Der Übernahmekampf um die Commerzbank hat nun die Finanzaufsicht auf den Plan gerufen. Die Bafin hat der italienischen Großbank Unicredit untersagt, im laufenden Übernahmeverfahren mit unsachlicher Werbung zu operieren. Anlass waren Linkedin-Anzeigen, in denen die Commerzbank als „vernachlässigt“, „unsicher“ und „kurzfristig orientiert“ dargestellt wurde. Einer Zukunft unter Unicredit-Führung attestierten die Anzeigen hingegen glänzende Aussichten.
Die Kampagne war kein Zufall. Sie wurde parallel zu einer Telefonkonferenz veröffentlicht, in der Unicredit-Chef Andrea Orcel das Geschäftsmodell der Commerzbank grundsätzlich attackierte. Orcel hatte bereits am 20. April eine 34-seitige Präsentation vorgelegt, in der Unicredit die Commerzbank als überbewertet und strategisch schwach bezeichnete. Die Linkedin-Kampagne war die öffentlichkeitswirksame Verlängerung dieser Offensive.
Bafin zieht klare Grenzen
Die Bafin stützt ihre Anordnung auf § 28 des Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetzes (WpÜG). Die Norm ermächtigt die Behörde, Werbemaßnahmen zu untersagen, wenn diese eine korrekte und sachliche Information der Marktteilnehmer gefährden. Explizit verboten sind laut Bafin unsachliche Äußerungen, die Verbreitung irreführender Analysen und Prognosen sowie Werbung, die mehr auf die Suggestivkraft der Aussagen als auf deren wirtschaftlichen Kern abstellt. Bei vorsätzlicher oder fahrlässiger Zuwiderhandlung droht ein Bußgeld. Die Anzeigen sind inzwischen offline.
Unicredit räumte lediglich eine „zweideutige Formulierung“ bei der deutschen Übersetzung der ursprünglich englischen Anzeige ein und betonte, man habe die Beiträge umgehend entfernt. Zugleich schoss das Mailänder Institut zurück und bezeichnete die Rhetorik der Gegenseite als „von Beginn an überzogen, übermäßig aggressiv und stark personalisiert“.
Strategischer Hintergrund: Die Uhr tickt
Der Bafin-Eingriff fällt in eine entscheidende Phase. Unicredit hält bereits knapp 30 Prozent der Commerzbank-Aktien. Ab der 30-Prozent-Schwelle wäre ein formelles Pflichtangebot für alle verbleibenden Aktien fällig. Am 4. Mai sollen die Unicredit-Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung der für das Tauschangebot notwendigen Kapitalerhöhung zustimmen.
Auf der Gegenseite hält die Commerzbank-Führung um Chefin Bettina Orlopp an der Eigenständigkeit fest. Am 8. Mai will das Institut gemeinsam mit den Quartalszahlen angehobene Finanzziele präsentieren, um den eigenen Aktionären zu zeigen, dass die Bank auch ohne Unicredit eine überzeugende Perspektive bietet. Die Bundesregierung, mit gut zwölf Prozent zweitgrößter Anteilseigner, stützt diesen Kurs.
Für Investoren ist der Bafin-Eingriff mehr als ein formeller Ordnungsruf. Er zeigt, dass dieser Übernahmekampf längst kein nüchternes M&A-Verfahren mehr ist, sondern ein öffentlich ausgetragener Machtkampf mit regulatorischer Dimension. Wie er ausgeht, dürfte sich in den kommenden Wochen entscheiden.