„Wir sind das Family Office des Mittelstands.“ – Bei der Pressekonferenz zu den Zahlen des ersten Quartals 2026 stellte Bettina Orlopp nicht nur starke Ergebnisse vor, sondern auch die überarbeitete Strategie bis 2030, die den Namen Momentum trägt – und in dieser nimmt die Vermögensverwaltung eine tragende Rolle ein.
Die Commerzbank habe als bevorzugter Partner des Mittelstands eine besondere Ausgangslage, so Orlopp: Die Bank begleite nicht nur die Unternehmen selbst, sondern auch die Familien dahinter. In den vergangenen zwei bis drei Jahren habe man bereits massiv in den Ausbau von Produkt- und Serviceangeboten investiert. Gerade im Bereich Vermögensverwaltung registriere die Bank nun deutlichen Zufluss – und wolle diesen Wachstumspfad weiter vorantreiben.
Billionenpotenzial beim Generationenwechsel
Die strategische Logik dahinter ist klar: Die investierbaren Vermögen in Deutschland sollen bis 2028 um knapp eine Billion Euro wachsen. Gleichzeitig steht der Mittelstand nach Einschätzung von Orlopp vor einem Jahrzehnt des Generationenwechsels. Für die Commerzbank, die nach eigenen Angaben bei deutschen Firmenkunden einen Marktanteil von mehr als zehn Prozent hält, ergebe sich daraus eine erhebliche Wachstumschance. Das Angebot soll umfassend sein: Beratung, Vermögensverwaltung und sämtliche Finanzdienstleistungen aus einer Hand – für Unternehmer und ihre Familien.
Auch Künstliche Intelligenz soll dabei helfen, dieses Versprechen einzulösen. Im Privatkundengeschäft plant die Commerzbank den weiteren Ausbau von Initiativen für vermögende Kunden, gestützt durch KI-Anwendungen in der Kundeninteraktion und Beratung. Die Frage, ob KI die Nachfrage nach klassischen Vermögensverwaltungsprodukten dämpfen könnte, wies Orlopp mit Verweis auf die Bedeutung von Datenschutz und Vertrauen zurück – genau jene Felder, auf denen eine regulierte Bank Stärken ausspielen könne.
Stellen werden auf- und abgebaut
Dem angekündigten Bruttoabbau von konzernweit rund 3.000 Stellen bis 2030 stehe ein gezielter Aufbau in Wachstums- und Zukunftsbereichen gegenüber, so Orlopp. Konkrete Zahlen für die Vermögensverwaltung nannte sie nicht. Sie betonte jedoch, dass Upskilling und Reskilling bestehender Mitarbeitender ein zentraler Faktor seien – dafür habe die Bank den sogenannten Momentum-Jobmarkt aufgebaut. Neueinstellungen von außen seien ebenfalls vorgesehen, aber nicht die erste Option, sagt Orlopp gegenüber dem private banking magazin.
Bereits in der Pressemitteilung vor dem Gespräch stand dazu: „Die fortgesetzte Transformation der Bank geht mit einem konzernweiten Abbau von weiteren rund 3.000 Stellen brutto einher. Dem stehen gezielte Aufbauten in Wachstums- und Zukunftsfeldern gegenüber.“
Das Segment „Privat- und Unternehmerkunden Deutschland" soll dabei klar auf margenstärkeres Provisionsgeschäft ausgerichtet werden. Der Provisionsüberschuss soll bis 2028 jährlich um sieben Prozent wachsen, in den Jahren 2029 und 2030 um fünf bis sechs Prozent.
Rekordquartal mit angehobenen Zielen
Den Rahmen für diese strategischen Ankündigungen lieferten gute Quartalszahlen. Die Commerzbank steigerte ihre Erträge im ersten Quartal 2026 um fünf Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis kletterte um elf Prozent auf 1,4 Milliarden Euro – ein Rekordwert. Das Nettoergebnis stieg um mehr als neun Prozent auf 913 Millionen Euro, die Netto-Eigenkapitalrendite auf 12,7 Prozent. Die Cost-Income-Ratio verbesserte sich auf 53 Prozent, bereinigt um Pflichtbeiträge bereits auf 50 Prozent. Die harte Kernkapitalquote lag per Ende März bei 14,5 Prozent, deutlich über dem Zielwert von 13,5 Prozent.
Auf Basis des starken Jahresstarts hob die Bank ihre Prognose für 2026 an: Das Nettoergebnis soll nun mindestens 3,4 Milliarden Euro erreichen, die Netto-Eigenkapitalrendite rund zwölf Prozent, die Cost-Income-Ratio rund 53 Prozent. 100 Prozent des Nettoergebnisses nach AT1-Coupon-Zahlungen sollen an die Aktionäre ausgeschüttet werden.
Bis 2030 strebt die Commerzbank mit ihrer aktualisierten Strategie „Momentum 2030" ein Nettoergebnis von 5,9 Milliarden Euro an, eine Eigenkapitalrendite von 21 Prozent und eine Cost-Income-Ratio von 43 Prozent – bereinigt um Pflichtbeiträge von 41 Prozent. Das entspräche einem durchschnittlichen Ertragswachstum von sechs Prozent jährlich.
Finanzvorstand Carsten Schmitt hob den Provisionsüberschuss als Quartalshighlight hervor. Er sei auf ein Allzeithoch gestiegen, mit einem Plus von neun Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Alle Kundensegmente hätten dazu beigetragen. Auch der Zinsausblick für 2026 wurde angehoben: Der Zinsüberschuss soll nun rund 8,6 Milliarden Euro erreichen, unter anderem getragen vom weiteren Aufbau des Replikationsportfolios, das bis 2030 einen kumulierten Zusatzbeitrag von rund 2,7 Milliarden Euro leisten soll.
Abwehrkampf gegen Mailand
Parallel zum starken Quartalsergebnis und der neuen Strategie läuft bei der Commerzbank ein Abwehrkampf. Die Unicredit hat ein Übernahmeangebot vorgelegt, das Orlopp in der Pressekonferenz zurückwies. Das Angebot bewertet die Commerzbank ihrer Einschätzung nach fundamental unter Wert – unabhängig davon, welchen Referenzwert man heranziehe. Eine nennenswerte Prämie sehe der Plan der Mailänder nicht vor.
Orlopp kritisierte zudem die inhaltliche Substanz des Vorhabens. Der Plan der Unicredit sei vage und mit erheblichen Umsetzungsrisiken verbunden. Das von den Italienern behauptete Kostensenkungspotenzial von 1,3 Milliarden Euro bis 2028 bezeichnete sie als „extrem aggressiv". Den negativen Ertragseffekt schätzt die Commerzbank auf deutlich über eine Milliarde Euro.
Aufgewühlt zeigte sich Orlopp über die Präsentation der Unicredit vom 20. April. Diese habe die Führung und die Belegschaft tief getroffen. Unicredit habe mit irreführenden Darstellungen versucht, die Commerzbank zu diskreditieren und deren Bewertung zu drücken. Die Bafin habe daraufhin schnell reagiert und auch eine Social-Video-Kampagne der UniCredit gestoppt. „Banking ist Vertrauen", sagte Orlopp – und es sei besonders kritisch, wenn ein Wettbewerber, der zugleich Aktionär sei, versuche, das zu untergraben.
Wirtschaftliche Auswirkungen auf das Kundengeschäft seien bislang nicht festzustellen. Die begründete Stellungnahme von Vorstand und Aufsichtsrat zum Übernahmeangebot soll innerhalb der gesetzlich vorgesehenen Frist von 14 Tagen veröffentlicht werden.
Nomura baut Anteil aus
Kurz vor der Pressekonferenz hatte Nomura gemeldet, den Anteil an der Commerzbank auf 8,1 Prozent aufgestockt zu haben. Eine Einschätzung dazu wollte oder konnte Orlopp zum Zeitpunkt der Pressekonferenz noch nicht abgeben