Bilanz-Check Drastischer Gewinneinbruch stellt Berenbergs Ausrichtung in Frage

Gösta Jamin (r.) und Stefanie Hehn lehren an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen am Rhein.  | © Jamin/Hehn

Gösta Jamin (r.) und Stefanie Hehn lehren an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen am Rhein. Foto: Jamin/Hehn

Berenberg, zweitälteste Bank der Welt und zugleich älteste Bank Deutschlands, verzeichnet im jüngst veröffentlichten Geschäftsbericht 2018 einen drastischen Rückgang ihres Jahresüberschusses. Das Geschäftsergebnis brach um 74,1 Prozent auf 23,3 Millionen Euro ein. Ein turbulentes Geschäftsjahr belastet dabei aufgrund des allgemeinen Marktumfeldes, aber auch aufgrund der gestiegenen regulatorischen Anforderungen, vor allem auf der Kostenseite. Ein genauerer Blick in das Zahlenwerk der Berenberg Bank offenbart Herausforderungen in operativen Geschäftsfeldern.

Das Alles wirft Fragen auf, hinsichtlich der Effizienz der Hamburger Privatbank, die seit ihrer Gründung von persönlich haftenden Gesellschaftern geführt wird, und in Bezug auf die Ausrichtung des Geschäftsmodells hin zu einem international agierenden Beratungsdienstleister. Der Wandel zur Investmentbank scheint nach Transaktionsvolumina und Deals zwar geglückt, doch scheint die Kostenseite in keinem guten Verhältnis zu den erreichbaren Erträgen zu stehen.

Das Ergebnis der norddeutschen Privatbank mit ihren Kerngeschäftsfeldern Wealth & Asset Management, Investment Banking und Corporate Banking zeigt ein ambivalentes Bild. Auch wenn Berenberg 2018 Marktanteile und Marktposition in wichtigen Geschäftsbereichen ausbaute, brach das Jahresergebnis außergewöhnlich stark von 90 Millionen Euro in 2017 um 74,1 Prozent auf nur noch 23,3 Millionen Euro ein. Dieses deutlich rückläufige Geschäftsergebnis ist sowohl auf sinkende Erträge und steigende Kosten zurückzuführen.

Während der gesamte Bankensektor mit sinkenden Erträgen zu kämpfen hat, ist die Kostenseite als besonders kritisch zu beurteilen. Die Branche fährt einen anerkannt notwendigen Kostensenkungskurs, um die Jahresergebnisse zu stabilisieren. Die Cost-Income Ratio von Berenberg – einmalig im Bankensektor –  ist von 72,7 Prozent 2017 auf 88,9 Prozent 2018 angestiegen, wobei das erreichte Verhältnis immer noch kein schlechtes Ergebnis darstellt.

Die Eigenkapitalrendite fiel ebenfalls signifikant. Nach Jahren herausragender Renditen wie den 43 Prozent des Jahres 2017, erreichte die Berenberg Bank im Jahr 2018 nur noch ein Wert von 9,8 Prozent. Das ist im Branchenvergleich immer noch gutes Mittelmaß. Auch fiel die Gesamtkapitalrendite auf Gruppenebene als Quotient aus Nettogewinn und Bilanzsumme stark von 1,6 Prozent 2017 auf nur noch 0,07 Prozent im abgelaufenen Geschäftsjahr.