Der Privatsektor bekennt sich zum Wirtschaftsstandort Deutschland, stellt Berenberg-Volkswirt Felix Schmidt: „Obwohl die Initiative ,Made for Germany‘, die Bundeskanzler Merz in Berlin mit führenden Wirtschaftsvertretern vorstellte, wahrscheinlich nur zu begrenzten zusätzlichen Investitionen führen wird, ist sie dennoch ein Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Deutschland.“
Hinter der Initiative stehen 61 deutsche Unternehmen, die nach eigenem Bekunden bis zum Jahr 2028 rund 631 Milliarden Euro in Deutschland investieren wollen. „Unklar ist, wie viele dieser Zusagen wirklich zusätzliche Mittel sind. Laut der Initiative umfasst die Gesamtsumme geplante und neue Investitionen, Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie Zusagen internationaler Investoren“, ordnet Schmidt ein. Die vorgestellte Initiative der Privatwirtschaft könnte jedoch dazu beitragen, die zuletzt zu beobachtende Stimmungsaufhellung in der deutschen Wirtschaft weiter zu beflügeln.
Wichtiger Baustein für die Rückkehr auf den Wachstumspfad
Ein Game Changer ist ,Made for Germany‘ für den Experten damit zwar nicht, aber einer von vielen Bausteinen, der in absehbarer Zukunft zur Rückkehr des Wirtschaftswachstums in Deutschland beitragen könne.
Für Schmidt steht fest, dass der Staat und die Privatwirtschaft zusammenarbeiten müssen. Nach Angaben der Initiatoren soll ein dreistelliger Milliardenbetrag auf Neuinvestitionen entfallen. Details indes liegen kaum vor.
„Wie viel Geld am Ende wirklich zusätzlich investiert wird, bleibt abzuwarten. Das heutige Treffen mit dem Bundeskanzler hat den Wirtschaftsvertretern wahrscheinlich vor allem die Gelegenheit geboten, die Herausforderungen, vor denen die deutsche Wirtschaft steht, zu skizzieren und die Notwendigkeit von weniger Bürokratie, niedrigeren Energiekosten und einer geringeren Steuerbelastung zu betonen“, so der Volkswirt. Es sei jedoch richtig und wichtig anzuerkennen, dass gemeinsame Anstrengungen von Staat und Privatwirtschaft erforderlich sein werden, um Deutschland wieder auf den Wachstumskurs zu bringen.
Neben Mehrausgaben sind vor allem auch weitere Reformen erforderlich, wie Schmidt betont. Die Regierung hat seit ihrem Amtsantritt bereits erste Schritte unternommen, darunter die Einführung des sogenannten Investitionsboosters und die Senkung des Körperschaftsteuersatzes, die 2028 in Kraft treten wird.
Weitere Reformen, wie beispielsweise der Bürokratieabbau, dürften aber sogar noch wichtiger sein, glaubt der Berenberg-Volkswirt: „Die umfangreichen Ausgabenankündigungen der deutschen Regierung, welche die Lockerung der Schuldenbremse ermöglichen, haben die Stimmung in der deutschen Wirtschaft aber bereits etwas aufgehellt.“ Der Experte führt als Beleg den zunehmenden Ifo-Geschäftsklimaindex sowie den steigenden Einkaufsmanagerindex (PMI) an.
Größte externe Sorgenquelle bleibt der Zollstreit
Das größte Hindernis für die deutsche Wirtschaft bleibt Schmidt zufolge der andauernde Handelsstreit: „Die größte Gefahr für die deutsche Wirtschaft geht jedoch nach wie vor vom Handelsstreit mit den USA aus. Eine zeitnahe Verhandlungslösung wäre für die deutsche Wirtschaft ein Katalysator für mehr Wachstum.“
Die Initiative ,Made for Germany‘ könnte dazu beitragen, den aufkeimenden Optimismus in den kommenden Monaten aufrechtzuerhalten. Nach drei Jahren der Stagnation erwartet Schmidt für das nächste Jahr eine Erholung der Wirtschaft, wenn sich die Auswirkungen der erhöhten Staatsausgaben und der lockereren Geldpolitik der EZB vollständig in der Realwirtschaft niederschlagen werden.