Bilanz-Check Bethmann Bank muss Kosten und Erträge in Balance bringen

Gösta Jamin (r.) und Stefanie Hehn-Ginsbach lehren an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen am Rhein.  | © Jamin/Hehn-Ginsbach

Gösta Jamin (r.) und Stefanie Hehn-Ginsbach lehren an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen am Rhein. Foto: Jamin/Hehn-Ginsbach

Der Jahresüberschuss des wichtigsten Tochterunternehmens der niederländischen Bank ABN Amro ist 2018 um besorgniserregende 80,3 Prozent auf 1,2 Millionen Euro von 6,1 Millionen Euro im Jahr 2017 eingebrochen. Damit reiht sich die Bethmann Bank ein in die stark rückläufigen Jahresergebnisse vieler traditionsreicher deutscher Privatbanken in einem für die gesamte Bankbranche schwierigen Geschäftsjahr 2018 mit anspruchsvollem Marktumfeld. Auch wenn Bethmann mit einem derart drastischen Rückgang des Jahresergebnisses in den Fokus gerät, so erlaubt ein Blick in die operativen Geschäftsaktivitäten und die Ausrichtung der Bank ein differenziertes Bild.

Die Frankfurter Privatbank zeichnet sich im Gegensatz zu einigen Marktteilnehmern durch eine klare und zugleich starke Fokussierung seiner geschäftlichen Betätigung auf die Finanzportfolioverwaltung und der Anlageberatung für gehobene Privatkunden sowie juristische Personen mit vergleichbarem Anlageverhalten – etwa Stiftungen, Family Offices oder Vermögensverwalter – aus. Die Bethmann Bank, 2014 durch den Erwerb des in Deutschland gebuchten privaten Bank-Geschäftsbereich der Credit Suisse (Deutschland) mit inzwischen zwölf Niederlassungen zum drittgrößten deutschen Anbieter von Beratungsdienstleistungen für vermögende Privatkunden geworden, ist dabei vor allem in den Geschäftsfeldern Vermögensverwaltung, -beratung und -planung tätig und grundsätzlich solide aufgestellt. Um Cross-Selling-Potenziale zu erzielen, komplementieren Produkte und Dienstleistungen im Kreditgeschäft, der Immobilienvermittlung sowie die Beratung von Erbschaften und Stiftungen die Geschäftstätigkeit.

Dennoch offenbart ein tieferer Blick in das Zahlenwerk, dass das 2018er Jahresergebnis der Bethmann Bank nur durch einmalige Sondereffekte, nicht durch die Ertragskraft des Geschäftsmodells, gut ausfällt. Erneut rücken die sonstigen betrieblichen Erträge in den Fokus der Betrachtung, die keinen nachhaltigen Ergebnisbeitrag liefern können. Konkret handelt es sich bei dem 2018er Abschluss um die Auflösungen von Rückstellungen in Höhe von insgesamt 4,3 Millionen Euro. Ohne diese hätte das Institut einen Jahresverlust erzielt. Bereits im Vorjahr ging der beachtliche Gewinn von 6,1 Millionen Euro in erheblichem Maße auf die Abwicklung von Fonds zurück, die einen – ebenfalls einmaligen und nicht nachhaltigen – Ergebnisbeitrag von 8,9 Millionen Euro beitrugen.

Die Finanz- und Vermögenslage der Privatbank gibt hingegen ein positives und nachhaltiges Bild. Wie auch in den Vorjahren ist Bethmann hinsichtlich seiner Eigenkapitalbasis, die vollständig aus hartem Kernkapital besteht, solide ausgestattet und erfüllt sämtliche regulatorischen Vorgaben. Die Bilanzpositionen Gezeichnetes Kapital, Kapitalrücklage aber auch Fonds für allgemeine Bankrisiken werden auch 2018 stabil auf dem Vorjahresniveau gehalten.

Das harte Kernkapital steigt 2018 erneut auf inzwischen 385,8 Millionen Euro, während es sich im Vorjahr noch auf 372,5 Millionen Euro belief – Anstieg um 3,5 Prozent – und spiegelt dabei die hervorragende Kapitalausstattung wider. Mit einer Kernkapital- und Gesamtkapitalquote von jeweils 22,4 Prozent (2017: 21,7 Prozent) ist die Bethmann Bank 2018 entsprechend hinsichtlich Risikotragfähigkeit sehr gut aufgestellt. Die Erfüllung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen sind dabei konservativ berechnet.