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Ausblick von AXA IM Warum die Märkte im Unruhezustand verharren

„Die Wunden der Finanzkrise vor zehn Jahren sind noch nicht ganz verheilt“, so Franz Wenzel, Multi-Asset-Stratege im Institutional Solutions Team bei AXA IM. | © AXA IM

„Die Wunden der Finanzkrise vor zehn Jahren sind noch nicht ganz verheilt“, so Franz Wenzel, Multi-Asset-Stratege im Institutional Solutions Team bei AXA IM. Foto: AXA IM

Die Akteure der Finanzmärkte richten zurzeit ihre Aufmerksamkeit vor allem auf drei Themen. Allen voran sind es die anstehenden Wahlen in den USA, die nicht nur die Börsianer mindestens bis Mitte November beschäftigen werden. An zweiter Stelle ist die Situation in der Eurozone zu nennen. Das politische Umfeld in den einzelnen Ländern neigt zu politischen Extremen und zeigt sich sehr anfällig für Krisen. Erschwerend kommt die Auseinandersetzung um den italienischen Staatshaushalt und die Ausweitung des Budgetdefizits hinzu.

Auch wenn die Arbeitslosenquote in der Eurozone so niedrig wie seit knapp zehn Jahren nicht mehr ist, sind die Wunden der Finanzkrise noch nicht ganz verheilt. Die wirtschaftliche Erholung hat die Situation am Arbeitsmarkt zwar verbessert und mit etwa 8 Prozent hat die Arbeitslosenquote ein zyklisches Tief erreicht. Das darf aber nicht über die eklatanten Unterschiede auf Länderebene hinwegtäuschen. Während Deutschland mit um die 3 Prozent Arbeitslosenquote de facto Vollbeschäftigung erreicht hat, hinkt die Entwicklung in Ländern wie Frankreich (9 Prozent Arbeitslosenquote) oder Spanien (15 Prozent) deutlich hinterher.

Brexit wird das Wachstum verlangsamen

Der Austritt Großbritanniens aus der EU im kommenden Jahr nimmt in diesem Zusammenhang eine Sonderstellung ein. Kurzfristig werden die Nachrichten von der politischen Entwicklung, sprich den Verhandlungen, dominiert. Die Meldungen über die Zukunftsaussichten der Wirtschaft im Königreich sind nachrangig. Sollte der Brexit initiiert werden, wird man davon ausgehen müssen, dass sich die internationalen Unternehmen neu ausrichten. Standortverlagerungen sind nicht auszuschließen. Ein langsameres Investitionswachstum wäre die Konsequenz. Ein schwächeres Pfund Sterling sollte diesen Malus dämpfen. In der Summe gehen wir davon aus, dass das Wachstum einen Gang zurückschalten wird.

Schwellenländer bleiben ein bestimmendes Thema

In Brasilien bleibt die politische Stimmung auch nach den Präsidentschaftswahlen äußerst angespannt. Trotz der Größe des Landes am Amazonas ist eine direkte Rückkoppelung der Krise auf die Weltwirtschaft aber eher unwahrscheinlich. Brasilien ist sehr stark auf die Binnenwirtschaft ausgerichtet. Der Außenhandel, also Exporte und Importe relativ zum Bruttosozialprodukt, macht gerade einmal 27 Prozent aus und liegt damit auf Platz 157 im internationalen Vergleich. Dennoch sollte der indirekte Einfluss, also das Stimmungsbild in Bezug auf Schwellenländer, als möglicher Risikofaktor nicht vernachlässigt werden.

Der zuletzt stark gestiegene Ölpreis könnte den Schwellenländern in die Karten spielen. Angesichts der Kapazitätsengpässe in den USA sowie der Spannungen zwischen den USA und dem Iran kann ein temporärer Anstieg auf 100 US-Dollar pro Barrel nicht ausgeschlossen werden. Ein dauerhafter Anstieg ist eher unwahrscheinlich, zumal die OPEC bereits eine Erhöhung der Förderquoten beschlossen hat. Allerdings wird sich die OPEC mit der Umsetzung Zeit lassen, denn der hohe Ölpreis kommt den Förderländern sehr zupass. Gleichwohl würde ein dauerhafter Preisanstieg die Ölschieferproduktion rentabel machen. Ein höheres Angebot würde diesen Anstieg konterkarieren.