Ausblick von Amundi Der zyklische Aufschwung setzt sich global weiter fort

Ausstellung zu digitalem Entertainment in Shanghai: Chinas Wirtschaft scheint robuster zu sein als vorhergesagt. | © Getty Images

Ausstellung zu digitalem Entertainment in Shanghai: Chinas Wirtschaft scheint robuster zu sein als vorhergesagt. Foto: Getty Images

Die Fundamentaldaten und Umfragen zum Geschäftsklima deuten weltweit auf eine Fortsetzung des globalen Aufschwungs hin, der in den meisten Ländern durch die Binnennachfrage getragen wird. Daneben gibt es zunehmende Anzeichen für weltweit steigende Investitionsausgaben. Infolgedessen entwickelt sich der globale Handel weiter robust und gibt dem globalen Wachstum des Bruttoinlandsproduktes zusätzlich Auftrieb.

Anhaltende Expansion in den Industrieländern

In den USA hält der Zyklus fast neun Jahre an, aber dank Steuersenkungen, geringer Inflation und anhaltend akkommodierender Geld- und Fiskalpolitik zeichnet sich für 2018 und 2019 eine Fortsetzung ab. Wir erwarten für 2018 und 2019 ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 2 Prozent oder mehr. Da hinsichtlich der endgültigen Ausgestaltung der Steuerreform noch Unsicherheit herrscht, ist es schwierig, deren Auswirkungen auf unsere Prognosen einzuschätzen. Die positive Wirkung auf unsere Prognose würde in unserem Basisszenario zwischen +0,1 Prozent bei geringem Multiplikatoreffekt und +0,5 Prozent bei höherem Multiplikatoreffekt betragen. Eine Fortsetzung des aktuellen Zyklus bis über Mitte 2019 hinaus – wovon wir ausgehen – würde die längste Expansionsphase in der Geschichte seit 1857 bedeuten.

In der Eurozone verbreitert sich derzeit der jüngste Aufschwung in allen Ländern. Nach den finalen Daten für das dritte Quartal 2017 lag das sequentielle Wachstum in der Eurozone bei 0,6 Prozent und damit nur knapp unter den 0,7 Prozent im 2. Quartal 2017. Im Jahresabstand liegt das Plus bei 2,6 Prozent, höchster Anstieg seit dem 1. Quartal 2011. Auch Deutschland (mit 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal und 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr), Frankreich (mit 0,5 Prozent beziehungsweise 2,2 Prozent) sowie Spanien (mit 0,8 Prozent und 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr) legten deutlich zu. Dank der fortgesetzt expansiven Geldpolitik und günstigen Kreditbedingungen dürfte das Wachstum noch einige Zeit über dem Potenzial liegen.

Politischen Einfluss berücksichtigen

Bei der Umsetzung von Reformen wurden nennenswerte Fortschritte gemacht und die meisten makroökonomischen Ungleichgewichte korrigiert. Trotz fortbestehender lokaler Risiken hat sich auch die politische Stabilität verbessert, und die Unsicherheit in Bezug auf die Europäische Union als Ganzes hat abgenommen. Vor diesem Hintergrund betrachten wir den aktuellen politischen Stillstand in Deutschland nicht als größeres Risiko für den wirtschaftlichen Ausblick. Längere Phasen ohne Regierung in Belgien und Spanien haben auch dort nicht zu einer Konjunkturabschwächung geführt. Es gibt aber noch weitere bedeutende geopolitische Risiken in der Eurozone, die zu beachten sind: Die Wahlen in Italien am 4. März 2018 könnten für neue politische Turbulenzen sorgen und die Risikowahrnehmung an den Märkten beeinflussen. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass die kleinen Parteien in der Minderheit bleiben werden, sodass unsere positive Einschätzung für die Eurozone für 2018 und 2019 dadurch kaum beeinflusst wird.

In Japan dürften die Abenomics die Wirtschaft in der längsten

Expansionsphase der Nachkriegsgeschichte unterstützen. Gemessen an historischen Maßstäben wächst Japans Wirtschaft nicht sonderlich stark, aber der Zyklus erweist sich dank solider Inlandsnachfrage und des sich gut entwickelnden Welthandels als unerwartet robust. Kräftige Firmengewinne dürften Investitionen nach sich ziehen, und nach dem jüngsten Sieg der Regierungskoalition in vorgezogenen Neuwahlen ist für 2018 mit einer noch expansiveren Fiskalpolitik zu rechnen.

Eine robustere Wirtschaft in China wird den globalen Aufschwung begünstigen

Chinas Wirtschaft scheint robuster zu sein als vorhergesagt. Die weithin erwartete Abschwächung wird wohl moderat ausfallen, da die Wachstumstreiber eine breitere Basis haben und bedeutende Anpassungen auf der Angebotsseite vorgenommen wurden. Dazu zählt unter anderem ein Abbau von Überkapazitäten und von Beständen im Immobiliensektor. Der 19. Parteikongress der Kommunistischen Partei bestätigte unter den Top-Prioritäten eine Vertiefung der Reformen und die Verbesserung der Unternehmensführung, was die Chance auf eine relativ „weiche“ Landung der chinesischen Wirtschaft erhöhen würde.

Wir gehen letztlich von einer Fortsetzung des aktuellen zyklischen Aufschwungs aus. Wir sind sogar der Meinung, dass das Wachstum noch etwas anziehen könnte und die Inflation gedämpft bleiben dürfte. Allerdings könnten schlecht umgesetzte wirtschaftspolitische Neuerungen insbesondere in den USA, ein geldpolitischer Fehler und/oder eine plötzliche Neubewertung der Risiken an den Rentenmärkten eine merkliche Konjunkturabkühlung zur Folge haben. Auch ein vorübergehender Ölpreisanstieg aufgrund einer Zunahme der Spannungen im Nahen Osten könnte das positive Szenario gefährden.