Bei Nicht-EU-Aktien Wie groß ist die Gefahr durch Währungsrisiken?

Tine Choi, Chefstrategin der Danske Bank: „Wechselkursveränderungen können die Rendite in beide Richtungen beeinflussen.“

Tine Choi, Chefstrategin der Danske Bank: „Wechselkursveränderungen können die Rendite in beide Richtungen beeinflussen.“

Bei Anlagen in Aktien, die in Euro notieren, ist die Rechnung einfach: Bei steigenden Kursen erzielen Investoren Gewinne, bei fallenden Notierungen erleiden sie Verluste. Doch sobald sie außerhalb der Eurozone anlegen, ergibt sich ein doppeltes Risiko. In diesem Fall hängt die Rendite nicht nur von der Entwicklung der Aktienkurse ab, sondern auch von der Entwicklung der Wechselkurse – und diese können die Rechnung auf den Kopf stellen. Wohlgemerkt sowohl in die positive als auch in die negative Richtung.

Ein gutes Beispiel ist die Entwicklung von US-Aktien 2017: Gemessen in US-Dollar war dies ein hervorragendes Jahr, in dem der US-Aktienindex S&P 500 um 21,8 Prozent zulegte. Doch leider verlor die  amerikanische Währung im Jahresverlauf so stark an Wert, dass für deutsche Anleger auf Euro-Basis lediglich eine Rendite von 7,1 Prozent übrig blieb.

Warum es sich trotzdem lohnt, in Fremdwährungs-Aktien zu investieren

Wir sind davon überzeugt, dass es sich lohnen kann, Fremdwährungs-Aktien ins Portfolio aufzunehmen. Auf kurze Sicht können Renditen von den Wechselkursen zwar stark beeinträchtigt werden, doch langfristig gleicht sich dieser Effekt erfahrungsgemäß weitgehend aus. Denn während in manchen Jahren die Wechselkurse für Gegenwind sorgen, bewirken sie in anderen Jahren das Gegenteil. Zusätzlich erreichen Anleger eine wertvolle Risikostreuung, wenn Sie länder- und regionenübergreifend investieren. Auf diese Weise sind Portfolios weniger anfällig, wenn einzelne Länder oder Regionen schlechter abschneiden als andere. Eine Streuung des Risikos kann eine höhere risikobereinigte Rendite einbringen, das heißt eine höhere erwartete Rendite im Verhältnis zum eingegangenen Risiko.

Wo das Währungsrisiko am höchsten ist

Ein Währungsrisiko besteht an allen ausländischen Aktienmärkten außerhalb der Eurozone – unabhängig davon, ob Anleger in Papiere aus den USA, China, Großbritannien, Japan oder einem anderen Land investieren. Zugleich steigt das Währungsrisiko, je kürzer der Anlagehorizont ist und je stärker das Kapital auf einzelne Währungen konzentriert wird. Hat ein Investor beispielsweise sein gesamtes Geld in US-amerikanischen Aktien angelegt, schwankt sein komplettes Portfolio im Einklang mit der Entwicklung des US-Dollars gegenüber dem Euro.

Kurspotenzial ist entscheidend

Als Anleger könnte man natürlich auf die Idee kommen, gezielt in diejenigen Länder und Regionen zu investieren, in denen man Rückenwind von den Wechselkursen erwartet. Doch die Wechselkurse führen ein Eigenleben und sind schwer vorherzusagen. Deshalb ist es sehr schwierig, ihre erwartete Entwicklung als Orientierungspunkt für eine Aktienanlage zu nutzen. Obwohl wir unsere Erwartungen in Bezug auf eine bestimmte Währung bei einer Investition berücksichtigen, sind diese Erwägungen niemals ausschlaggebend dafür, ob wir ausländische Titel empfehlen. Der entscheidende Faktor ist dagegen immer unsere Einschätzung des Aktienkurspotenzials, unabhängig davon, ob es sich um einen Einzelwert oder eine gesamte Region oder Branche handelt, die wir im Blick haben.

Hinzu kommt: Man darf nicht vergessen, dass selbst die Schwäche einer ausländischen Währung nicht zwingend negativ für die Rendite des eigenen Investments sein muss. Denn wenn Anleger zum Beispiel in US-amerikanische Aktien investieren, wäre ein fallender US-Dollar wiederum positiv für US-Exportunternehmen, da dies ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöht – und das kann die Gewinne und Aktienkurse dieser Unternehmen in die Höhe treiben und Investoren somit für ihre Währungsverluste kompensieren.

Währungsrisiken absichern

Wenn Investoren bei ihrer Geldanlage kein Währungsrisiko eingehen, sondern nur das Aktienrisiko auf sich nehmen möchten, lässt sich dies absichern. Das funktioniert beispielsweise über Währungsoptionen oder Devisentermingeschäfte. Jedoch sind dies komplexe Produkte, die eine sachkundige Beratung erfordern. Außerdem ist eine Absicherung mit Kosten verbunden, die hoch sein können. Daher sollten sie der erwarteten Rendite gegenübergestellt werden.