Bain & Company-Analyse So wandelt sich der 1,44 Billionen Euro schwere Luxusmarkt

Gewagte Aktion bei der Dublin Horse Show, gesponored von Rolex: Der Luxusmarkt macht keine großen Sprünge, zeigt sich dafür aber Wandlungsfähig.

Gewagte Aktion bei der Dublin Horse Show, gesponsort von Rolex: Der Luxusmarkt macht keine großen Sprünge, zeigt sich dafür aber Wandlungsfähig. Bildquelle: Imago Images / Inpho Photography

Der weltweite Luxusmarkt präsentiert sich oberflächlich betrachtet stabil und wird 2025 voraussichtlich rund 1,44 Billionen Euro Umsatz erreichen. Das zeigt die aktuelle „Luxury Goods Worldwide Market Study" der Unternehmensberatung Bain & Company und des italienischen Luxusgüterverbands Fondazione Altagamma. Unter dieser stabilen Oberfläche vollzieht sich jedoch ein tiefgreifender Strukturwandel.

Die vermögende Kundschaft rund um den Globus verlagert ihre Ausgaben zunehmend von Besitz hin zu Erlebnissen. Luxus wird emotionaler und erlebnisorientierter definiert. „Nach einer Ära des Kaufrauschs haben sich Erlebnisse und Emotionen zum zentralen Wachstumsmotor der Luxusindustrie entwickelt", erklärt Bain-Partnerin und Branchenexpertin Marie-Therese Marek. Die Kundschaft bevorzugt inzwischen „erlebnisorientierten Genuss" statt „demonstrativem Konsum" und setzt neue Statussymbole in Bereichen wie Wellness und Selbstbelohnung.

Gourmetgastronomie verdrängt Luxusautos

Die Verschiebung zeigt sich konkret in den einzelnen Marktsegmenten. Luxuserlebnisse – von Hotellerie über Kreuzfahrten bis hin zur Gourmetküche – treiben das Marktwachstum voran, während klassische Segmente stagnieren oder schrumpfen. Der Bereich Luxusautos verzeichnet rückläufige Volumina über alle Preisklassen hinweg, lediglich das oberste, sportorientierte Segment bleibt stabil. Der Markt für Fine Art stagniert. Auch edle Weine und Spirituosen entwickeln sich insgesamt verhalten, wobei sich Premium-Schaumweine und italienische Rotweine positiv abheben.

 

Einen deutlichen Aufschwung verzeichnet hingegen die Gourmetgastronomie, vor allem in Asien, dem Nahen Osten und exklusiven Ferienregionen. Die Nachfrage wird von einer jüngeren, erlebnisorientierten Generation getragen. Neue Erlebnisfelder wie Reiseaktivitäten, Safaris und exklusive Sportarten definieren den modernen Luxus neu – mit einem klaren Fokus auf unmittelbare Exklusivität und persönliche Erfahrung. Yachten und Privatjets bleiben wichtige Wachstumstreiber.

Persönliche Luxusgüter unter Druck

Der Markt für persönliche Luxusgüter bleibt 2025 mit einem erwarteten Volumen von rund 358 Milliarden Euro weitgehend stabil – nach 364 Milliarden Euro im Jahr 2024 und 368 Milliarden Euro im Jahr 2023. Die Nachfrage der UHNWIS stützt weiterhin das obere Segment, während sich erschwingliche Luxusgüter zurückhaltender entwickeln.

Innerhalb dieses Marktes zeigt sich ein differenziertes Bild. Der Schmuckbereich führt das Wachstum an mit einem erwarteten Plus von vier bis sechs Prozent. Treiber sind eine stabile Nachfrage, die emotionale Bindung der Kundschaft sowie der Trend hin zu individualisierbaren Designs. Das Beauty-Segment bleibt stabil, wobei Parfums die dynamischste Unterkategorie darstellen. KI-gestützte Personalisierung gewinnt an Bedeutung.

Der Uhrenmarkt zeigt eine wachsende Zweiteilung: Während hochwertige Modelle florieren, befeuern Zölle und Preisdruck den Wiederverkaufsmarkt. Im Modesegment erholt sich der erschwingliche Luxus – getragen vom Erfolg jener Marken, die es verstehen, preisbewusste aber markentreue Kundschaft anzusprechen und die Generation Z gezielt zu gewinnen.

Regionale Verschiebungen prägen den Markt

Auf regionaler Ebene zeigen sich 2025 ungleiche Entwicklungen. In China dürften die Luxusausgaben um drei bis fünf Prozent zurückgehen, da Konsumenten sich zunehmend lokalen, erschwinglicheren Marken und erlebnisorientierten Kategorien zuwenden. In Japan schwächt sich das Wachstum nach einem starken Jahr 2024 ab, vor allem infolge eines rückläufigen Tourismus. Auch Europa steht vor einer Abkühlung: Der Luxusmarkt dürfte 2025 um ein bis drei Prozent sinken, gebremst durch nachlassende Touristenzahlen, einen starken Euro und geopolitische Spannungen.

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