Banker oder Fintech? Die Digitalisierung hat den Finanzjobmarkt erreicht

 Kennt die Trens im Personalmarkt des Asset Managements und Private Bankings: Tanja Apel-Mitchell von Efinancialcareers

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Laut den Ergebnissen des „Millenial Disruption Index 2014“ der Beratungsagentur Scratch zählt der Finanzsektor zu den am stärksten von der digitalen Disruption betroffenen Branchen. Fintech-Startups, die jungen Wilden der Finanzbranche, dringen immer stärker in den Markt für Finanzdienstleistungen ein und erobern so zunächst die Nischenbereiche, in denen traditionelle Banken Entwicklungsbedarf haben, für sich.

In den USA glaubt inzwischen jeder dritte der unter 30-Jährigen, das klassische Finanzinstitute, wie wir sie heute kennen, künftig überflüssig sein werden.

Für Finanzunternehmen beginnt nun ein neues Kapitel: Die Herausforderungen sind gewaltig – doch genauso die Potenziale. Dies hat auch Auswirkungen auf den Jobmarkt und wer die Finanzspezialisten von morgen sind.

Disruption im Finanzsektor

Zahlreiche Branchen haben in den vergangenen Jahren einen, teilweise auch schmerzhaften, Transformationsprozess durchlaufen. Die Musikbranche, Telekommunikationsindustrie und das Verlagswesen haben alle die Auswirkungen der umgreifenden Digitalisierung erlebt und mussten mit jungen und innovativen Unternehmen konkurrieren. Nun steht auch der Finanzsektor vor einer Revolution, die finanzielle Disruption ist angekommen.

Die digitale Vernetzung erfordert auch hier eine Anpassung von Prozessen, Strukturen und Produkten. Im Hinblick auf die zunehmende Marktdurchdringung durch internetbasierte Technologien bieten sich vor allem technologieaffinen Akteuren neue Eintrittschancen in den Finanzmarkt.

In den vergangenen zehn Jahren haben sogenannte Fintech-Startups zunächst Nischenbereiche im Finanzsektor für sich beansprucht, und sind mit zahlreichen digitalisierten Dienstleitungen auf den Markt gestürmt. Fintech steht als Sammelbegriff für moderne Finanztechnologien angefangen beim E-Commerce und Mobile-Payment, über Crowdfunding und -investing bis hin zu Business Intelligence.

Apps, mit denen klassische alltägliche Finanzdienstleistungen nun bequem online oder mobil über diverse Endgeräte abgewickelt werden können, bereichern das Angebot, aus dem Kunden wählen können. Klassische Bankfilialen verlieren an Boden. Werden sie – aufgrund eines neuen Nutzer- und Konsumverhaltens – durch die Digitalisierung verdrängt?

Mehr Kundennähe

Fintech-Unternehmen erfinden das Banking oftmals nicht neu, auch bringen sie keine grundlegend neu konzipierten Produkte oder Dienstleitungen auf den Markt.

Dennoch unterscheiden sie sich wesentlich von den klassischen Finanzhäusern und deren Arbeitsweisen. Ihre Vorteile sehen Fintechs ganz zu Recht in der verbesserten Interaktion mit der Zielgruppe.

Banken sitzen längst nicht mehr an der Schnittstelle zum Kunden, da sie in der digitalen Welt bisher nur wenige Dienstleistungen anbieten, die den veränderten Bedürfnissen der Verbraucher entsprechen. Zwischen Kunde und Bank treten nun Startups und platzieren ihr Angebot mit zusätzlichen Funktionen, individualisiert und online nutzbar.

Die Bank wie wir sie kennen rückt damit in den Hintergrund und fungiert nur noch als Abwicklungspartner. Bestes Beispiel hierfür sind bereits etablierte Bezahldienste wie Paypal oder clickandbuy, bei denen die Transaktion letztendlich im Hintergrund – und vom Kunden kaum wahrgenommen – von der Bank durchgeführt wird.

Bedrohtes Geschäftsmodell?

Das Schreckensszenario der Ablösung von Banken durch Fintech-Unternehmen bleibt dennoch vorerst in weiter Ferne. Zwar kommen mit zahlreichen Fintech-Startups ernst zu nehmende Konkurrenten auf den Markt. Eine echte Bedrohung für das Kerngeschäft traditioneller Finanzhäuser stellen sie jedoch nicht dar.

Zum einen liegt das an den hohen regulatorischen Hürden, die Fintechs überwinden müssen bevor sie das gleiche Portfolio an Dienstleistungen anbieten können wie eine Bank. Die größte Herausforderung stellt dabei die Banklizenz dar, die nur unter strengen Voraussetzungen erteilt wird.

Auch genießen junge Unternehmen nicht das gleiche langjährige Kundenvertrauen wie Banken es tun. Wenn es um das eigene Geld geht, vertraut eine Vielzahl der Endkunden weiterhin auf Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Dies fand das auf Finanzdienstleister spezialisierte Consultingunternehmen Cofinpro in einer Befragung von 1.000 jungen Bundesbürgern heraus.

Sensible Kontodaten möchte man nicht mit einer App teilen und sein Vermögen von einem bisher völlig unbekannten Anbieter verwalten lassen. Hier fehlt die Sicherheit, seine Ansprüche im Schadensfall geltend machen zu können.