Nach dem Bilanzskandal zieht die Berenberg Bank offenbar strukturelle Konsequenzen. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, prüfen die Gesellschafter einen Wechsel der Rechtsform. Das Ziel: ein Aufsichtsrat, der die Führung der ältesten unabhängigen deutschen Privatbank künftig enger überwacht.
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Nach dem Bilanzskandal zieht die Berenberg Bank offenbar strukturelle Konsequenzen. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, prüfen die Gesellschafter einen Wechsel der Rechtsform. Das Ziel: ein Aufsichtsrat, der die Führung der ältesten unabhängigen deutschen Privatbank künftig enger überwacht.
Bislang fehlt eine solche Instanz. Berenberg ist als Kommanditgesellschaft organisiert. In dieser Form führen die persönlich haftenden Gesellschafter das operative Geschäft, während die übrigen Anteilseigner vor allem Informationsrechte haben. Der Verwaltungsrat einer Kommanditgesellschaft kann die Führung nicht austauschen. Diese Möglichkeit hätte ein Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft.
Im Juni hatte die Bafin dem Führungstrio Hendrik Riehmer, David Mortlock und Christian Kühn die Geschäftsführung entzogen und zwei Sonderbeauftragte eingesetzt. Seither leiten der frühere Berenberg-Chef Hans-Walter Peters und der ehemalige Degussa-Bank-Vorstand Michael Horf die Bank.
Zwei Vorwürfe gegen die frühere Führung
Hintergrund des Führungswechsels sind zwei Vorwürfe. Zum einen sollen die früheren Geschäftsleiter die Geschäftszahlen mit unerlaubten Buchungen verändert haben. Zu diesem Ergebnis kam eine forensische Untersuchung, die der Prüfungsausschuss der Bank in Auftrag gegeben hatte, nachdem sich Vorstand und regulärer Wirtschaftsprüfer nicht auf einen Jahresabschluss einigen konnten. Zum anderen geht es um einen Kredit der Bank an Riehmer. Nach Einschätzung der Sonderprüfer von EY wiesen die Konditionen Einschränkungen mit Blick auf ihre Marktgerechtigkeit auf. Riehmer weist über seinen Anwalt sämtliche Vorwürfe zurück und hat Widerspruch gegen den Bescheid der Bafin eingelegt.
Auch beim Kredit spielte die Rechtsform eine Rolle. Ein Darlehen an ein Vorstandsmitglied benötigt laut Gesetz die Zustimmung eines Aufsichtsorgans. Der Verwaltungsrat einer Kommanditgesellschaft zählt nicht dazu und musste deshalb nicht zustimmen. Ein Aufsichtsrat würde das ändern.
Peters hatte den möglichen Umbau bereits im jüngsten Lagebericht erwähnt. Die Gesellschafter wollten eine Struktur schaffen, die eine bessere Aufsicht ermöglicht. In den kommenden Monaten seien Gespräche mit den Anteilseignern und den Aufsichtsbehörden geplant.
Ex-Vorstände wollen zurück an die Spitze
Andere Privatbanken haben einen ähnlichen Weg hinter sich. Sowohl Hauck Aufhäuser Lampe als auch das Frankfurter Bankhaus Metzler wandelten sich über die Zwischenstufe einer Kommanditgesellschaft auf Aktien in eine Aktiengesellschaft um. Ein solcher Wechsel ist allerdings komplex, weil alle Gesellschafter zustimmen müssen.
Ein Brief der drei entmachteten Ex-Vorstände zeigt, wie sie sich die Zukunft vorstellen. Laut dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“, das aus dem Schreiben zitiert, schlagen Riehmer, Mortlock und Kühn vor, die Führung wieder zu übernehmen. Sollten die Gesellschafter das nicht wollen, sei man „bereit, in Gespräche über ein Ausscheiden einzutreten“.
Den Jahresabschluss für 2025 legte die Bank wegen des Bilanzskandals erst vergangene Woche vor. Der Gewinn ging auf rund 20 Millionen Euro zurück, nach 82 Millionen Euro im Vorjahr. In den 2010er Jahren und auch 2024 hatte die Rendite vor Steuern über 40 Prozent gelegen.
