Bayessche Stabilitätsanalyse Hinweise auf Finanzkrisen zuverlässig erkennen

Seite 4 / 5

Anwendung und Nutzen der BCP

Die praktische Nutzung der BCP ist grundsätzlich für zwei unterschiedliche Risikomanagement-Strategien sinnvoll:

Strategie 1: Verlassen oder Absichern der Anlageklasse. Für einen Aktienmarkt würde das bedeuten, dass man bei einem Risikosignal unter 1 nicht mehr mit 100 Prozent im Aktienmarkt investiert ist und das freie Kapital entweder hält oder in ein andere, nicht korrelierende Anlageklasse allokiert. Alternativ kann man die Positionen auch über Derivate absichern; was im Prinzip einer Allokation in zinslosem Bargeld entspricht.

Strategie 2: Veränderung der Gewichte innerhalb der Anlageklasse. Wenn zum Beispiel innerhalb eines Aktienmarktes die jeweiligen Industriesektoren unterschiedliche Risikosignale zeigen, verschiebt man den Schwerpunkt der Allokation zu den Sektoren mit den höchsten Signalen (Sektor-Rotation).

Wir haben als beispielhafte Anwendung im Folgenden ein Portfolio aus den 19 Industriesektoren des Stoxx Europe 600 Index verwendet.

Zunächst schauen wir uns die Risikomatrix für die Sektoren an. In Abbildung 4 sehen wir, dass die Risikosignale für die verschiedenen Sektoren über die Zeit durchaus unterschiedlich sind.

Abbildung 4: Stoxx Europe 600 Sektoren, Risikosignale über die Zeit 

Strategie 1 – Verlassen oder Absichern der Anlageklasse

Bei der Anwendung von Strategie 1, sehen wir in Abbildung 5 die Ergebnisse einer dynamischen Anpassung des Investmentgrades bei den einzelnen Sektoren (grüne Linie) im Vergleich zu einem gleichgewichteten Portfolio aller Sektoren (blaue Linie), sowie zu einer kontinuierlichen 50 Prozent Absicherung (schwarze Linie).

Abbildung 5: Strategie 1 – Stoxx Europe 600 Sektoren, mit (grüne Linie) und ohne (blaue Linie) dynamischer Anpassung des Investmentgrades beziehungsweise kontinuierliche 50 Prozent-Absicherung (schwarze Linie).

Im folgenden Beispiel nutzen wir nun die Risikosignale direkt für die Allokation für jeden Sektor. Bei 19 Sektoren ergibt sich pro Sektor ein maximales Portfoliogewicht von (100 Prozent / 19 = 5,26 Prozent). Wenn in einem Sektor das Signal bei 1 (dunkelgrün) liegt werden damit auch maximal 5,26 Prozent in diesen Sektor allokiert. Liegt das Signal unter 1, entsprechend geringer und bei einem Signal von 0 (dunkelrot) ist auch die Allokation gleich 0 Prozent.