Bewertungen und Infrastruktur, Krypto-Serie Teil 3 Wie sich Krypto-Assets analysieren und bewerten lassen

Nicolas Biagosch von Postera Capital: Der Krypto-Experte führt in einer Artikel-Serie durch die Grundlagen, Charakteristika und Anlagemöglichkeiten der neuen Anlageklasse.  | © Postera Capital

Nicolas Biagosch von Postera Capital: Der Krypto-Experte führt in einer Artikel-Serie durch die Grundlagen, Charakteristika und Anlagemöglichkeiten der neuen Anlageklasse. Foto: Postera Capital

Die Analyse und Bewertung von Krypto-Assets ist eine noch junge Disziplin. Ansatzpunkte für eine Analyse von Krypto-Assets gibt es dabei viele. Ähnlich wie bei einem Venture-Capital-Investment ist zunächst das Geschäftsmodell selbst zu analysieren: die Marktfähigkeit der Dienstleistung, ihre Relevanz für die Zielgruppe, die Akzeptanz im Zielmarkt, das Erlösmodell, Vermarktung, Vertrieb und so weiter. Ob dezentrale Handelsplattform für Energie oder Datenspeicher, ob Bereitstellung persönlicher Daten gegen Entlohnung, oder aber auch der Einsatz als Zahlungsmittel: Der Investor bewertet, ob er das Geschäftsmodell für entwicklungsfähig hält. Über 1.500 verschiedene Coins sind bereits handelbar, hinter denen ganz unterschiedliche Ideen stecken.

Wie beim Venture-Capital-Investment auch lohnt sich zudem ein genauerer Blick auf das hinter dem Geschäft stehende Team sowie die Community, die daran arbeitet, den Algorithmus laufend zu verbessern.

Hinzu kommt eine spezielle technische Dimension: Sicherheit, Robustheit, Skalierbarkeit und Zukunftsfähigkeit der Blockchain können in Form technischer Leistungskennzahlen eingeschätzt werden. Ganz wesentlich ist die Steuerung der Menge herausgegebener Tokens oder Coins. Diese Einheiten werden von den Nutzern erworben, um Zugang zur angebotenen Dienstleistung zu erhalten. Außerdem können sie zwischen den Nutzern gehandelt werden.

Das Whitepaper als Ausgangspunkt

Im so genannten Whitepaper beschreiben die Entwickler ihren Algorithmus, die dem Geschäftsmodell zu Grunde liegende Idee sowie die technische und wirtschaftliche Funktionsweise der Tokens – alles Fragen, die auch für Investoren von Interesse sind. Diese Dokumentationen können 15, aber auch hundert Seiten umfassen, und in ihrer Aussagekraft weichen sie mitunter erheblich voneinander ab.

Zudem werden die Whitepaper nicht immer aktualisiert, obwohl sich über die Zeit vieles verändern kann. Es gibt keine regulatorischen Anforderungen an sie und es hat sich noch kein verbindlicher Standard durchgesetzt. Kurzum, der Vergleich mit einem Emissionsprospekt wäre irreführend – ausführliche Risikohinweise sucht man in diesen Papieren oftmals vergeblich. Dennoch sind Whitepaper ein guter Ausgangspunkt für die Analyse.

Für diejenigen, die tiefer einsteigen möchten, ermöglichen die öffentlichen Quellcodes eine tiefergehende Analyse der Geschäftsmodelle. Da auch die Blockchain-Daten öffentlich sind, sind ihre technischen Netzwerkdaten ständig verfügbar und somit einer Analyse zugänglich. Weitere Informationsquellen finden sich in Internet-Foren, einschlägigen Medien und Websites, bei spezialisierten Research-Häusern und Informationsdienstleistern und mittlerweile auch vereinzelt bei Banken und traditionellen Analysehäusern.

Es bedarf einer gewissen Erfahrung, um relevante Information von Rauschen unterscheiden und ihre Qualität beurteilen zu können. Denn im Unterschied zu börsennotierten Aktiengesellschaften gibt es in der dezentral organisierten Welt der Krypto-Assets keinen Vorstandsvorsitzenden und keine Investor-Relations-Abteilung.