Nach Bafin-Eingriff Berenbergs Krisenjahr ist testiert – Gewinn schrumpft um 75 Prozent

Logo Privatbank Berenberg

Die Privatbank Berenberg legt den verzögerten Jahresabschluss 2025 vor. Bildquelle: Imago / Arnulf Hettrich

Berenberg hat den lange verzögerten Jahresabschluss 2025 vorgelegt. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte testierte den Abschluss am 20. Juli uneingeschränkt. Die Bank weist einen Jahresüberschuss von 20,2 Millionen Euro aus. Das entspricht einem Rückgang um 75,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr (81,6 Millionen Euro).

Das erste Halbjahr 2026 schloss Berenberg dagegen besser ab. „Das erste Halbjahr haben wir mit einem Überschuss von rund 40 Millionen Euro abgeschlossen, die Bank befindet sich in einer komfortablen Liquiditätssituation“, sagt Michael Horf, Sonderbeauftragter für die Geschäftsleitung bei Berenberg.

Ein Streit um die Bilanz eskaliert

Dass der Abschluss so spät kommt, hat eine Vorgeschichte. Wie das private banking magazin im Juni berichtete, hatte Berenberg die Vorlage des Jahresabschlusses 2025 ungewöhnlich lange hinausgezögert. Berichten zufolge wegen eines Konflikts mit dem Wirtschaftsprüfer über Bewertungsfragen. Am 19. Juni griff die Bafin durch: Sie ließ die Befugnisse der drei damaligen Geschäftsleiter Hendrik Riehmer, David Mortlock und Christian Kühn ruhen und setzte Hans-Walter Peters sowie Michael Horf als Sonderbeauftragte mit Geschäftsleiterbefugnis ein. Auslöser waren Ungereimtheiten bei der Bilanzierung und Bewertung einzelner Aktiengeschäfte im Eigenbestand der Bank, die den handelsrechtlichen Vorschriften nicht entsprachen.

 

Was danach folgte, hat das private banking magazin in einer Übersicht zu den Vorwürfen eingeordnet: Der Prüfungsausschuss des Verwaltungsrates beauftragte eine externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit einer forensischen Sonderuntersuchung. Deren Ergebnis, wie Berenberg es jetzt selbst zusammenfasst: Maßnahmen der früheren Geschäftsleitung zielten wesentlich darauf ab, regulatorische Eigenmittel- und Eigenkapitalwirkungen zu steuern und Ergebniswirkungen buchhalterisch zu erzeugen, zu glätten oder zeitlich vorzuziehen. Zudem hatten die früheren Geschäftsleiter Organkredite an Mitglieder der eigenen Geschäftsleitung genehmigt, die Einschränkungen bei der Marktgerechtigkeit aufweisen.

Riehmer geht, ein bekanntes Gesicht kommt zurück

Besonders betroffen von der Ablösung ist Riehmer, der die Investmentbank von Berenberg über Jahre aufgebaut hatte und eigentlich erst 2028 abtreten wollte. Mortlock und Kühn verlieren mit ihm gemeinsam ihre Befugnisse.

An die Stelle des Trios rückt ein bekannter Name zurück in die operative Führung: Hans-Walter Peters war bereits von 2016 bis Ende 2020 Chef der Bank, ehe er altersbedingt in den Verwaltungsrat wechselte. Unterstützt wird er von Horf, ehemaliger Vorstand der Degussa Bank, sowie von der erweiterten Geschäftsleitung um Laura Janssens (Investment Bank) und Frederik Gottlob, der den Zentralbereich Corporate, Wealth and Asset Management leitet. 

 

Peters: Kundengeschäft nicht betroffen

„Nicht betroffen war das Kundengeschäft. Es gab und gibt keinerlei Auflagen der Bafin hierzu“, sagt Peters. Zur künftigen Struktur kündigt er an: „Die Gesellschafter der Bank wollen künftig eine Struktur einführen, die eine bessere Aufsicht ermöglicht, als es in der bisherigen Struktur möglich war. Dazu und zur Benennung einer neuen Geschäftsleitung wird es in den nächsten Monaten Gespräche zwischen den Gesellschaftern, aber natürlich auch mit den Aufsichtsbehörden geben.“

Kennzahlen unter Druck

Auch abseits des Jahresüberschusses zeigen die Kennzahlen die Belastung durch das Krisenjahr:

  • Eigenkapitalrendite: 9,0 Prozent (Vorjahr: 40,1 Prozent)
  • Aufwands-Ertrags-Relation: 90,4 Prozent (Vorjahr: 76,2 Prozent)
  • Provisionsüberschuss: 349,1 Millionen Euro, minus 10,0 Prozent
  • Zinsüberschuss: 119,1 Millionen Euro, minus 15,4 Prozent
  • Kernkapitalquote: 12,1 Prozent (Vorjahr: 12,9 Prozent)
  • Gesamtkapitalquote: 13,9 Prozent (Vorjahr: 14,5 Prozent)
  • Verwaltetes Vermögen: 39,4 Milliarden Euro (Vorjahr: 39,0 Milliarden Euro)
  • Mitarbeiterzahl: 1.588 (Vorjahr: 1.528)

Die Kapitalquoten liegen laut Berenberg-Mitteilung „komfortabel“ über den aufsichtsrechtlichen Mindestanforderungen.

Die Geschäftsleitung schlägt der Gesellschafterversammlung vor, den Gewinn vollständig den Gewinnrücklagen zuzuführen. Der vollständige Geschäftsbericht soll in der kommenden Woche folgen – die Frage nach einer neuen, dauerhaften Geschäftsleitung bleibt bis dahin offen.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?
Danke für Ihre Bewertung
Leser bewerteten diesen Artikel durchschnittlich mit 0 Sternen