Big Data und Künstliche Intelligenz Bafin-Präsident erwartet erbitterten Kampf um die Kundenschnittstelle

Felix Hufeld, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, hat in einer Grundsatzrede die Folgen der Digitalisierung für die deutsche Bankenbranche skizziert. | © Bernd Roselieb / Bafin

Felix Hufeld, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, hat in einer Grundsatzrede die Folgen der Digitalisierung für die deutsche Bankenbranche skizziert. Foto: Bernd Roselieb / Bafin

Wie wirken sich technologische Entwicklungen bei der Datenverarbeitung und -analyse auf die Finanzbranche aus? In ihrer heute veröffentlichten Studie „Big Data trifft auf künstliche Intelligenz“ beleuchtet die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) die Implikationen der technologiegetriebenen Marktentwicklungen aus verschiedenen regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Perspektiven.

Für Bafin-Präsident Felix Hufeld hat der Innovationswettlauf um Finanzdaten längst begonnen. „Die Ergebnisse zeigen deutlich, wie wichtig es ist, dass wir uns aufsichtlich und regulatorisch mit diesen Themen befassen.“ Zudem werde sichtbar, dass sich außerhalb des regulatorischen Rahmens bereits systemische Abhängigkeiten von sogenannten BDAI-Unternehmen (Big Data und Artificial Intelligence) ergeben können.

Big Data meint die Verfügbarkeit großer Datenmengen, Artificial Intelligence (Künstliche Intelligenz) beschreibt bessere Möglichkeiten, diese Daten zu nutzen. Unternehmen setzen zur Optimierung ihrer Geschäftsmodelle und Prozesse vermehrt auf Daten und deren Verwertung. Zudem sei das Verhalten der Verbraucher zunehmend durch digitale Anwendungen geprägt,  wodurch wiederum mehr Daten erzeugt werden und verfügbar sind.

Mit Trends wie Big Data und Künstlicher Intelligenz werde eine Differenzierung möglich, „die man als Diskriminierung bezeichnen muss und die wir gesellschaftlich nicht mehr bereit sind zu akzeptieren", wird Hufeld im Interview mit der Börsen-Zeitung (bezahlpflichtig) deutlich. Daher müsse zumindest überlegt werden, ob gegebenenfalls bestimmte finanzregulatorische Anforderungen auch auf solche Marktteilnehmer ausgedehnt werden, die bisher nicht der Finanzregulierung unterliegen, so Hufeld.

Wettbewerb um die Kundenschnittstelle

Die sich daraus ergebenden Chancen werden aber nicht nur die Newcomer am Markt, sondern auch die großen Bigtechs für sich nutzen wollen. In China wickeln solche Bigtech-Konzerne bereits heute Bankdienstleistungen für Millionen Menschen ab“, so Hufeld in einer gestrigen Ansprache in Bochum. Diese oft global agierenden Technologieriesen hätten nicht nur entsprechendes Know-how und Kapital in der Hinterhand, sie verfügten vor allem schon jetzt über den erforderlichen Kundenzugang. Mit Bigtechs meint Hufeld die Technonolgie-Konzerne Facebook, Alphabet oder Amazon.

So mancher etablierten Bank […] drohe bei einem Markteintritt der Bigtechs, viel Ertragspotenzial und vor allem die Kenntnis über ihre Kunden aus erster Hand verloren zu gehen. „Insbesondere die kleineren und mittleren Kreditinstitute, die sich nicht selbst zu einer Plattform weiterentwickeln können, laufen außerdem Gefahr, den Anschluss zu verlieren.“ Für einige dieser Unternehmen könnte Hufeld zufolge nur die Rolle als hochfokussierter Spezialanbieter übrig bleiben.

Die Möglichkeiten von Open Banking und der Trend zur Platformication auf den Finanzmärkten – den mittlerweile auch die Vergleichsplattformen erkannt haben – werde den Wettbewerb um die Kundenschnittstelle zusätzlich verschärfen. Schwieriger sei es, Prognosen darüber anzustellen, wie sich dieser Wettbewerb genau entwickeln werde.

„Eine Möglichkeit wäre ein echter Wettbewerb um Marktanteile, den verschiedene Plattformen miteinander ausfechten würden“, sagt Hufeld. „Denkbar wäre aber auch ein „The winner takes it all“-Szenario, bei dem der eigentliche Konkurrenzkampf letzten Endes darum entbrennt, wer überhaupt an einer dominanten Plattform teilnehmen kann und wer nicht.

 

Über die Studie:
Die komplette Studie „Big Data trifft auf künstliche Intelligenz“ – in Zusammenarbeit mit der Partnerschaft Deutschland, der Boston Consulting Group (BCG) und des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS – kann hier eingesehen und heruntergeladen werden.