Übersehener Erfolgsfaktor, Teil 1 So viel Performance verschlingen die Transaktionskosten

Professor Lutz Johanning (li.) von der Hochschule WHU und Marc Becker vom Analysehaus XTP

Professor Lutz Johanning (li.) von der Hochschule WHU und Marc Becker vom Analysehaus XTP

Erfolgreiche Kapitalanleger entscheiden sich typischerweise zum richtigen Zeitpunkt für Wertpapiere, die in der Folgezeit hohe Renditen im Verhältnis zu ihren Risiken abwerfen. Allerdings gelingt es nur sehr wenigen Anlegern, über die Wertpapierauswahl dauerhaft eine überlegene risikoadjustierte Rendite zu erzielen.

Kaum beachtet wird dabei, dass erfolgreiche Kapitalanleger in der Regel auch die Anlagekosten im Auge haben und diese optimieren. Bei den Anlagekosten handelt es sich nicht nur die bekannten jährlichen Verwaltungsgebühren, beispielsweise eines Aktienfonds in Höhe von 1,5 Prozent, sondern auch um die weniger bekannten und nicht transparenten Transaktionskosten.

Alles halb so wild?

Transaktionskosten fallen an, sobald der Fonds Wertpapiere kauft und verkauft. Bei Aktien können sie sich beispielsweise pro Jahr auf zusätzliche 0,5 Prozent, in der Spitze sogar 1,0 Prozent, belaufen. Im Beispiel des Aktienfonds hat dies zur Konsequenz, dass sich die jährlichen Kosten auf 2,0 Prozent oder mehr summieren können.

Diese jährliche Gesamtkostenbelastung ist insbesondere im derzeitigen Niedrigzinsumfeld beachtlich. Als nachteilig einzustufen sind hohe Kosten allerdings nur dann, wenn sie eine schlechte Performance verursachen.

In zwei Beiträgen widmen wir uns dem Thema Transaktionskosten. Dabei analysieren wir in Teil 1 zunächst die Bestandteile der Transaktionskosten und beantworten in Teil 2 die Frage, ob hohe Kosten eine schlechtere Performance verursachen. Zudem stellen wir kurz dar, wie durch ein effektives Management die Transaktionskosten optimiert werden können.

Nachfolgend werden exemplarisch die für einen Anleger bei einer Fondsanlage durchschnittlich anfallenden Transaktionskosten, betrachtet. Transaktionskosten sind aber auch bei allen anderen Kapitalanlagen, beispielsweise Lebensversicherungen, von Bedeutung.

Am Beispiel eines Aktienfonds

Transaktionskosten fallen umsatzabhängig an und lassen sich daher erst rückblickend ausweisen. Sie setzen sich aus folgenden Bestandteilen zusammen:

  • Umsatzprovision: Hierbei handelt es sich um eine Buchungsgebühr für die Depotbank, die das Wertpapierdepot des Fonds führt. Bei jedem Kauf und Verkauf muss im Depotkonto eine Buchung vorgenommen werden. Die Vergütung wird in der Regel als feste Gebühr – beispielsweise 50 Euro für eine Buchung – vereinnahmt. Umgerechnet auf die Höhe einer durchschnittlichen Transaktion beträgt sie 0,0024 Prozent pro Transaktion.

  • Broker-Gebühren: Ähnlich wie bei einer privaten Order beauftragt der Fondsmanager in der Regel einen Broker mit dem Kauf und Verkauf der Aktien. Der Broker wird dafür mit einer Gebühr entlohnt. Die durchschnittlichen Brokergebühren betragen 0,068 Prozent..

  • Steuern, Börsengebühren und weitere Kosten: Bei manchen Transaktionen fallen zusätzlich zu den bereits genannten Positionen weitere Kosten wie Steuern und Börsengebühren an. Diese belaufen sich im Durchschnitt bei einem globalen Fonds auf 0,03 Prozent.

  • Preiseinfluss: Den größten Transaktionskostenblock bildet zumeist der sogenannte Preiseinfluss. Kaufen oder verkaufen große Anleger wie Fonds ihre Aktien, handelt es sich dabei häufig um sehr große Orders. Solche Orders bewegen die Kurse am Markt. So wird beispielsweise der Aktienkurs durch eine große Kauforder selbst leicht erhöht, bei einem Verkauf leicht gesenkt. Dieser Preiseinfluss beträgt im Durchschnitt 0,17 Prozent.


In der Summe addieren sich die Kosten in den Jahren 2013 bis 2015 somit auf 0,27 Prozent.

Zu beachten ist, dass es sich hierbei um die durchschnittlichen Kosten pro Transaktion handelt. Wird der Fonds einmal im Jahr umgeschlagen – was durchaus üblich ist –, so ist das Doppelte der Kosten, also etwa 0,5 Prozent pro Jahr anzusetzen.

Schließlich bleibt anzumerken, dass diese Angaben Durchschnittswerte darstellen. Bei einem hohen Preiseinfluss oder einem hohen Portfolioumsatz können die Transaktionskosten pro Jahr auch leicht auf ein Prozent oder mehr pro Jahr anwachsen.