Bawag-Übernahme der Südwestbank „Vertiva bleibt ein unabhängiges Family Office“

Artur Montanhas vom Vertiva Family Office: Seit einem Jahr lenkt er die Südwestbank-Tochter und hat das Family Office neuausgerichtet. | © Südwestbank

Artur Montanhas vom Vertiva Family Office: Seit einem Jahr lenkt er die Südwestbank-Tochter und hat das Family Office neuausgerichtet. Foto: Südwestbank

private banking magazin: Herr Montanhas, der Verkauf der Südwestbank an die österreichische Bawag P.S.K. steht mittlerweile fest. Das Vertiva Family Office ist Tochter der Südwestbank. Was ändert sich für Sie? 

Artur Montanhas: Mit unserer Mehrheitsgesellschafterin Südwestbank haben wir weiterhin einen starken Partner. Dennoch sind und bleiben wir ein unabhängiges Family Office. Fünf Jahre nach Gründung der Vertiva haben wir uns im vergangenen Jahr auf die Neuausrichtung des Family Office konzentriert, unabhängig von der Bawag-Übernahme, die dann kam.

Sie sind im Frühjahr 2017 zur Vertiva gestoßen. Was konnten Sie seitdem erreichen?

Montanhas: Wir haben viele Themen vorangetrieben, dazu gehört ein neuer Webauftritt, neue IT-Tools, Mifid II, die Integration neuer Mitarbeiter in das bestehenden Team – um nur einiges zu nennen. Der Spagat zwischen Neuausrichtung des Family Office und dem Kundenwachstum war nicht immer leicht. Das Team der Vertiva kann allerdings auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2017 zurückblicken.

Was heißt erfolgreich?

Montanhas: Das verwaltete Volumen ist kräftig gewachsen und wir haben das Jahresergebnis deutlich gesteigert. Das Jahr 2017 war somit das erfolgreichste Jahr des Vertiva Family Office seit der Gründung 2012. Auch haben wir einen Beirat installiert und konnten hier unseren ehemaligen geschäftsführenden Gesellschafter Arnim Kogge überzeugen, uns weiterhin beratend als Beirat zur Verfügung zu stehen. Ebenfalls sind wir in einen neuen Standort umgezogen, wo auch bereits zuvor zwei Privatbanken in Stuttgart zuhause waren. Damit sind wir für Kunden besser zu erreichen und das neue Gebäude ist deutlich effizienter.

Bevor die Übernahmeabsichten der Bawag bekannt wurden, wollte das Vertiva Family Office bundesweit wachsen. Was ist aus diesen Plänen geworden?

Montanhas: Das ist richtig und wir prüfen auch weiterhin Opportunitäten. Aber die Hauptkonzentration liegt nun kurzfristig auf Baden-Württemberg und Bayern. Hier spüren wir den Bedarf und ebenso großen Zuspruch. Unser Unternehmen ist weiterhin offen für erfahrene Berater, die bereits über langjährige Kundenverbindungen verfügen. Zudem können wir uns auch vorstellen, kleinere Vermögensverwalter zu übernehmen, die durch Mifid II und gestiegener Kosten über eine Neuausrichtung oder Lizenzrückgabe nachdenken. Unsere Geschichte lässt sich gut im Süden Deutschlands erzählen. Hier haben wir unsere Wurzeln.

Das Ländle scheint keine hohe Dichte an Family Office zu haben, obwohl es eine Keimzelle des deutschen Mittelstandes ist.

Montanhas: Es gibt in Deutschland sicher Städte mit einer höheren Family-Office-Dichte als in Stuttgart und damit auch im Raum Baden-Württemberg. Auch die Privatbanken haben es nicht allzu leicht im Ländle. Viele versuchen sich seit Jahren im Segment mit sehr vermögenden Privatkunden, von denen es sicherlich zahlreiche in Baden-Württemberg gibt. Auch wünschen sich viele Kunden mehr Unabhängigkeit und mehr Service aus einer Hand. Hier spüren wir derzeit schon eine erhöhte Nachfrage. Kunden nehmen uns auch vermehrt mit zu ihren Banken, um die bisherigen Produkte einer neutralen Prüfung zu unterziehen. Wir sehen hier ein sehr großes Potential für uns.