Bestandsaufnahme nach 15 Jahren Der Spezialfonds wächst im Volumen, nicht in der Zahl

Clemens Schuerhoff von Kommalpha: „Ein Jahr mit Nettomittelabflüssen aus dem Spezialfondsmarkt halten wir für die nächsten 15 Jahre für ausgeschlossen.“

Clemens Schuerhoff von Kommalpha: „Ein Jahr mit Nettomittelabflüssen aus dem Spezialfondsmarkt halten wir für die nächsten 15 Jahre für ausgeschlossen.“ Bildquelle: Kommalpha

Ursprünglich sollte dieser Beitrag „Totgesagte leben länger“ heißen – doch das hätte nicht zum schönen Anlass dieser Ausgabe gepasst. Es ist mir eine besondere Freude, zur 15-Jahre-Jubiläumsausgabe beizutragen. Herzlichen Glückwunsch an das gesamte Team des private banking magazins! In unserem Hause werten wir regelmäßig Bestands- und Transaktionsdaten des deutschen Spezialfondsmarkts aus.

Der Jubiläumszeitraum von 15 Jahren ist daher ein willkommener Anlass für einen genauen Blick. Zum Warmwerden ein kurzer Abriss zur Geschichte des Spezialfonds – nach wie vor das beliebteste Vehikel für die indirekte Kapitalanlage deutscher institutioneller Investoren. Der erste Datenpunkt der Bundesbank-Spezialfondsstatistik stammt von Ende 1968: ein Bestand von 147 Millionen Euro (aus D-Mark umgerechnet) – der Beginn einer besonderen Erfolgsgeschichte.

 

Richtig in Fahrt kam das Geschäft ab Ende der 1980er-Jahre, als die 100-Milliarden-Euro-Grenze fiel; die 500-Milliarden-Euro-Marke folgte im Juli 1997. Den Turbo zündete 2001 das legendäre Nikolaus-Rundschreiben des damaligen Bundesaufsichtsamts für das Kreditwesen (das 2002 in der BaFin aufging): Es erlaubte formell die Trennung von Fondsadministration und Asset Management und legte damit die Grundlage für das Masterfondsgeschäft – Master-, Sub- und Segmentfonds werden zu einem hohen Anteil als Spezialfonds aufgelegt.

Brenzlig wurde es 2011 noch einmal, als die AIFM-Richtlinie (AIFMD) das Aus für den Spezialfonds als spezifisch deutsche Umsetzungsform alternativer Investmentfonds heraufzubeschwören schien. Die Umsetzung durch das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) 2013 verhinderte dies – der deutsche Spezialfonds war eben keine Fondskategorie, die die Richtlinie regulieren sollte.

Kurz „totgesagt“, ging die Erfolgsgeschichte weiter: Standortwettbewerb und die Evolution des Asset Managements konnten ihm nichts anhaben, im Gegenteil – Niedrigzinsphase, Spezialisierung und Globalisierung waren Wasser auf seine Mühlen.

Damit sind wir beim Jubiläumszeitraum der vergangenen 15 Jahre. Zum 31. März 2026 betrug das Spezialfondsvermögen rund 2.230 Milliarden Euro. Zu Beginn der Betrachtungsperiode, im Januar 2011, waren es 798,3 Milliarden Euro. Das Volumen hat sich also knapp verdreifacht und um 1.430,9 Milliarden Euro zugenommen. 

Die Entwicklung verlief nahezu linear und stetig steigend – bis auf die abrupte Zinswende ab Frühjahr 2022. Wegen der dominierenden Bondbestände weist die Kurve dort einen deutlichen Knick nach unten auf: Von März bis Dezember 2022 verringerte sich das Vermögen um 162,3 Milliarden Euro – und das trotz erheblicher Nettomittelzuflüsse im selben Zeitraum.

Danach wuchs der Markt weiter, wenn auch mit etwas gebremster Dynamik. Die Zahl der Spezialfonds entwickelte sich dagegen verhalten: Sie stieg im Betrachtungszeitraum um 631 auf 4.418 administrierte Fonds per Ende März 2026.

Folgerichtig haben sich die durchschnittlichen Fondsvolumina massiv erhöht und mehr als verdoppelt. Altersvorsorgeeinrichtungen und Versicherungen sind mit Abstand die größten Investorengruppen.

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Ende 2011 waren die Versicherungen mit 285,8 Milliarden Euro und rund 35 Prozent Marktanteil die klar bedeutendste Kundengruppe; die Altersvorsorgeeinrichtungen folgten mit 141 Milliarden Euro und rund 17 Prozent. Auf der Zeitachse werden die Verschiebungen deutlich.

Am stärksten legen die Altersvorsorgeeinrichtungen zu: Von Ende 2011 bis Ende 2025 gewinnen sie rund 11 Prozentpunkte Marktanteil hinzu, was einer Bestandszunahme von 480 Milliarden Euro entspricht. Die Versicherungen verlieren im selben Zeitraum ebenso rund 11 Prozentpunkte; ihre Bestände wuchsen lediglich um 253 Milliarden Euro. Auch die übrigen Investorenkategorien legten teils erheblich zu.

Zwei weitere Kundengruppen – private Organisationen ohne Erwerbszweck sowie Sozialversicherungen und öffentliche/kirchliche Zusatzversorgungseinrichtungen – bauten ihre Marktanteile aus und wuchsen damit überproportional zum Gesamtmarkt. Lange Rede, kurzer Sinn: Der Spezialfonds ist aus dem deutschen Asset Management nicht mehr wegzudenken und hat viele Krisen umschifft.

 

Er wird ein beliebtes Vehikel für die indirekte Kapitalanlage institutioneller Investoren bleiben. Sein Wachstum hängt von Solvenz und Liquidität der großen, verbindlichkeitsorientierten Investorensegmente ab – und angesichts der demografischen Entwicklung ist dort gedämpfte Euphorie angebracht. Ein Jahr mit Nettomittelabflüssen aus dem Spezialfondsmarkt halten wir für die nächsten 15 Jahre gleichwohl für ausgeschlossen. Wir prüfen das beim 30-jährigen Jubiläum!


Über den Autor:

Clemens Schuerhoff ist seit 2006 Vorstand von Kommalpha, einer europaweit auf institutionelle Kapitalanleger spezialisierten Beratung. Zuvor war er ab 1994 im institutionellen Geschäft der BfG Bank / SEB tätig und führte von 2001 bis 2006 seine eigene Beratung.

 

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