen Euro angestiegen. Zum Jahresende 2019 wurden mit 850 Mitarbeitern 3 Prozent mehr als im Vorjahr beschäftigt, wobei es in den ersten Monaten des Jahres 2020 dann zu einem Rückgang der Mitarbeiterzahl auf 830 gekommen ist. Die im Jahr 2018 noch stark angestiegenen Sachkosten hingegen konnten um 4,4 Prozent von 63,2 Millionen Euro im Jahr 2018 auf 60,4 Millionen Euro im Jahr 2019 gesenkt werden, wobei Aufwendungen zur Umsetzung regulatorischer Anforderungen sowie Kosten für Markt- und Indexdaten sowie externes Research unverändert stark ins Gewicht fallen.