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In einem zweiten Panel unter dem Titel „Allokationstrends und die Rolle von Consultants bei Versicherungen und Pensionseinrichtungen“ diskutierten Vertreter von fünf Beratungshäusern über ihre Rolle als Wegweiser in einer zunehmend granularen Investmentwelt.
Dabei zeigte sich, dass die Investmentberatung einen Wandel erlebt. Während sich Asset-Klassen immer stärker ausdifferenzieren und regulatorische Anforderungen die Portfoliosteuerung komplexer machen, müssen Investment Consultants neue Rollen definieren. Sie sehen sich zunehmend als strategische Partner, die nicht nur beraten, sondern auch implementieren Dabei wird die Kapazitätsfrage offenbar wichtiger als die reine Kompetenzfrage.
Alte und neue Rollen im Consultant-Geschäft
Olga Braun-Cangl vom Investmenthaus Cambridge Associates, das institutionelle Investoren wie Stiftungen und Family Offices berät, berichtete von einer grundlegenden Transformation: „Wir sind wahrscheinlich kein Consultant mehr. Wir haben uns über die Jahrzehnte zum Lösungsprovider entwickelt, während Capabilities auf der Kundenseite aufgebaut wurden.“
Nicola Schierz von Mercer, einem der weltgrößten Investmentberatungshäuser, betreut institutionelle Investoren „entlang der gesamten Wertschöpfungskette“ - von der strategischen Asset-Allokation bis zur Managerselektion und OCIO-Lösungen.
Sie erklärte, dass man als Berater durchaus die Zielvorgaben der Kunden hinterfrage, sich dabei aber als Partner verstehe, der helfe, Ziele zu erreichen. Die meisten Investoren hätten „nicht weltweit Kollegen sitzen, die Zeit haben, sich Asset Manager in den diversen Regionen anzugucken.“
Ralf Breuer von Faros Consulting, ein auf die Kapitalanlageseite spezialisiertes Beratungshaus für institutionelle Investoren, konzentriert sich nur auf das Asset-Management und überlässt die Verpflichtungsseite anderen Beratern, wie er in der Runde erzählte. Asset Manager seien klassische Dienstleister, deren Angebote zum jeweiligen Kunden passen müssten.
Bernd Kreuter von der Investmentboutique Palladium Partners fokussiert sich auf kundengetriebene Mandate, insbesondere Infrastruktur, daneben noch Private Equity und Private Debt. Er sieht eine Marktlücke beziehungsweise Opportunität im deutschen Markt für breitere Private-Markets-Investitionen.
Beim Arbeitgeber von Nikolaus Schmidt-Narischkin Willis Towers Watson (WTW), liegen die Wurzeln im Aktuariat und der Bewertung von Verpflichtungen. Nach seiner Darstellung verfolgt das Unternehmen einen integrierten Ansatz zwischen Aktiv- und Passivseite bei der Kapitalanlageberatung.
Zur Zieldefinition im Beratungsprozess sagte er: „Eine ganz entscheidende Frage ist, ob es klare Anlageziele eigentlich am Anfang des Beratungsprozesses gibt.“ Entscheidend seien vielmehr die Finanzierungssituation, das verfügbare Risikobudget und die grundsätzlichen Überzeugungen der Investoren – etwa ob sie an aktives Management glauben oder nicht.
Wie die Berater mit der Regulatorik umgehen
Bei der Diskussion über Asset-Allokationen zeigte sich ein deutlicher regionaler Unterschied aufgrund regulatorischer Vorgaben. Braun-Cangl sagte: „In Nordamerika sehen wir nicht unbedingt einen Rückgang an Interesse für Private Markets. Wir sehen eher Trends in die Richtung von 40 Prozent für solche Anlagen.“
Auf den Einwand von Moderator Fred Wagner, seinerseits Professor am Institut für Versicherungswissenschaften an der Universität Leipzig, dass er keine deutsche Pensionskasse oder Versicherung mit solchen Quoten kenne, räumte Braun-Cangl ein: „Wenn Sie sich auf Deutschland als Region und Universum fokussieren, haben sie wahrscheinlich absolut Recht. Hier müssen wir mit regulatorischen Anforderungen kämpfen.“
Auch Breuer konstatiert einen starken Einfluss der Aufsichtsregime auf die Kapitalanlage. Je nach Regime – ob Solvency II oder Anlageverordnung – gebe es feste Quoten, die eingehalten werden müssten. Eine Überschreitung sei nur mit Ausnahmegenehmigungen möglich. Positiv bewertete er, dass die Regulierung zumindest etwas offener geworden sei.
Kreuter führte aus, dass sein Haus aktiv an regulatorischen Optimierungen für Versicherungskunden arbeite, insbesondere für Solvency II-regulierte Investoren. Bei qualifizierten Infrastruktur-Investments gebe es reduzierte Eigenkapitalanforderungen, zusätzlich könne man die Finanzierungsstruktur durch eine Kombination aus Eigenkapital und Gesellschafterdarlehen optimieren.
Granularität als Fluch und Segen
Ein zentrales Diskussionsthema war die zunehmende Ausdifferenzierung der Asset-Klassen. Schierz sah hier klare Grenzen: „Zehn bis maximal 15 Asset-Klassen in der Granularität reichen eigentlich aus, alles andere ist Overengineering“, so ihre Einschätzung.
Schmidt-Narischkin wiederum vertrat eine pragmatische Position zur Komplexität der Vermögensaufteilung. Während mathematische Modelle naturgemäß zu einer gewissen Aufspaltung führten, warnte er vor übertriebener Differenzierung in der Praxis. Es ergebe wenig Sinn, Anlageklassen im niedrigen einstelligen Prozentbereich zu verwalten - hier könne man Positionen sinnvoll zusammenfassen.
Entscheidend sei die verfügbare Verwaltungskapazität der Investoren. Nicht jeder könne oder wolle die komplexe Steuerung granularer Portfolios selbst übernehmen. Die Aufgabe der Beratung liege darin, gemeinsam zu klären, was der Kunde selbst verwalten möchte und wo er externe Unterstützung benötigt.
Breuer begründete die wachsende Komplexität strukturell: „Das ist dem Umstand geschuldet, dass sich die Assetklassen immer stärker auseinanderentwickeln. Die Entwicklung von Gewerbeimmobilien hat mit der von Wohnimmobilien rein gar nichts zu tun. Man müsste eigentlich unterschiedliche Korrelationsannahmen und Renditeannahmen treffen.“
Infrastruktur als Krisengewinner
Kreuter berichtete von positiven Erfahrungen mit Infrastruktur-Investments während der jüngsten Krisen, die sich als inflationsresistent erwiesen hätten. Diese Robustheit habe flächendeckend über alle Sektoren wie Transport, Energie, Kommunikation oder soziale Infrastruktur funktioniert, was zu einem möglichen Shift von Immobilien zu Infrastruktur beigetragen habe.
Braun-Cangl sprach in der Gesprächsrunde über besondere Chancen in digitaler Infrastruktur und dem Thema Energy Transition in Europa, während in Asien sich erneuerbare Energien als sehr interessantes Segment gezeigt hätten.
Private Markets: Bewährte Lösungen oder neue Liquiditätslösungen?
Bei der Diskussion über Liquiditätslösungen für Private Markets erklärte Schierz, dass sie eine rege Produktentwicklung am Markt mit neuen Instrumenten wie Eltifs und semiliquiden Private Debt-Lösungen beobachte, aber wenig echte Nachfrage außerhalb des Privatanleger-Segments sehe. Institutionelle Investoren seien mit geschlossenen Strukturen vertraut und könnten diese durchhalten, wenn die Verpflichtungsseite entsprechend gestaltet sei.
Interessanter als die neuen Liquiditätsinstrumente erweisen sich laut Schierz etablierte Marktmechanismen, die bereits praktiziert würden wie Co-Investitionen oder auch Continuation Vehicles. Diese ermöglichen es, besonders wertvolle Vermögenswerte in Nachfolgefonds zu übertragen und damit Flexibilität im Portfolio zu schaffen.
Kreuter widersprach der pauschalen Einschätzung hoher Illiquidität bei Private Markets. Diese würden sich zunehmend den bewährten Techniken der traditionellen Anlageklassen anpassen. Während in der Phase niedriger Zinsen die schnelle Aufstockung der Allokationen im Vordergrund gestanden habe, gehe es heute um aktives Portfoliomanagement mit gezielten Käufen und Verkäufen. Investoren, die vor Jahren massiv investiert und zeitweise sogar ihre Zielallokationen überschritten hätten, nutzten jetzt die Möglichkeit zur strategischen Umschichtung ihrer Bestände.
WTW-Vertreter Schmidt-Narischkin betonte vor allem die unveränderte Relevanz: „Private Markets haben einen ganz wichtigen Anteil an der Risikotragfähigkeit eines Portfolios. Das ist jetzt auch nicht abgeschmolzen durch die Zinsentwicklung der letzten Jahre.“ Einzelne Investoren hätten zwar zugunsten traditioneller Anlageklassen umgeschichtet, dies stelle jedoch keine grundsätzliche Trendwende dar.