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147 Billionen Dollar verwalteten Asset Manager weltweit im Jahr 2025. Die Branche wächst, die Margen halten sich über 30 Prozent. Also alles gut? Nicht ganz. Mitarbeiter des Beratungsunternehmens Boston Consulting Group durchleuchteten die Zahlen genauer und kommen zu dem Befund: Gut 80 Prozent des Umsatzwachstums 2025 stammten nicht aus Managementleistung, sondern einfach nur aus steigenden Märkten. Wer gut dastand, hatte vor allem Glück mit dem Marktumfeld.
Das Problem ist nicht neu, doch es verschärft sich. Seit 2010 verdreifachte sich das Vermögen, das Asset Manager weltweit verwalten, der Umsatz verdoppelte sich. Die Gewinnmargen stehen trotzdem noch immer dort, wo sie 2010 standen: bei rund 30 Prozent. Als Erklärung führen die Mitarbeiter der BCG an: Zwischen 2010 und 2025 wuchsen die Umsätze um jährlich 5,1 Prozent, die Kosten jedoch um 5,4 Prozent. Mehr verwaltetes Vermögen bedeutet also nicht automatisch mehr Gewinn. Es bedeutet vor allem mehr Aufwand.
Vermögenskonzentration – vor allem bei passiven Investments
Gleichzeitig verteilt sich das Wachstum ungleich, vor allem bei passiven Investments. Im US-amerikanischen Passivfondsmarkt haben die zehn größten Anbieter seit 2015 mehr als 90 Prozent der Nettozuflüsse auf sich gezogen. Im aktiven Segment hingegen sinkt der Anteil der Top-10-Manager an den Nettozuflüssen – von 63 Prozent im Jahr 2015 auf 56 Prozent im Jahr 2025. Dort verteilen sich die Zuflüsse auf eine wachsende Zahl von Wettbewerbern.
Eine ebenfalls steigende Konzentration verzeichnet jedoch das Private-Markets-Segment: Investoren allokieren weiterhin erhebliches Kapital in diese Anlageklasse, aber sie tun es mit immer weniger Managern. Laut Daten für das Jahr 2024 entfielen dort 37 Prozent des globalen Fundraisings auf die 50 größten Private-Equity-Firmen – gegenüber 22 Prozent gemessen im Zehnjahresdurchschnitt, wie BCG unter Berufung auf den Datenanbieter Preqin berichtet.
Der Burggraben hat sich verschoben
Was bedeutet das für den Wettbewerb? Die Studienautoren der BCG fassen zusammen: „Der Burggraben hat sich verschoben. Der Vertrieb entscheidet jetzt, wer Zuflüsse einfängt.“ Heißt: Es reicht nicht mehr aus, Produkte mit einem passablen Anlageergebnis anzubieten. Denn Strategien ähnelten sich mittlerweile so stark, dass sie zur Commodity würden – zu etwas, das alle so oder ähnlich im Regal haben. Wer dennoch Kapital gewinnen will, sollte lieber darauf setzen, den Zugang zu Plattformen, Beratern und institutionellen Kanälen zu kontrollieren.
Doch genau hier hapert es bei den meisten Häusern, wie die Autoren in dem Report schreiben. Die Vertriebsmodelle der Gesellschaften seien nach wie vor „handwerklich geprägt, schlecht instrumentiert und schwer skalierbar“. Heißt: Firmen legen zwar auf dem Papier fest, welche Kunden sie priorisieren wollen – etwa nach Größe oder erwartetem Umsatz. Aber ihre tatsächliche Vertriebskapazität richten sie anders aus. Dort stehen vor allem jene Kunden im Fokus, zu denen die Kundenbetreuer langjährig gewachsene Beziehungen pflegen. Dies können auch kleinere Kunden sein. Auf diese Weise verschenken die Gesellschaften strategisches Potenzial.
KI als Verstärker – aber nur für die Vorbereiteten
Hier könnte Künstliche Intelligenz ansetzen, raten die BCG-Autoren. KI kann Kunden nach Umsatzpotenzial und Abschlusswahrscheinlichkeit priorisieren, sodass auf kleinere Kunden, die bislang unverhältnismäßig teuer in der Betreuung waren, effizienter serviciert werden könnten. BCG schätzt, dass Asset Manager auf diese Weise zwei- bis fünfmal mehr Unternehmen und Themen im Research abdecken könnten und dass jeder Relationship Manager drei- bis fünfmal mehr Kunden betreuen könnte. Über drei bis fünf Jahre ließen sich so die Kosten um 25 bis 35 Prozent senken.
Die Crux ist jedoch: KI verstärkt im Allgemeinen das, was bereits da ist. Wer als Asset Manager also auf ein funktionierendes Vertriebssystem aufsetzt, multipliziert seinen Vorsprung. Wer KI auf defekte Prozesse legt, automatisiert nach BCG-Einschätzung dagegen schlicht bestehende Ineffizienzen. „KI ist der Beschleuniger, nicht die Architektur“, schreiben die Studienautoren.
Hinzu kommt eine weitere technologische Kraft, die die Autoren zwar als weniger vorhersehbar, dafür aber potenziell tiefgreifender einschätzen: Tokenisierung. Der Wert tokenisierter Real-World-Assets könnte bis 2030 auf 14 Billionen Dollar anwachsen, bis 2035 sogar auf 55 Billionen Dollar. Neue regulatorische Rahmenbedingungen – Mica in Europa, der Genius Act in den USA – könnten die Adoption beschleunigen und traditionelle Skalenvorteile großer Unternehmen unterhöhlen. Kleinere Marktteilnehmer hingegen könnten von einem leichteren Einstieg profitieren.
Drei strukturelle Nachfrageverschiebungen
Neben Vertrieb und Technologie identifiziert BCG drei Strukturtrends, die bestimmen würden, woher künftiges Wachstum kommt.
Erstens der Generationenwechsel: In den USA werden bis 2048 rund 124 Billionen Dollar zwischen Generationen übertragen. Die Empfänger dieses Kapitals seien die sogenannten Digital Natives, die Vergleichswebseiten, soziale Medien und Youtube als wichtigste Informationsquellen nutzten – Kanäle, auf denen die Asset-Management-Branche laut BCG kaum präsent sind.
Zweitens der Umbau der Rentensysteme: Weltweit verschieben sich die Altersvorsorgesysteme von leistungsorientierten zu beitragsorientierten Modellen. In Europa – wo in Ländern wie Deutschland, Italien und Spanien die kapitalgedeckten Renten-Assets noch im niedrigen zweistelligen Prozentbereich des BIP liegen – ist das Aufholpotenzial besonders groß.
Drittens ein geografischer Vertrauensverlust: 63 Prozent der globalen Investoren glauben laut einer Natixis-Umfrage, die BCG zitiert, dass die Politisierung US-amerikanischer Institutionen die USA als Standort für Investitionen schwächte. Fast die Hälfte will daher ihre Anlagen geografisch noch breiter streuen. Europa, Asien-Pazifik und die Schwellenländer Asiens stehen dabei ganz oben.
Das Fazit der BCG-Autoren: Das Wachstumsmodell, das die Asset-Management in den vergangenen 15 Jahre verfolgt hat, hilft ihnen jetzt nicht mehr weiter. Wer künftig überproportional wachsen will, braucht skalierbaren Vertrieb, eine KI-fähige Infrastruktur – und muss außerdem dort sein, wo das Kapital der nächsten Generation entsteht.
