Großvermögen und grüne Investmentideen Ausflug ins Grüne

Großvermögen und grüne Investmentideen: Ausflug ins Grüne | © Getty Images

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Die Initialzündung liefert ein Geschwisterpaar aus Süddeutschland. „2001 sind die beiden an uns herangetreten. Sie hatten ihr Unternehmen verkauft und wollten nun nicht mehr unternehmerisch tätig sein. Als Investoren war es ihnen wichtig, ethisch, sozial und gesellschaftlich korrekt anzulegen“, erzählt Stefan Freytag, Vorstand des Wilhelm von Finck Deutsche Family Office. „Da haben wir uns zum ersten Mal mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandergesetzt.“ Das Geschwisterpaar hatte eine Vision. „Wir haben dann über rund ein Jahr das passende investierbare Konzept entwickelt“, so Freytag. Seitdem ist das Wilhelm von Finck Deutsche Family Office vom Thema Nachhaltigkeit überzeugt. Sichtbarer Beweis ist der 2009 aufgelegte Nachhaltigkeitsfonds WvF Rendite und Nachhaltigkeit (WKN: DWS 0XF). Freytag: „Inzwischen sprechen wir unsere Kunden direkt darauf an und empfehlen ihnen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.“ Vor allem im Stiftungsbereich und bei Familienunternehmen biete sich das an. „Nicht auf Kosten der folgenden Generationen zu wirtschaften ist ein Grundpfeiler der Nachhaltigkeit, gilt aber genauso für familiengeführte Unternehmen.“

2050 bevölkern 9 Milliarden Menschen die Welt. Geht der Verbrauch an natürlichen Ressourcen so weiter wie bisher, bleibt für die kommenden Generationen nicht mehr viel übrig. Schon 2035 brauchen wir zwei Planeten, um den weltweiten Bedarf an Nahrung, Energie und Fläche zu decken, hat der World Wide Fund for Nature (WWF) berechnet. Nachhaltigkeit, also ökologisch und sozial korrektes Verhalten, wird für den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen immer wichtiger und ist ein Megatrend. Finanzmarktkrise und Fukushima haben das Bewusstsein für die Dringlichkeit des grünen Wandels noch weiter geschärft, auch bei Investoren.

Daher ist das Wilhelm von Finck Deutsche Family Office in guter Gesellschaft. Immer mehr Großvermögen zieht es ins Grüne. Auch wenn einige Vermögensmanager nach wie vor Probleme mit der guten Seite des Geldes haben. Ralf Vielhaber, Geschäftsführer des Verlags Fuchsbriefe, der Vermögensverwalter und Privatbanker Ende vergangenen Jahres einem Öko-Test unterzog, hat drei Gruppen ausgemacht: die Ahnungslosen („Modeerscheinung, gutes Gewissen bringt keine Gewinne. Das ist Magerkost“), die kundigen Skeptiker („Die ausschließliche Ausrichtung erhöht das Risiko“) und die kundigen Befürworter („Keine Performance-Einbuße durch Nachhaltigkeit“).

Paradox in der Bewertung

Vielhabers Klassifizierung ist beispielhaft für eines der großen Missverständnisse bei der Beurteilung nachhaltiger Investments: Der Erfolg der vierten Dimension der Geldanlage wird oft anhand der klassischen drei Kriterien Rendite, Risiko und Liquidität gemessen. „Es ist aber doch einseitig, sich bei der Beurteilung von nachhaltigen Investments nur auf den finanziellen Ertrag und das Risiko zu fixieren“, sagt Kevin Schaefers, Leiter des Geschäftsbereichs Family Office von Feri Family Trust. „Den Erfolg einer nachhaltigen Anlagestrategie sollte man nicht auf finanzielle Parameter reduzieren.“ Schließlich seien die Ziele der ökologisch und sozial motivierten Anleger nicht ein-, sondern mehrdimensional. „Unsere Kunden möchten sich durch ihre Investitionen aktiv für Gesellschaft und Umwelt einsetzen. Gleichzeitig möchten sie finanzielle Erträge erwirtschaften und Risiken vermeiden, die sich aus der Verletzung sozialer und ökologischer Richtlinien ergeben können“, sagt Franz Angermann, Leiter des Bereichs Private Wealth Advisors der UBS Deutschland AG. Die UBS hat Anfang 2010 extra eine neue Einheit geschaffen, die aus 30 Spezialisten bestehende „Philanthropy & Values-Based Investing“.

Nachhaltige Investments sollen Unternehmen fördern, die entweder zu den Vorreitern in Sachen ökologischer und sozialer Kompetenz zählen oder aber in Branchen tätig sind, die als nachhaltig gelten. Bei Beteiligungen an Solarparks, Wäldern, Windoder Wasserkraftwerken über Private Equity oder geschlossene Fonds fließt direkt Geld an die Firmen. Investoren können also sicher sein, dass ihr Geld etwas bewirkt. Beim Kauf von Aktien oder Renten am Kapitalmarkt ist das anders: Geld fließt nur bei Emission der Papiere. Eine direkte Förderung gäbe es also nur, wenn Investoren ausschließlich bei Börsengang einsteigen würden. Das macht keiner.

Doch auch wenn der Kauf von Aktien und Anleihen keine direkte ökologische oder soziale Wirksamkeit hat – steigende oder sinkende Kurse haben durchaus indirekte Auswirkungen auf die Unternehmen. Und das ist der entscheidende Effekt nachhaltiger Investments. Denn Unternehmen und Länder sind prinzipiell an steigenden Kursen interessiert: Sie sorgen für ein gutes Image und senken die Kosten für zusätzliches Kapital. Je mehr Menschen ethische und soziale Kriterien beim Kauf und Verkauf von Aktien, Anleihen, Fonds und Zertifikaten berücksichtigen und dadurch die Kurse beeinflussen, desto wichtiger werden diese Kriterien auch für die Unternehmen.

Gibt es eine extra-finanzielle Rendite?

Aber wie nachhaltig sind nachhaltige Unternehmen und damit auch Fonds eigentlich? Ein Rating, das die Produkte in dieser Hinsicht bewertet, gibt es nicht. Die tatsächliche Auswirkung der Grünanlagen auf Mensch und Natur, die sogenannte extra-finanzielle Rendite, fällt in der Regel unter den Tisch. Die Schweizer Fondsgesellschaft Pictet hat darum versucht, sie zu messen, zumindest annäherungsweise: Anhand der Kohlendioxid-Emissionen wurde die Umweltdimension der Firmen beurteilt, anhand der Schaffung neuer Arbeitsplätze die Sozialdimension.

Die Portfolios wurden nach dem Best-in-Class-Ansatz zusammengestellt. Berücksichtigt wurden Firmen, die in ihrer Branche zu den nachhaltigsten zählen, unabhängig davon, wie umweltzerstörerisch diese ist. Das Ergebnis: Firmen im nachhaltigen Portfolio stoßen weniger Kohlendioxid aus und schaffen mehr Arbeitsstellen als ihre Mitbewerber, liefern also einen messbaren Mehrwert in Sozial- und Umweltfragen.

Schwierig ist die Beurteilung auch bei den sogenannten Themeninvestments. Wer die Erzeugung erneuerbarer Energien fördert, ist nicht unbedingt zu 100 Prozent nachhaltig unterwegs. Ganz strengen Verfechtern ist es beispielsweise ein Dorn im Auge, dass in einigen Windrädern seltene Erden wie Neodym verarbeitet werden. Das Metall wird vor allem in China abgebaut, was dort zu enormer Umweltverschmutzung führt. Und auch bei Solarinvestments scheint nicht nur die Sonne: Durch das in einigen solaren Dünnschichtmodulen verbaute Cadmium-Tellurid besteht zwar keine akute Vergiftungsgefahr für Mensch und Tier, Lagerung oder Recycling bei Abbau eines Solarparks sind aber nicht abschließend geklärt.

„Die Entscheidung darüber, wie die finanziellen und ideellen Ziele in Einklang gebracht werden, muss jeder Investor für sich treffen“, so Schaefers. Ganz grün geht sowieso nicht. Eine komplett nachhaltige Asset Allocation ist in den Bereichen Immobilien, Währungen und Rohstoffe problematisch. Vielfalt ist Programm. „Beim nachhaltigen Investieren gibt es keinen Mainstream, kein richtig oder falsch“, sagt Professor Rolf Tilmes, Dekan der EBS Universität für Wirtschaft und Recht und wissenschaftlicher Leiter des Private Finance Institutes. Die Gründe für ein Investment seien ebenso unterschiedlich wie die Anlagen selbst. Ob Wilhelm von Finck Deutsche Family Office, UBS oder andere nachhaltige Vermögensmanager, sie alle bieten einen auf den Kunden zugeschnittenen Mix aus Best-in-Class, Ausschlusskriterien und Themeninvestments an.

„Oft mangelt es jedoch noch an passenden Beratungskonzepten. Deshalb stellen viele Family Officer oder Private Banker gar nicht erst die Frage nach den ethisch orientierten Anlagezielen ihrer Kunden“, so Schaefers. Er promoviert über Beratungsansätze im Bereich nachhaltiger Geldanlagen. „Es fehlt nicht an Produkten, sondern an der Übersetzungsleistung, die nachhaltigen Motive der Kunden in Investmentkonzepte zu integrieren.“ Idealerweise brauche jedes Unternehmen einen Spezialisten für Nachhaltigkeit. „Aber davon ist die Finanzbranche noch weit entfernt.“