Bethmann Bank „Wir wollen Sparrings-Partner für Vermögensverwalter sein“

Stephan Isenberg, Vorstand bei der Bethmann Bank (links), und Marc Bohling, Leiter „External Asset Managers“ | © Tom Hoenig

Stephan Isenberg, Vorstand bei der Bethmann Bank (links), und Marc Bohling, Leiter „External Asset Managers“ Foto: Tom Hoenig

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private banking magazin: Die Bethmann Bank war bisher nicht als Depotbank-Dienstleister für unabhängige Vermögensverwalter bekannt. Was war der Auslöser, dass Sie das Geschäftsfeld nun strukturiert angehen?

Stephan Isenberg: Das Geschäftsfeld war bei der Bethmann Bank bis 2014 relativ klein. Aber es ergänzte die Strategie und die Stärken unserer Bank gut: Wir bieten ausschließlich Dienstleistungen rund um privates Vermögen sowie für semi-institutionelle Kunden, etwa Stiftungen, Kirchen oder Versorgungswerke.

Über die Betreuung unabhängiger Vermögensverwalter können wir vermögende Kunden erreichen, die sich nicht direkt an eine Bank binden möchten. Insofern passte die Übernahme des Private Bankings der Credit Suisse Deutschland, die auch das Geschäft mit unabhängigen Vermögensverwaltern beinhaltete, bestens zur Weiterentwicklung der Bethmann Bank.

Ihre Bank hat im Zuge der Credit-Suisse-Übernahme die Abteilung „External Asset Managers“ ins Leben gerufen. Wie betreute die Bank unabhängige Vermögensverwalter denn zuvor?

Isenberg: Sie wurden direkt von unseren Niederlassungen betreut. Mit dem neuen Team um Marc Bohling gehen wir nun fokussiert und strukturiert an den Ausbau unseres Angebots.

Der Markt ist mit rund zehn Anbietern schon dicht besetzt. Wie, glauben Sie, kann man als Bethmann Bank punkten?

Isenberg: Mit aktuell gut 3 Milliarden Euro betreutem Vermögen in den Depots haben wir eine gute Basis, um das Geschäft weiter ausbauen zu können. Künftig wollen wir eine Nische im bestehenden Markt besetzen, die zu unserem Haus passt. Anders als bei den meist auf die Technik fokussierten Mitbewerbern liegt unser Schwerpunkt auf der persönlichen Betreuung der unabhängigen Vermögensverwalter. Wir setzen konsequent auf individuellen Service.

Marc Bohling: Was uns auch auszeichnet, ist die Nachhaltigkeit der Kundenbetreuung. Das heutige Team hat schon zu Credit-Suisse-Zeiten bestanden, und zwar acht Jahre lang. Bei uns hat ein Vermögensverwalter einen festen Ansprechpartner, der ihn gut kennt. Das ist in vielen Alltagssituationen ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Zudem wollen Vermögensverwalter auch Beständigkeit auf Institutsebene. Wird es meine Depotbank auch noch in fünf Jahren geben? Mit der Credit Suisse haben wir erlebt, wie schnell sich die Situation ändern kann. Dank der Strategie der Bethmann Bank und ihrer Größe im deutschen Private Banking können wir Vermögensverwaltern gut vermitteln, dass wir langfristig im Markt sein werden.

Wie verlief die Migration des Credit-Suisse-Geschäfts zur Bethmann Bank?

Isenberg: Es handelte sich um eine sehr komplexe Aufgabe, die wir insgesamt gut gemeistert haben. Ich kann die tolle Arbeit der Teams kaum genug loben. Natürlich mussten wir auch Anpassungen vornehmen, das ist in einer solchen Situation normal. Aber dass wir mit Problemen schnell und engagiert umgegangen sind, haben uns die Vermögensverwalter zurückgemeldet. Wir haben in der Migration keinen einzigen Kunden verloren und seitdem sogar einige Vermögensverwalter hinzugewonnen.

Noch mal zur individuellen Betreuung: Die bieten auch andere Wettbewerber an. Was unterscheidet die Bethmann Bank im Vergleich?

Bohling: Wir bieten den Vermögensverwaltern ein umfassendes Investment Advisory. Das macht kaum ein Mitbewerber. Oftmals suchen unsere Kunden einen Sparrings-Partner für sämtliche Investment-Themen, sei es Research für ihre Kunden oder für die Vermögensverwalter selbst, die beispielsweise Renten- oder Aktienlisten für die eigene Vermögensverwaltung brauchen. Bei beidem geht es darum, dem Vermögensverwalter seine Arbeit zu erleichtern und ihm mehr Zeit für Kundengespräche zu ermöglichen.

Wie setzen Sie den Wunsch nach einem Sparrings-Partner um?

Bohling: Die Nachfrage bemerkten wir noch zu Credit-Suisse-Zeiten und finge mit monatlichen Telefonkonferenzen an, in denen die Bank einen fundierten Marktausblick gibt. Hinzu kommen heute sogenannte Investment Lunches in den Bethmann-Niederlassungen, bei denen wir die Vermögensverwalter und unsere Analysten zusammenbringen.

Isenberg: Ganz wichtig ist auch, Gesprächspartner für die diversen Regulierungsvorhaben zu sein. Nehmen Sie nur die Richtlinie Mifid II, die vor der Tür steht. Es besteht ein großer Informations- und Interpretationsbedarf – und da können wir unterstützen, weil wir uns mit dem Thema bereits seit Langem intensiv beschäftigen.