Frederik Gottlob, in diesen Tagen geistert wohl kein anderer Name so häufig durch die Branche der Private Banker und Wealth Manager. Ein gerade einmal 34-Jähriger ist die neue große Nummer bei Berenberg.
Erst vor knapp einem Monat verkündete die Privatbank, dass Gottlob im Januar 2026 die Leitung des Corporate Bankings von Tobias Bittrich übernehmen wird. „Frederik Gottlob verfügt über umfangreiche Erfahrungen sowohl auf der Eigenkapital- als auch auf der Fremdkapitalseite und ist daher ein hervorragender Ansprechpartner für unsere verschiedensten Kundengruppen – vom Startup über Family Offices und mittelständische Familienunternehmen bis hin zu börsennotierten Gesellschaften", erklärte Hendrik Riehmer, persönlich haftender Gesellschafter von Berenberg, in höchsten Tönen. Und jetzt, einen guten Monat später, ist klar, dass Riehmer Gottlob offenbar außergewöhnlich viel zutraut.
Gottlob ist seit rund zehn Jahren bei Berenberg
Der gebürtige Hamburger übernimmt damit vor dem Start nicht nur das Corporate Banking, sondern auch gleich den jüngst gegründeten Zentralbereich „Corporate, Wealth and Asset Management". Zudem wird er Mitglied der Geschäftsleitung.
Aber was zeichnet ihn für die große Aufgabe aus? Er kam 2015 über das International Graduate Programme als Praktikant zu Berenberg nach London. Der gebürtige Hamburger wechselte anschließend ins Corporate Banking nach Hamburg. 2022 übernahm er das Team Merchant Banking Origination & Growth, seit 2024 ist er Director und Leiter des Bereiches Corporates.
Zuvor absolvierte er laut seinem Linkedin-Profil von Oktober 2012 bis September 2015 ein duales Studium der Betriebswirtschaftslehre bei dem Handelskonzern Otto in Hamburg. Während dieser drei Jahre durchlief er verschiedene Abteilungen des Unternehmens, war in der internen Kommunikation der Otto Group tätig, arbeitete im Wissensmanagement, sammelte Erfahrungen im Controlling der Hanseatic Bank und war in der Strategieberatung der Otto Group eingesetzt.
Seine akademische Ausbildung umfasste ein Bachelor-Studium an der HSBA Hamburg School of Business Administration von 2012 bis 2015 mit dem Schwerpunkt Finanzen und Betriebswirtschaftslehre, das mit der Note 1,9 abgeschlossen wurde. Anschließend folgte von 2020 bis 2022 ein berufsbegleitender Master of Business Administration (MBA) an der Frankfurt School of Finance & Management.
Weitere Abgänge sollen folgen
Und nun also ganz oben bei Berenberg, auf einem Stuhl, der vorher selbstverständlich nicht leer gewesen ist. Wie bereits berichtet, endet in diesem Zusammenhang die Zeit von Klaus Naeve bei Berenberg nach 18 Jahren – obwohl er erst seit knapp einem Jahr Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung war.
Nicht die erste bemerkenswerte Wendung im Top-Management der Hamburger. Bernd Meyer ging ebenfalls, nur zwei Monate nachdem er die Leitung des neu gegründeten zentralen Chief Investment Office übernahm – auf eigenen Wunsch. Im Zuge dieser Neugründung endete zudem die Zeit von Matthias Born, 2019 Henning Gebhardts Nachfolger im Asset Management bei Berenberg.
Und nicht nur im Top-Management, auch in anderen Bereichen soll es Abgänge geben. Unbestätigten Quellen zufolge soll es neben dem Asset - und Wealth Management auch in der IT und im Controlling zu Veränderungen kommen. Eine Anzahl von insgesamt bis zu 20 Mitarbeitenden soll im Raum stehen (auch bei Finanz-Szene wird diese Zahl vermeldet) . Berenberg wollte dies bislang nicht kommentieren.
Problemfall Asset Management
Es macht den Eindruck, als würde die traditionsreiche Bank derzeit von links auf rechts gedreht. Ein Grund dafür, so sind sich viele Branchenbeobachter einig, ist im Asset Management zu finden. Spätestens seit dem Abgang von Henning Gebhardt 2019, passt in dem Bereich gefühlt nicht mehr viel zusamen, wird viel rumgetüftelt und ausprobiert.
Die Zahlen sind dennoch ernüchternd: Von 7,2 Milliarden Euro Publikumsfonds-Volumen Ende 2021 blieben drei Jahre später knapp 3,2 Milliarden übrig. Ein Rückgang von 55 Prozent. Europäische Small Caps und Growth-Titel hatten in dieser Phase einen schweren Stand. Doch andere kamen da besser durch als Berenberg.
Ein Grund dafür ist sicher, dass die Hamburger ihr Fondsangebot nicht ausreichend diversifiziert haben. Drei Produkte – European Focus, European Small Cap und European Micro Cap – machten Ende 2021 mehr als die Hälfte des gesamten Publikumsfonds-Volumens aus. Als diese unter Druck gerieten, fehlten andere Gewinnbringer. Allein der European Focus Fund schrumpfte von 1,7 Milliarden auf 165 Millionen Euro.
Stabilisierung als Bewährungsprobe
Das Asset Management ist sicher nicht die einzige, aber die größte Baustelle. Schafft Gottlob es, den Bereich zu stabilisieren, vielleicht sogar wieder Zuflüsse zu generieren, läge Riehmer, der dafür bekannt ist, jungen Leuten Verantwortung zu übertragen, goldrichtig.
In einem Interview sagte Gottlob einmal: „Es geht nicht mehr wie in der Vergangenheit ausschließlich um schnelles Wachstum. Heute stehen Profitabilität, Cashflow und nachhaltiges Wachstum im Vordergrund." Worte, die gut zu einer traditionsreichen Privatbank passen. Nun muss sich zeigen, ob Gottlob es schafft, sie mit Leben zu füllen – und wie viel Zeit er dafür benötigt, oder bekommt.
