Bester Aktienfonds Europa „Wir setzen immer beim Geschäftsmodell an“

Christoph Benner von der Fondsboutique Chom Capital | © Florian Sonntag

Christoph Benner von der Fondsboutique Chom Capital Foto: Florian Sonntag

private banking magazin: Herr Benner, Ihr Fonds Chom Capital Active Return Europe UI liegt bei der Rating-Agentur Citywire im Drei-Jahres-Zeitraum auf Platz 1 in der Kategorie „Europäische Aktien“. Worauf führen Sie diesen Erfolg zurück?

Christoph Benner: Gemäß dem Motto „Schuster, bleib bei Deinem Leisten“ konzentrieren wir uns bei Chom Capital seit jeher auf unsere Kernkompetenz für europäische Aktien, und wir haben bei der Deutschen Bank eine sehr gute Ausbildung im Bereich der Fundamentalanalyse genossen. Zudem stellen wir fest, dass uns unsere Erfahrung gerade in schwierigen Phasen immer wieder hilft, Trendveränderungen richtig zu deuten sowie wahre Werte unabhängig von Zyklen zu erkennen und zu heben.

Brechen Sie doch mal eine Lanze für aktives Fondsmanagement.

Benner: Diverse Studien zeigen, dass es nur mit aktivem Fondsmanagement gelingt, besser als der Markt zu sein. Der Wissenschaftler Antti Petajisto, der vor etwa zehn Jahren die Kennzahl Active Share entwickelt hat, hat darüber hinaus herausgefunden, dass fundamentale Stockpicker mit einem konzentrierten Portfolio empirisch betrachtet die erfolgversprechendsten Konzepte liefern für einen nachhaltigen Mehrwert.

Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit, denn für den tatsächlichen Erfolg müssen diese Vorgaben auch richtig umgesetzt werden. Bei Chom Capital als fokussiertem europäischen Stockpicker funktioniert es: In den vergangenen 14 Kalenderjahren haben sich die von uns betreuten Portfolios besser entwickelt als der DJ Stoxx 600 Net Return.

Dennoch bekommen passive Produkte im Vertrieb mehr und mehr Zulauf. Welche Investorengruppen setzen bevorzugt auf ETFs, und wer schätzt aktives Management?

Benner: Ein bestimmter Anlegertypus für das eine oder andere lässt sich gar nicht so einfach ausmachen, beide Seiten haben ja auch durchaus ihre Daseinsberechtigung. Zunehmend schwer wird es für sogenannte aktive Anbieter, die sich in Wirklichkeit dicht an passiven Produkten bewegen. Diese Fonds sind oftmals nur teuer und erbringen – wenn überhaupt - nur begrenzten Mehrwert. Derartige Strategien finden daher immer weniger institutionelle Anleger.

Profitieren Sie als aktiver Anleger auch vom ETF-Boom?

Benner: Je mehr Liquidität am Markt besteht und je stärker sie in die gleiche Richtung fließt, umso mehr Opportunitäten ergeben sich für Stockpicker wie uns. Gerade in Sell-off-Phasen oder volatilen Seitwärtsmärkten, die losgelöst von der Qualität der einzelnen Geschäftsmodelle ganze Unternehmenssektoren bewegen, kommt unser fundamental-analytischer Investmentansatz besonders gut zum Tragen. Hier ergeben sich für uns immer wieder gute Einstiegschancen.

Welches Marktsegment ist für aktives Fondsmanagement besonders geeignet?

Benner: Hier würde ich nicht nach Marktsegmenten differenzieren. Für einen aktiven Stockpicker sind Marktsegmente, Länder-, Sektor- oder Benchmark-Zugehörigkeit nicht der Ansatzpunkt. Das einzelne Unternehmen mit einem nachhaltigen Geschäftsmodell und einem qualitativ guten Management, gepaart mit analysierbaren Werttreibern, ist der Ausgangspunkt jeglicher Analyse.

In Kürze wird ihr Fonds fünf Jahre alt. Was hätten Sie rückblickend anders gemacht?

Benner: Nun, wir lernen alle dazu und machen Fehler. Wir hätten vielleicht etwas aktiver in puncto Marketing sein können. Letztendlich war es uns aber wichtiger, zunächst einen guten Track Record aufzubauen und unseren bestehenden Kunden einen guten Mehrwert zu liefern. Nun kommt unsere Unternehmensentwicklung in die nächste Phase, in der wir auch weiteren potentiellen Neukunden zeigen möchten, wer wir sind und wie wir managen. Allerdings werden auch künftig die Qualität unseres Investmentansatzes und die Performance für unsere Investoren an allererster Stelle stehen.

Wo haben Sie auch mal richtig Glück gehabt?

Benner: Der größte anzunehmende Glücksfall für uns war definitiv, dass sich die drei Gründer von Chom Capital vor etwa 25 Jahren getroffen haben und sich über die Jahre eine feste, vertrauensvolle Einheit gebildet hat, geleitet vom gleichen Wertegerüst. Dieses Glück haben wir mit dem gesamten Team.