Finanzstandort Frankfurt Über die Kultur des Gedankenaustauschs

Markus Hill

Markus Hill

„Mainhattan“, „Trenchcoat-City“ und „Banksterhölle“ – das sind oft noch die mehr oder weniger schmeichelhaften Bezeichnungen von Frankfurt am Main. Frankfurt polarisiert: Die Stadt Goethes, pulsierende  Wirtschaftsmetropole und Äpplwoi sind eher die positive Assoziationen, die dieser zentrale Wirtschaftsstandort mit Firmen, internationalem Flair, Flughafen und einer  Vielfalt an professionellen Netzwerken im Asset-Management-Bereich weckt. Worin besteht der Reiz dieses „Hubs“ des Finanzindustrie-Netzwerks?

Kultur des professionellen Gedankenaustauschs versus „Kaffee-Fahrten-Setting“

Die professionellen Netzwerke in Frankfurt arbeiten effizient, zeitnah und breit in die Fläche. Zum einen gibt es eine Vielfalt von Veranstaltungen, zum anderen ist die Fondindustrie hier zentral verankert. Der Bundesverband deutscher Investmentgesellschaften (BVI) oder auch der Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland (VuV)  sind hier ansässig. Institutionen wie die Frankfurt School of Finance oder auch die Goethe Universität sind Beispiele für bekannte Institutionen.

Zusätzlich gibt es ein großes Angebot an konsularischen Vertretungen, Kanzleien und Auslandsvereinigungen  und Firmen, die eine fruchtbare Kommunikationsinfrastruktur bilden. Hier wird oft in eher zwangloser Runde informativer Mehrwert geboten.

Natürlich gibt es auch große Anzahl von Vertriebs-orientierten Veranstaltungen von Asset-Management-Firmen. Oft bewegen sich diese auf fachlich sehr interessantem Niveau – von unangenehmen reinen Vertriebspräsentationen sollte sich der Investor nicht abschrecken lassen. Die Industrie hat dazugelernt in den vergangenen Jahren.

Foren des Gedankenaustauschs

Beispiele für interessante Formate in Frankfurt sind zum Beispiel im Bereich Alternative Investments die Hedgework-Veranstaltungsreihen. Die Branche diskutiert dort miteinander in verschiedensten Fachfunktionen.

Auch der Event-Bereich ist vielfältig. Beispiele sind der Institutional Money-Kongress, die Morningstar-Konferenz und die Finance Week.  Investorenveranstaltungen mit gutem „Mischcharakter“ findet man zum Beispiel bei IPE Institutional Investment, Citywire und Expert Investor Europe, natürlich gibt es noch viel andere Anbieter.

Qualitätsmerkmal sollte sein, dass Investoren beziehungsweise Berater sich nicht zu stark von Vertriebsmitarbeitern bedrängt werden. Die Fondsindustrie orientiert sich heute stärker an den Bedürfnisse der Investoren. Man hat erkannt, dass ein Produkt auch nicht durch noch so viel Schönreden auf den Radar des Entscheiders rutscht – gute Performance, Reputation, Risikomanagement überzeugen eher.

Frankfurt zeigt Persönlichkeiten

Neben Luxemburg bietet Frankfurt vielen Vertretern der Private Label Fondsindustrie eine willkommene Plattform zum Kennenlernen von verschiedenen Ansätzen im Fondsmanagement: Universal Investment, Alceda, Ampega Gerling und viele andere Häuser bieten auch an diesem Standort vielen Fachinteressierten und Investoren eine Vielfalt von Veranstaltungen und Einzelgesprächsterminen mit bekannten Adressen wie  Dr. Jens Ehrhardt („Familie“), Acatis (Hendrik Leber), Johannes Führ und anderen Fondsboutique-Vertretern an. 

Gerade dann, wenn man sich häufig verschiedene Ansätze ansehen und gerne mit sogenannten „Hidden Champions“ persönlich austauschen möchte, kommt man an Frankfurt kaum vorbei.

Vergessen wird oft, dass neben dem Fachinformationszweck in der Regel auch geschätzt wird, dass Branchenkollegen mit Branchenkollegen den Meinungsaustausch pflegen können. Natürlich finden sich ähnliche positive Spill-over-Aspekte bei Veranstaltungen von Häusern wie DWS, Union Investment (Fachveranstaltung Risikomanagement) und anderen Kapitalanlagegesellschaften wieder.

Warum ist Frankfurt für viele Investoren eine Reise wert?

Das Informationsangebot für die  Auswahl von passenden Produkten oder Asset-Managern erscheint oft kaum zu bewältigen. Der richtige Kontakt auf einer  Veranstaltung oder einem Gesprächskreis hilft häufig, eine gute geistige Landkarte zu bestimmten Themenfeldern zu finden.

Dies erleichtert die zusätzliche Literaturrecherche (Managerpräsentation, Fact-Sheet, Reporting).  Vom reinen fachlichen Nutzen abgesehen, soll es ja vielen kontaktfreudigen Investoren eine sehr große Freude sein, einen intensiven Dialog in angenehmer Atmosphäre pflegen zu können. Wie ein bestimmter  Berater in Frankfurt immer zu sagen pflegt: „Durch ein gutes Gespräch wird man nie dümmer“.


Zum Autor: Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt. Seine Fachgebiete liegen in Marketing / Vertrieb / PR und in der Managerselektion. Hill beschäftigt sich intensiv mit Private Label Fonds, Fondsboutiquen und dem Einsatz von Publikumsfonds (Fondsselektion) bei Institutionellen: www.markus-hill.com.