Berenberg-Chef Hans-Walter Peters „Wir haben uns von Kunden getrennt“

Ruhiges (mediales) Fahrwasser sieht anders aus: Die Hamburger Privatbank Berenberg sah sich in den vergangenen Wochen dem ein oder anderen unbequemen Medienbericht gegenüber.

Erst fand sie sich mit dem Anreißer „Berenberg: Privatbank außer Rand und Band“ auf der Titelseite der Mai-Ausgabe des „Manager Magazins“ wieder (in dem Artikel wurde Sie als „aggressivste Investmentbank Deutschlands" bezeichnet).

Dann las das „Handelsblatt“ aus einem der Zeitung vorliegenden Brief vor, in dem Berenberg kleineren Privat-Banking-Kunden mitteilte, das sie sie künftig nicht mehr betreuen könne: „Damit wir die gebotene Streuung auf gemeinsam definierte Anlagenklassen zur Minimierung der Anlagerisiken herbeiführen können, steht unsere Expertise ab einem liquiden Vermögen in Höhe von zirka einer Million Euro zu Verfügung.“ Das private banking magazin berichtete.

In einem Interview in der aktuellen Ausgabe von „Die Welt“ äußert sich nun Berenberg-Chef Hans-Walter Peters zu den Berichten.

Die Trennung von kleineren Privat-Banking-Kunden begründet Peters mit den gestiegenen regulatorischen Anforderungen, unter anderem durch die Beratungsprotokolle. So habe man sich nach 20 Jahren entschlossen, die Schwelle des betreuten Vermögens von 500.000 Euro auf eine Million Euro anzuheben. Das sei jedoch nur eine Richtgröße. Daher habe man sich bis dato auch nur von einer zweistelligen Zahl von Kunden getrennt, zu vielen davon habe ohnehin seit längerem keine aktive Geschäftsbeziehung mehr bestanden.

Den Vorwurf, die Berenberg Bank hätte sich zur aggressiven Investmentbank entwickelt und gehe in diese Bereich zu hohe Risiken ein, wolle Peters nicht gelten lassen. Im Interview mit „Die Welt“ verweist er auf eine sich radikal ändernde Bankenwelt: Vor dem Hintergrund steigender Aufwände durch schärfere regulatorische Anforderungen sowie wegbrechender Einnahmen durch Nullzinsen musste auch Berenberg ein neues tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln: „Wir haben früh damit begonnen, uns auf beratende Tätigkeiten zu konzentrieren, und heute beträgt das Verhältnis der Provisionserträge zu den Zinserträgen 88 zu 12.“ Dennoch, so Peters, passen hohe Risiken nach wie vor nicht zu Berenberg, deshalb gehe man solche auch nicht ein.