Zwischenbericht der juristischen Aufarbeitung Berliner Zahnärzte-Versorgungswerk warnt vor Rentenkürzungen

Blick auf Berlin

Blick auf die Hauptstadt: Für die Verantwortlichen und die Beitragszahler des Versorgungswerks der Zahnärztekammer Berlin sind es unruhige Monate. Bildquelle: Imago Images / Dirk Sattler

Das Versorgungswerk der Zahnärzte Berlin (VZB) steckt in finanziellen Schwierigkeiten. In einem aktuellen Statement warnt der neue Vorsitzende des Verwaltungsausschusses, Thomas Schieritz, vor „spürbaren Einschnitten bei den Versorgungsansprüchen sowie Belastungen im Bereich der Renten und Beiträge“. Betroffen sind rund 10.000 Mitglieder aus Berlin, Brandenburg und Bremen.

Riskante Investments gefährden Anlagevermögen

Das VZB verwaltet zwei Milliarden Euro für die Altersvorsorge seiner Mitglieder. Doch die Anlagestrategie der Vergangenheit bringt das Versorgungswerk nun in Bedrängnis. Schieritz spricht von „für Rentenkassen unüblichen, hochriskanten und überproportionalen Investments in Unternehmensbeteiligungen, Start-ups und Immobilien spezieller Nutzungsarten“.

Besonders problematisch seien „unzureichend oder gar nicht besicherte Darlehen an diese Beteiligungen und andere Unternehmen“, heißt es in dem Statement. Ein erheblicher Teil der Anlagen sei „akut gefährdet“.

Kontrollversagen und Pflichtverletzungen

Drei unabhängige Kanzleien arbeiten seit Februar die Vorgänge auf. Ihr erster Zwischenbericht zeigt „Pflichtverletzungen, Verstöße gegen gesetzliche und interne Anlagerichtlinien sowie ein Versagen von Kontrollmechanismen“ auf.

Die Vertreterversammlung tauschte den Verwaltungsausschuss komplett aus. Bereits im Frühjahr waren drei Mitglieder abberufen worden, zwei weitere legten ihr Amt nieder. Am 12. Juli stimmte die Vertreterversammlung für die sofortige Abberufung der letzten beiden Mitglieder des alten Verwaltungsausschusses.

 

Finanzierungsstopp für Beteiligungen

Das VZB hat die Notbremse gezogen: Weitere Auszahlungen an bestimmte Beteiligungen wurden gestoppt. Begründung: Diese Verpflichtungen seien „außerhalb des gesetzlich und satzungsmäßig definierten Aufgaben- und Wirkungskreises des Versorgungswerks eingegangen worden“. Betroffen sind unter anderem die Crowdinvesting-Plattform EV Digital Invest, die Anfang Juli Insolvenz anmeldete. 

Drastische Abschreibungen bei Hotelbeteiligungen

Verluste gab es auch bei Hotelimmobilien zu verkraften. Nach Informationen der „Wirtschaftswoche“ wurde ein Luxushotel auf Ibiza binnen eines Jahres um 64,7 Millionen Euro abgewertet – von 138 Millionen Euro auf 78 Millionen Euro. Insgesamt schrumpften die Buchwerte von drei Hotels in einem Luxemburger Fonds von 294,1 Millionen Euro auf 205,3 Millionen Euro.

Auch ein US-Start-up für Plastikrecycling, Rplanet Earth, verschlang demnach gut 130 Millionen Euro – mehr als fünf Prozent der gesamten Kapitalanlagen Ende 2023.

Neue Anlagestrategie als Ausweg

Das VZB verordnet sich einen „grundlegenden Kurswechsel". Künftig sollen regulatorische Vorgaben eingehalten, die Kapitalanlagetätigkeit professionalisiert und die Anlagen breit diversifiziert werden. Die Mischung aus liquiden Anlagen und Sachwerten soll mehr Stabilität bringen.

Bis zum Jahresabschluss 2024 wurden die Rentenanwartschaftsmitteilungen ausgesetzt. Die Vertreterversammlung prüft zudem Schadensersatzansprüche gegen die früheren Verwaltungsausschussmitglieder.

 

Warnung für die Branche

Der Fall zeigt die Risiken kapitalgedeckter Versorgungssysteme. Anders als bei der gesetzlichen Rente hängen die Leistungen direkt vom Anlageerfolg ab. Bereits 2003 hatte das VZB die Rentenansprüche um 16 Prozent kürzen müssen. Ein Sicherungssystem für Versorgungswerke existiert nicht – die Mitglieder tragen das volle Anlagerisiko.

Die Berliner Aufsichtsbehörde, die Senatsverwaltung für Wirtschaft, überwacht nach eigenen Angaben die „ordnungsgemäße Durchführung des Geschäftsbetriebes“ und achtet darauf, dass Vermögen in geeigneten Anlagen investiert wird.

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