Expertinnen von drei Privatbanken berichten Was hochvermögende Kundinnen wollen

Bethmann Bank, DZ Privatbank, Quirin Bank

Die Bethmann Bank, die DZ Privatbank und die Quirin Bank berichten über ihre Erlebnisse mit hochvermögenden Kundinnen. Bildquelle: Imago

Zwischen 2018 und 2023 legte das weltweite Vermögen von Frauen um 51 Prozent zu – deutlich stärker als das Gesamtvermögen mit 43 Prozent. Dennoch lassen Frauen ihr Vermögen seltener verwalten als Männer: Nur 47 Prozent ihres Vermögens geben sie in die Hände eines Portfoliomanagers, während Männer im Schnitt 55 Prozent verwalten lassen. Das geht aus Studien von McKinsey hervor.

Die Bethmann Bank, die DZ Privatbank und die Quirin Privatbank setzen deshalb auf spezielle Veranstaltungsformate – von Rooftop-Events bis zu Finanzakademien –, um Frauen als Kundinnen zu gewinnen.

 

„Frauen sind die am schnellsten wachsende Kundengruppe bei der Bethmann Bank“, sagt Shisel Stenger, die bei der Privatbank mit Sitz in Frankfurt am Main im Business Development arbeitet. „Noch sind Frauen recht zurückhaltend. Doch wenn sie investieren, sind sie häufig sogar die besseren Börsianer“, sagt sie. „Frauen wechseln nicht so schnell ein Mandat, wenn die Performance schwankt“, so Stenger.

„Sich dem Kapitalmarkt total zu verweigern, ist tatsächlich ein Fehler, den vermehrt Frauen machen“, sagt Maria Maas, die im Business Development der DZ Privatbank arbeitet. Ihre Promotion, die sie bei der Bank schreibt, widmet sich den Bedürfnissen weiblicher, hochvermögender Kundinnen. Maas sagt: „Es ist mittlerweile erforscht, dass Frauen eine höhere Risikoaversion in der Geldanlage haben.“

Ein Blick in die Vergangenheit offenbart einen möglichen Grund für die größere Skepsis von Frauen, ihr Vermögen in die Hände eines Beraters zu geben. „Seit 1958 kann Frau überhaupt erst ein eigenes Konto führen“, sagt Maas.

Private Banking: von Männern für Männer

Private Banking wurde in der Historie von Männern, für Männer geschaffen. Die älteste Privatbank Deutschlands, die Berenberg Bank, wurde in der Frühen Neuzeit im Jahr 1590 gegründet. Bis 1958 konnten Männer in Deutschland Frauen verbieten, zu arbeiten.

Frauen hatten in Deutschland über die Generationen hinweg weniger Zeit als Männer, hohe Vermögen aufzubauen und sie zu verwalten. Um diese Lücke zu schließen, organisiert die DZ Privatbank seit 2020 eigene Veranstaltungen im Bereich „Women & Finance“.

Ein Thema dabei ist geschlechtsspezifisches Anlageverhalten in Wissenschaft und Praxis. Maas sagt: „Ich würde mich aus dem Fenster lehnen und sagen, dass es auf diesen Veranstaltungen mehr Offenheit für Rückfragendiskussionen gibt, als wenn ich ein nur männliches Publikum habe.“ Augenzwinkernd bemerkt sie, dass sie ebenfalls einen Selektions-Bias hat. Sie selbst besuche überwiegend Veranstaltungen, die sich speziell an Frauen richten.

Dennoch lässt sich dieser Effekt laut Maas in Studien belegen. Weibliche Probanden bekamen beim Anblick einzelner Frauen in einem Raum voller Männer  Schweißausbrüche. Bei Männern trat dagegen kein Unwohlsein auf. Das geht aus einem im Fachmagazin Psychological Science veröffentlichten Experiment hervor.