Warren Buffett und Charlie Munger Berkshire Hathaway mit so viel Cash wie noch nie – Apple sorgt für Milliardenverluste

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Berkshire Hathaway mit so viel Cash wie noch nie – Apple sorgt für Milliardenverluste
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Warren Buffetts Holding Berkshire Hathaway verzeichnete Buchverluste bei Apple und hat den höchsten Bargeldbestand aller Zeiten.

Warren Buffetts Holding Berkshire Hathaway verzeichnete Buchverluste bei Apple und hat den höchsten Bargeldbestand aller Zeiten. Foto: Imago Images / agefotostock

Jedes Quartal blickt die Finanzwelt nach Omaha, Nebraska. Dort sitzt Berkshire Hathaway, die Holding-Gesellschaft von den Investorenlegenden Warren Buffett und Charlie Munger. Weil das Unternehmen in zahlreiche Industrien verflochten ist – das Portfolio erstreckt sich von Eisenbahnkonzernen über Versicherungen bis hin zu Tech-Giganten –, gilt es auch als Barometer für den Zustand der US-amerikanischen Wirtschaft.

Derzeit zeichnet sich ein Bild von Vorsicht und strategischer Weitsicht ab. Der Cash-Bestand von Berkshire Hathaway erreicht mit 157 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 146 Milliarden Euro) einen historischen Höchststand. Zum Vergleich: Diese Zahl übersteigt die Marktkapitalisierung von globalen Schwergewichten wie Disney. Es ist ein deutlicher Anstieg zum letzten Höchstwert aus dem Jahr 2021, als der Bargeldbestand bei 149 Milliarden US-Dollar lag.

Ist der Markt noch zu teuer?

Berkshires Bargeldbestand lässt sich somit auch so deuten, dass das Management-Team um Buffett und Munger Schwierigkeiten hatte, attraktiv bewertete Unternehmen zu entdecken.

Das verdeutlicht auch eine andere Zahl: Im vergangenen Quartal wurden nur 1,7 Milliarden US-Dollar für Aktien ausgegeben. Dagegen wurden Aktien im Wert von rund 7 Milliarden US-Dollar verkauft.

„Der Einsatz von Barmitteln verlangsamt sich definitiv“, sagte Jim Shanahan, ein Analyst von Edward Jones. „Letztendlich wird Berkshire einen gewissen Druck verspüren, seine Barmittel einzusetzen.“ 

 

Zurückhaltung zeigte sich auch bei den Aktienrückkäufen, die im dritten Quartal nur noch 1,1 Milliarden US-Dollar und damit 300 Millionen weniger als im Vorquartal umfassten. Berkshire selbst kauft seine Aktien nur dann zurück, wenn Buffett und der stellvertretende Vorsitzende Charlie Munger der Meinung sind, dass der Preis der Aktien attraktiv sei, also unter dem intrinsischen Wert liege.

Der Börsenkurs von Berkshire Hathaway stieg in den sechs Monaten bis September um 13 Prozent, was einer der wesentlichen Gründe für den gedrosselten Aktienrückkauf sein dürfte.

Gewinn steigt, Aktien führen zu Buchverlust

Operativ läuft es nach wie vor rund bei Berkshire Hathaway, wie der Anstieg des operativen Gewinns um rund 40 Prozent auf 10,8 Milliarden US-Dollar zeigt. Dieser Erfolg wird jedoch von Investmentverlusten überschattet.

Ein Grund dafür ist Apple. Der Technologiehersteller ist die mit Abstand größte Position im Portfolio von Berkshire Hathaway. Der Kurs des iPhone-Herstellers gab zuletzt um 12 Prozent nach. Seit 30. September hat sich der Kurs der Apple-Aktie jedoch um mehr als 3 Prozent erholt, im Jahresvergleich ist die Aktie um mehr als 41 Prozent gestiegen.

Auch andere Aktienpakete von Berkshire Hathaway büßten an Wert ein, was der Firmengruppe Buchverluste von etwa 23,5 Milliarden US-Dollar bescherte. Diese sind jedoch erst relevant, wenn sie auch realisiert werden.

 

Berkshire Hathaway hat Sorgenkinder ...

Trotz der angewachsenen Cash-Reserven und des operativen Erfolgs stehen einige Bereiche von Berkshire Hathaway vor Herausforderungen. Insbesondere die Divisionen BNSF Railway und Berkshire Hathaway Energy haben Schwächen gezeigt, die das Management in den kommenden Quartalen adressieren muss.

Die höheren Zinssätze bereiten auch den Bauprodukten des Konglomerats Kopfschmerzen. Der Anstieg der Hypothekenzinsen sorgte für einen Umsatzrückgang von 11 Prozent.

„Die Auswirkungen der beträchtlichen Erhöhungen der Hypothekenzinsen in den USA im vergangenen Jahr haben die Nachfrage nach unseren Hausbau- und anderen Bauproduktgeschäften gebremst“, heißt es bei Berkshire in einem detaillierten Ergebnisbericht. „Wir gehen weiterhin davon aus, dass einige unserer Geschäftsbereiche bis 2024 eine schwächere Nachfrage und einen Rückgang der Einnahmen und Erträge verzeichnen werden.“

... und profitiert von Zinsen

Berkshire Hathaway konnte jedoch auch Vorteile aus den Zinserhöhungen ziehen. Der Bestand an kurzfristigen Staatsanleihen ist den jüngsten Quartalszahlen zufolge um 36 Prozent auf 126 Milliarden US-Dollar angestiegen. Damit profitiert das Unternehmen von der Zinswende.

 

Insgesamt sind Investoren jedoch beeindruckt von den jüngsten Zahlen. „Die Ergebnisse von Berkshire Hathaway zeigten erneut die Vielfalt der Ertragskraft, was angesichts der unsicheren makroökonomischen Bedingungen ein gutes Zeichen ist“, so die beiden Analysten Matthew Palazola und Eric Bedell.

„Die operativen Unternehmensgewinne von fast 10 Milliarden US-Dollar waren besser als unser Kernszenario, da ein Aufschwung im Versicherungsbereich, einschließlich positiver Rückstellungstrends und höherer Kapitalerträge, die rückläufigen Eisenbahngewinne und die Kosten für Rechtsstreitigkeiten im Energiesektor ausglich.“ 

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