Betriebsversammlung Philippe Oddo erklärt BHF-Mitarbeitern künftige Strategie

BHF-Vorstandschef Philippe Oddo (r.) im Gespräch mit Redakteur Ansgar Neisius | © Piotr Banczerowski

BHF-Vorstandschef Philippe Oddo (r.) im Gespräch mit Redakteur Ansgar Neisius Foto: Piotr Banczerowski

Die vergangenen Monate waren für die BHF-Bank weniger ruhig verlaufen. Angefangen hatte es mit einem Übernahmeangebot der chinesischen Beteiligungsfirma Fosun im Juli vergangenen Jahres, dem im November ein Gegenangebot der französischen Finanzgruppe Oddo & Cie. folgte. Letztere setzte sich durch und schloss am 11. März dieses Jahres per Squeeze-out die Übernahme ab.

Seitdem ist Eigentümer Philippe Oddo Vorstandsvorsitzender der BHF-Bank. Erst gestern verkündete man, Joachim Häger als Private-Banking-Vorstand gewonnen zu haben. Er leitete zuvor das deutsche Wealth Management der Deutschen Bank.

Einführung von Executive Committees

Nach drei Monaten im Amt hat er sich nun einen guten Überblick über die Lage im Frankfurter Traditionshaus verschafft, wie er im Gespräch dem private banking magazin erzählt. Die ersten strategischen Maßnahmen wurden ins Auge gefasst und nun den eigenen Mitarbeitern auf einer Betriebsversammlung vorgestellt.

Eine der ersten Maßnahmen wird demnach sein, in der BHF-Bank ein Executive Committee zu gründen. Dies stelle keinesfalls eine neue Hierarchie-, sondern lediglich eine Arbeitsebene dar. Das Gremium soll einmal die Woche tagen und helfen, die einzelnen Unternehmensbereiche besser zu verzahnen, um Produkte und Dienstleistungen noch besser auf die Bedürfnisse der Kunden abzustimmen.

Des Weiteren solle es in den vier Geschäftsbereichen Private Banking, Asset Management, Corporate Banking und Financial Markets ebenfalls Executive Committees sowie die Rolle eines operativen Leiters (COO) geben. Zudem sollen die Back- und Middle-Office-Abteilungen wie Recht, Compliance, Risiko, Personal und IT künftig stärker als Dienstleister der einzelnen Geschäftsbereiche arbeiten und so deren Geschäftsentwicklung besser unterstützen. Die operativen Leiter berichten künftig an Vorstand Frank Behrends, den COO auf Gruppenebene.

Jahre der Ungewissheit: Die jüngere Geschichte der BHF-Bank


Dementi bei Frankfurt-Trust

Von einigen Medien war bisher über einen Verkauf der Fondsgesellschaft Frankfurt-Trust spekuliert worden. Das dementiert Philippe Oddo. Es sei nicht mal ein Gespräch in diese Richtung geführt worden, so der Franzose. Gleichzeitig beabsichtigt man allerdings nicht die Frankfurt-Trust mit Oddo Meriten Asset Management, der Fondstochter der Finanzgruppe Oddo & Cie., zu verschmelzen. Frankfurt-Trust sei eine tolle Marke, habe ein tolles Team, soll unabhängig bleiben und wachsen. Oddo beabsichtigt aber auch, Geld in die Fondstochter zu investieren.

Über einen Verkauf war unter anderem spekuliert worden, weil der Kauf der Gruppe BHF Kleinwort Benson den Franzosen viel Geld gekostet habe – konkret 725 Millionen Euro. Im Dezember hatte man dafür bereits eine Kapitalerhöhung um 100 Millionen Euro durchgeführt. Nach den Verkäufen des Wealth Management von Kleinwort Benson an die Société Générale und dem Asset-Management-Arm Kleinwort Benson Investors an Amundi seien nun aber mehr als 400 Millionen Euro in die Kassen gespült worden. Philippe Oddo: „Mit dem Kauferlös sind wir sehr zufrieden. Es ist Geld da, um in künftige Projekte zu investieren.“

Stellenabbau nicht in Sicht

Ein Stellenabbau, der dank Abfindung teuer werden könnte, sei damit aber nicht gemeint. Dass es konkrete Pläne gebe, dementiert der BHF-Eigentümer. Vielmehr wolle man den neuen Strukturen zunächst einmal Zeit geben, ihre Wirkung zu entfalten. Vielmehr verkündete man auf der Betriebsversammlung, dass alle BHF-Mitarbeiter die Gelegenheit bekommen, Aktionäre von Oddo & Cie. zu werden.

Der Fokus der Investitionen liegt stattdessen im Geschäftsbereich Financial Markets und dem dortigen Aktien-Research sowie der IT. So plant man für Oktober bei der BHF-Bank ein neues Kernbankensystem (Avaloq) einzuführen.

Abgänge in der Schweiz

Beim Niederlassungsnetz im Private Banking werde der Schwerpunkt eher auf der Entwicklung der bisherigen Standorte gelegt als im ersten Schritt über weitere Standorte nachzudenken. Zudem habe man Ideen für eine BHF-Strategie in der Schweiz.

Gerade dort gibt es derzeit aber Abgänge zu vermelden, wie das private banking magazin aus gut unterrichteten Kreisen erfahren hat. So soll der Geschäftsleiter der BHF-Bank (Schweiz), Udo Schäberle, sowie Business Developer Christian Nägele und Top-Kundenmann Christian Wartmann das Unternehmen verlassen. Wie es für die drei weitergeht, ist zunächst unklar.

Das vollständige Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Philippe Oddo lesen Sie in der kommenden Ausgabe vom private banking magazin (erscheint am 11. August).