Bert Flossbach „Manager schauen auf Gehaltslisten wie auf Bundesligatabelle“

Bert Flossbach

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Bert Flossbach, Mitgründer und Vorstand der Kölner Vermögensverwaltung Flossbach von Storch, stört sich an den hohen Gehältern in Vorstandsetagen. „Wir beobachten mit großer Besorgnis, dass die Gehälter von Managern exorbitant steigen, obwohl die Leistungen in vielen Fällen das nicht rechtfertigen“, sagt er im Interview mit dem Handelsblatt. Dieser Trend sei von Amerika mittlerweile nach Deutschland gekommen. Die nun zum Teil sehr hohen Gehälter seien bei erfolgreichen Chefs gerade noch nachvollziehbar – bei einigen fielen sie aber viel zu hoch aus.

Die Gründe sieht Flossbach im menschlichen Verhalten. Die Manager verglichen ihre Gehälter untereinander. „Sie schauen auf die Gehaltslisten wie auf eine Bundesligatabelle“, so der Vermögensverwalter. „Wer liegt noch vor mir – und sollte ich nicht eigentlich davor liegen?!“ Stünde jemand, den sie für weniger qualifiziert hielten, über ihnen, so bräche ihr Glück zusammen.

Dabei spricht sich Flossbach zwar sehr für Transparenz aus – aber halt an der richtigen Stelle. So möchte er als Aktionär wissen, nach welchen Kriterien Boni gezahlt würden. Boni sollten Belohnungen für besondere Leistungen sein, aber in vielen Fällen seien sie das nicht. „Stellen Sie sich vor, der FC Bayern München würde seinem Trainer eine Sonderprämie für das Erreichen des Klassenerhalts zahlen“, vergleicht der Vermögensverwalter. „Absurd, aber leider Realität in vielen Unternehmen.“

Das Problem sei im Investmentbanking am größten. „Dort gibt es reihenweise Leute, die selbst keinerlei unternehmerisches Risiko tragen, aber in unvorstellbaren Gehaltssphären vorstoßen“, beklagt Flossbach. „Der Banker geht Risiken ein, der Unternehmer trägt sie, das ist ein feiner Unterschied.“

Das Thema liegt dem Vermögensverwalter besonders am Herzen, da er bei seinen Investitionen Vertrauen in das Management haben müsse. „Dieses Vertrauen wackelt enorm, wenn ich sehen muss, dass das Management das Unternehmen als Selbstbedienungsladen betrachtet“, so Flossbach. „Ich sage es mal ganz deutlich: Wenn ich jemandem mein Geld gebe, dann will ich nicht beschissen werden.“