Politik & Inflation Bert Flossbach: „Die Enteignung hat begonnen“

Bert Flossbach

Bert Flossbach

Zu Beginn: Sommerlicher Salat, Weißwein, Wasser und ein harter Brocken

Eine einfache und schmerzfreie Lösung der Schuldenkrise gibt es nicht. „Der Internationale Währungsfonds vergisst bei seinen Lösungsansätzen den Nenner“, kritisiert Flossbach. Die Schuldenquote, also der Quotient aus Schulden und Bruttoinlandsprodukt, lasse sich nicht mit drastischen Sparmaßnahmen senken. Flossbach: „Griechenland und Co. können sparen bis der Arzt kommt. Das geht schief. Denn wie sollen sie die Einnahmen erhöhen, wenn das Realwachstum durch die Sparmaßnahmen gehemmt wird?“ Die Weltwirtschaft wachse derzeit nur, weil die Schwellenländer, allen voran China, wachsen. Schon rein rechnerisch komme man an Inflation nicht vorbei.

Also lieber raus aus dem Euro? „Für Deutschland ist es zu spät, um aus dem Euro auszusteigen“, sagt Flossbach. Das würde einen Effekt wie beim Schweizer Franken geben. „Das neue Geld wäre die präferierte Währung der Welt und es würde zu einer massiven Aufwertung kommen.“ Das könne die deutsche Wirtschaft nicht verkraften. „Realistisch ist aber, dass einige Länder der Peripherie austreten“, so Flossbach.

Würde der Austritt Griechenlands  den Euro stärken oder schwächen? Flossbach: „Wenn das ein Exempel für die anderen Krisenstaaten wird, wie man bequem seine Schulden los wird, und diese dann auch den griechischen Weg proklamieren, haben wir ein Problem.“ Doch ganz so einfach sei es nicht. „Schließlich würde die neue Währung sofort massiv abwerten. Für die griechische Wirtschaft und Bevölkerung wäre das auch kein einfacher Weg.“

Der Hauptgang: Feinstes Rinderfilet, Gemüse, Pommes, Kartoffelpüree, Rotwein und Wasser. Man isst, die Anleger werden enteignet

„Nach Abzug der Inflation macht jeder, der sein Geld auf dem Konto, dem Sparbuch oder in Bundesanleihen anlegt, schon jetzt ein Verlustgeschäft“, so Flossbach. „Die Enteignung der Anleger hat bereits begonnen.“ Noch nie seien die Leitzinsen über einen so langen Zeitraum so niedrig wie heute gewesen. „Und daran wird sich in den nächsten Jahren nichts ändern.“ Wie man sich schützen kann? „Sich bewusst machen, dass Aktien erstklassiger Unternehmen quasi ein Schlaraffenland sind: attraktive Rendite, verlässliche Gewinne und Schutz vor Inflation.
Noch ist es nicht zu spät, die Inflation galoppiert noch nicht davon. „Keine Ahnung, wann sich der Knoten löst. Aber mit jedem Monat der niedrigen Zinsen, erhöht sich der Druck.“ Derzeit entlade er sich auf der ganzen Welt in Immobilien und Gold, wie man an den stark steigenden Preisen erkennen kann. Flossbach: „Und dieser Trend ist noch nicht am Ende.“ Es wäre sonst auch das erste Mal in der Geschichte, „dass Zinsen nahe Null nicht zu einer dramatischen Fehlallokation führen.“

Zum Dessert, ein mächtiges Mousse au Chocolat, noch etwas zum Thema Sicherheit

Warum also gehen Investoren nicht stärker in Aktien? „Sie haben eine regelrechte Vola-Phobie, eine Wahnsinnsangst vor schwankenden Kursen“, so Flossbach. Vielen sitze das verlorene Jahrzehnt in den Knochen, zumal das kommende nicht viel mehr verspreche. Flossbach: „Das ständige Auf und Ab hat die Anleger mürbe gemacht.“ Ein Irrtum, denn gerade bei Inflation würden insbesondere Aktien globaler Unternehmen mit starker Marktstellung, hoher Preissetzungsmacht, stabilen Margen und soliden Bilanzen doppelt profitieren. Flossbach: „Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse von Aktien werden so stark steigen wie die Mietmultiplikatoren von Top-Immobilien in den vergangenen Jahren.“ Auch die Umsätze bekommen einen Inflationsschub, ebenso wie die Gewinne unter der Annahme konstanter Margen.

„Ein verlorenes Jahrzehnt gibt es meiner Meinung nach nicht“, sagt Flossbach. Erstklassige Unternehmen mit stabilen und wachsenden Cashflows, attraktiven Dividendenrenditen und soliden Bilanzen hätten ihren Anlegern seit Ende 1999 viel Freude gemacht. Als Beispiel nennt er den englischen Konsumgüterriesen Reckitt Benckiser. Kursgewinn seit Anfang des neuen Jahrhunderts: 508 Prozent, 16 Prozent pro Jahr. Und rechnet man die Dividende mit ein, kommt man sogar auf rund 18 Prozent pro Jahr. Das deutsche Pendant Henkel schaffte immerhin noch 150 Prozent, 7,7 Prozent pro Jahr. Inklusive Dividende kommt man auf knapp 9 Prozent pro Jahr.

„Risiko kann man nicht eliminieren, sonst landet man im größten Risiko, der Geldentwertung“, so Flossbach. „Man muss es verstehen.“ An Aktien komme man derzeit einfach nicht vorbei. „Zumal sie so günstig sind wie noch nie in der Geschichte.“