Besser als ihr Ruf Argumente gegen Anleihe-ETFs sind ein Mythos

Chris Hofmann ist als Senior-Vertriebsspezialistin für ETFs bei Vanguard für den deutschen und österreichischen Markt tätig.  | © Vanguard

Chris Hofmann ist als Senior-Vertriebsspezialistin für ETFs bei Vanguard für den deutschen und österreichischen Markt tätig. Foto: Vanguard

Passive Anleihe-ETFs sind im Aufwind: In Deutschland hat sich ihre Zahl laut Morningstar-Daten in den vergangenen fünf Jahren auf 365 verdoppelt, ihr Anlagevermögen ist von 52 Milliarden Euro auf 187 Milliarden Euro gestiegen. Damit erreichen sie jedoch noch nicht das Niveau von Aktien-ETFs. Kritiker nennen häufig Komplexität, Performance und Liquidität als Argumente gegen Anleihe-ETFs. Dahinter verbergen sich jedoch in der Regel Mythen und Missverständnisse über ETFs und Indexstrategien.

Anleihe-Indizes: eine Herausforderung für ETF-Manager

Am Rentenmarkt stellen Indexstrategien größere Herausforderungen dar. Passive Aktienstrategien erscheinen dagegen vergleichsweise einfach. Portfoliomanager bilden dazu eine Benchmark ab, kaufen also die Aktien der im Index enthaltenen Unternehmen entsprechend ihrer Gewichtung. Anleihe-Indizes enthalten jedoch eine große Anzahl von Anleihen unterschiedlicher Emittenten sowie verschiedener Laufzeiten und Kupons. Daher sind sie schwieriger abzubilden. Der weitverbreitete Index Bloomberg Barclays Global Aggregate etwa bildet das globale Anleiheuniversum ab – er besteht aus 23.000 Komponenten.

Die Manager von Anleihe-ETFs versuchen, die Risiko- und Renditemerkmale des Index so gut wie möglich zu erfassen. Dabei kommt häufig eine als Sampling bekannte Methode zum Einsatz, mit der die Manager zahlreiche nationale, regionale und globale Benchmark-Indizes für Staats- und Unternehmensanleihen abbilden. Sie wollen durch die Auswahl der passenden Anleihen die Indexmerkmale möglichst genau abbilden und dadurch sowohl den Tracking Error als auch die Handelskosten begrenzen. Sampling setzt eine sorgfältig abgestimmte Mischung aus quantitativer Analyse der Risikomerkmale des Index und qualitativen Entscheidungen zu einzelnen Emittenten und Wertpapieren voraus.

Investmentprozess: Sampling vs. vollständige Replikation

Ziel: Das richtige Verhältnis von Tracking Error und Kosten Quelle: Vanguard

Performance-Bewertung

Wer höhere Renditen anstrebt, muss auch höhere Performance-Schwankungen in Kauf nehmen. Mit ETFs können Anleger dagegen davon ausgehen, dass sie das Risiko-Rendite-Profil der Anlageklasse erhalten, die der ausgewählte Index abbildet. Bei der Bewertung passiver Anleihe-ETFs spielen Kosten eine zentrale Rolle. Die Wahrheit – so simpel sie auch erscheinen mag – lautet: Je weniger Gebühren Anleger bezahlen, desto mehr bleibt ihnen von ihrer Rendite. Zwar trifft dies auf alle Fonds zu, in Anleiheportfolios sind die Auswirkungen von Kosten jedoch deutlicher spürbar als in Aktienportfolios.

Das liegt daran, dass Anleihen traditionell weniger Rendite abwerfen als Aktien. Seit der Finanzkrise bewegen sich Zinsen und Anleiherenditen nahe der Nullgrenze, in manchen Fällen sogar darunter. Langfristig dürften die Renditen auf Anleihen auch in Zukunft unter ihrem historischen Durchschnitt liegen.  Mit kosteneffizienten Anleihe-ETFs sollten Anleger unter diesen Bedingungen in der Lage sein, ihre Kosten zu verringern – und ihre Ergebnisse zu verbessern.