Gottlobs Agenda bei Berenberg nimmt Form an Berenberg rollt Googles KI-Plattform flächendeckend aus

Frederik Gottlob von Berenberg.

Frederik Gottlob von Berenberg: „Die finalen Anlageentscheidungen werden weiterhin von erfahrenen Experten getroffen.“ Bildquelle: Berenberg

Berenberg treibt die Integration von Künstlicher Intelligenz in seine Kernprozesse voran. Als eine der ersten Banken in Europa führt die Hamburger Privatbank Googles „Gemini Enterprise" bankweit ein und schafft damit eine einheitliche KI-Plattform für alle Mitarbeiter. Erste Anwendungen zeigen laut den Verantwortlichen von Berenberg: Einzelne Workflows lassen sich damit um bis zu 90 Prozent beschleunigen.

Die Plattform soll Recherche, Datenaggregation und Analyse beschleunigen sowie interne, proprietäre Daten systematisch einbinden. Ziel sei es, Entscheidungsprozesse fundierter vorzubereiten und Kapazitäten für Beratung und Kundenbetreuung freizusetzen. „Die finalen Anlageentscheidungen werden weiterhin von erfahrenen Experten getroffen. Ziel ist es, fundierte Entscheidungen zu unterstützen und die Produktivität, Geschwindigkeit und Qualität unserer Prozesse etwa in Fonds und Vermögensverwaltungsstrategien noch weiter zu erhöhen", sagt Frederik Gottlob, Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung und Leiter Corporate, Wealth & Asset Management.

Der KI-Vorstoß kann als erstes Ausrufezeichen von Gottlob angesehen werden. Er übernahm zum 1. Januar 2026 den neu geschaffenen Zentralbereich, der Corporate-Banking, Wealth-Management und Asset-Management unter einem Dach vereint. Berenberg hatte den Umbau Anfang Dezember 2025 angekündigt; zugleich wurde Gottlob im November zunächst als künftiger Leiter des Corporate-Bankings berufen, ehe er mit dem Jahreswechsel auch den Gesamtbereich übernahm und in die erweiterte Geschäftsleitung einzog. Der neue Zentralbereich umfasst rund 400 Mitarbeiter. Klaus Naeve, der das Wealth- und Asset-Management zuvor 18 Jahre lang verantwortet hatte, verließ das Institut zum Jahreswechsel. 

Wirtschaftlicher Mehrwert im Fokus

Organisiert ist die KI-Strategie nach folgendem Ansatz: An der Spitze stehen maßgeschneiderte Anwendungen für spezifische Geschäftsprobleme, angereichert mit proprietären Daten und eigener Expertise. Auf der Basisebene fungiert Gemini Enterprise als zentraler Marktplatz für KI-Agenten – von generischen Funktionen für alltägliche Aufgaben wie Dokumentenzusammenfassungen und Übersetzungen bis hin zu rollenspezifischen Anwendungen für Research, Coding, Finanzanalyse und Due-Diligence-Unterstützung.

 

Nico Baum, Leiter Solutions und verantwortlich für KI bei Berenberg, betont den wirtschaftlichen Anspruch: „Jedes KI-Projekt sollte einen messbaren wirtschaftlichen Mehrwert liefern, entweder durch höhere Erträge oder niedrigere Kosten. Wir haben unseren Mitarbeitern ein Werkzeug an die Hand gegeben, das die Datenaggregation und Bewertung erheblich beschleunigt und die Anreicherung mit unseren proprietären Daten und unserem Domain Know-how ermöglicht. So bleibt mehr Zeit für Interpretation, Einordnung und Kundenberatung."

Begonnen hatte die KI-Strategie bereits 2018 mit der Integration klassischer Machine-Learning-Modelle im Portfoliomanagement. Seit 2022 wird diese im Rahmen einer strategischen Partnerschaft mit Google Cloud systematisch um generative KI erweitert. Mit Gemini Enterprise stellt Berenberg nun eine unternehmensweite, standardisierte Umgebung bereit, die einen sicheren und kontrollierten Einsatz ermöglichen soll – ohne Kompromisse bei Datenschutz oder regulatorischer Konformität.

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