Dynamik durch Fintechs Wie Privatbanken ihre Vorteile bei der Digitalisierung ausspielen

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Schauen wir zunächst darauf, wie sich die Privatbankiers öffentlich zur Digitalisierung äußern. Die Privatbank Hauck & Aufhäuser, die wir trotz ihres neuen chinesischen Ankerinvestors noch zu den Privatbanken zählen, formuliert Ihre Strategie beispielsweise so:

„Im Wesentlichen steht unsere Strategie der nächsten Jahre auf vier Säulen: Digitalisierung, Kosteneffizienz, Ausschöpfung möglicher Synergien (...) sowie anorganisches Wachstum. Um uns im Finanzdienstleistungsmarkt zu behaupten und unsere Position zu stärken, müssen wir sowohl unsere Kooperation mit digitalen Vermögensverwaltern weiterentwickeln als auch unsere traditionell angebotenen Dienstleistungen in die digitale Welt transferieren - angefangen von einer agilen Kommunikation mit unseren Kunden auf verschiedenen Kanälen bis hin zu einem zeitgemäßen Online-Banking und -Reporting. Um dieses Zielbild einer digitalen Privatbank zu erreichen, sind umfangreiche Investitionen nötig, die wir nur mit einer hohen Kosteneffizienz bei unserer täglichen Arbeit werden aufbringen können.“ (Quelle: Hauck&Aufhäuser; Michael Bentlage, Sprecher der Geschäftsleitung; März 2017).

Auch die Vermögensverwaltung, ein Kernprodukt des Private Bankings, wird digitalisiert. Es herrscht bei den meisten Privatbankiers die Ansicht vor, dass es keinen Austausch der individuellen Vermögensverwaltung geben wird. Stattdessen werden digitale und klassische Vermögensverwaltung nebeneinander Bestand haben. Darüber hinaus werden Robo-Advisors eigenständig als Produkte neben individuellen Anlagestrategien samt Beratung stehen.

Joachim Gorny, ehemaliger Vorstand von Merck Finck-Privatbankiers, beschreibt dies so:

„(...)Dazu gibt es immer zwei Ansichten. Das nehme ich oftmals in Gesprächen mit Kollegen wahr. Aus unserer Branche heraus empfinden wir Robo-Advisor und Fintechs als die vielbeschworene Gefahr, zu denen die Kunden abwandern. Wenn Sie es aber von der anderen Seite betrachten, haben diese rein zahlenmäßig – selbst in den USA, wo die Entwicklung bereits einige Jahre Vorsprung hat – noch keine signifikanten Marktanteile gewonnen.

Warum ist das der Fall? Eine schlüssige Antwort darauf ist, dass hier wieder das Element Vertrauen ins Spiel kommt. Wir unterhalten uns regelmäßig mit Fintechs, die uns mitteilen, dass hin und wieder Kunden vorbeikommen, um zu schauen, ob es sie wirklich gibt. Bei einem Bankhaus wie dem unseren weiß jeder, dass es existiert. Als alteingesessenes, traditionelles Institut hat es einen unbeschädigten Namen. Wenn wir uns solchen Diensten widmen, weiß man: Es steht etwas dahinter. Und das wird automatisch mit dem Thema Vertrauen verbunden.

Diese Höhe müssen Fintechs erst noch aufbauen. Daher ist die Conclusio für uns, wenn wir über diese Dinge nachdenken, in Kooperationsmodellen zu planen. Das sieht man auch an anderer Stelle: Deutsche Bank und Commerzbank haben Kooperationen mit Fintechs, die sie in Frankfurt zusammenführen, um hierarchiefrei und gemeinschaftlich neue Banking-Modelle zu entwickeln. Man tastet sich heran. Ich glaube nicht, dass es eine Einbahnstraße in die eine oder andere Richtung gibt, sondern auch dieses Feld ist heterogen.