Ausblick Schwellenländer Welche Chancen Anleihen in Lokalwährung bieten

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Noch viel Spielraum für Wertsteigerungen

Die Schwellenländer erlebten in den vergangenen Jahren trotz des starken Anstiegs der Lokalwährungsmärkte Phasen, in denen Marktvolatilität herrschte, die in vielen Fällen Anleger von dieser Anlageklasse abschreckte. Während der Risikoereignisse der Jahre 2015 und 2016 erreichten die Marktpreise gelegentlich Extreme. Sie implizierten, dass die Bedingungen schlechter seien als zur Zeit der globalen Finanzkrise 2008 oder der Asienkrise 1997-1998. Jedoch entsprachen die zugrunde liegenden Fundamentaldaten keinesfalls Krisenniveaus und die Bedingungen waren auch nicht überall in der Anlageklasse gleich.

Nach unserer Einschätzung überstieg die Risikoaversion in bestimmten Lokalwährungsmärkten die zugrunde liegenden Fundamentaldaten zeitweise deutlich. Die Bewertungen sanken dadurch zwar kurzfristig, beherzte Investoren erschlossen sich aber gleichzeitig enormes langfristiges Wertpotenzial für ihre Anlagen. 2017 erhielten mehrere Schwellenländer Auftrieb durch die Rückkehr der ausländischen Anleger an einige unterbewertete Märkte. 2018 gibt es jedoch angesichts des heftigen Kursverfalls in den Vorjahren – insbesondere aufgrund der 2015 und 2016 verzeichneten Abverkäufe – noch viel Spielraum für Steigerungen.

Schwellenländeranleihen in Lokalwährung bieten hohe Renditen

Auf bestimmten Lokalwährungsmärkten der Schwellenländer ergeben sich zurzeit vielversprechende Gelegenheiten für laufenden Ertrag. So bieten mehrere Märkte beispielsweise relativ hohe Renditen am kurzen Ende ihrer lokalen Zinsstrukturkurven und liefern damit gute Ertragsniveaus, während das Durationsrisiko relativ gering bleibt.

Außerdem verlaufen viele Zinsstrukturkurven von Schwellenländern sehr flach, sodass längere Laufzeiten kaum zusätzliche Renditen gewähren. Für viele dieser Märkte sind die Risiko-Ertragsprofile am kurzen Ende der Kurve stärker. Dennoch gibt es einige ausgewählte Märkte, die längere Laufzeiten zu ordentlichen Bewertungen bieten. Hierzu zählen insbesondere Länder, von denen angenommen wird, dass ihr Zinsumfeld stabil bleiben oder sich mittel- bis langfristig rückläufig entwickeln wird. Entscheidend ist es, ausgewählte Durationsrisiken einzugehen, die jeweils von den Bewertungen entlang der einzelnen Kurven abhängen. Abbildung 6 zeigt die kurz- und langfristigen Renditen, die in Industrie- und Schwellenländern verfügbar sind – mehrere Schwellenländer können mit deutlich höheren Renditen aufwarten.

Einer der weiteren Faktoren, die für die Erkennung des Wertpotenzials lokaler Märkte eine Rolle spielen, ist, dass Länder mit höheren Zinsdifferenzen wahrscheinlich besser positioniert sind, um in einem Umfeld steigender Zinsen zu bestehen.

Abbildung 5: JP Morgan Emerging Markets Currency Index (Stand: 31. März 2018)

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                                                            Quelle: JP Morgan Chase & Co. Nur zur Veranschaulichung und als Diskussionsgrundlage

So haben Brasilien, Mexiko und Indien eine kurzfristige Rendite von rund 7 Prozent, Indonesien von über 5 Prozent und in Argentinien liegt sie bei 25 Prozent (Stand: März 2018). Diese Länder verfügen über ein dickeres Polster, um Renditeschwankungen von US-Treasuries abzufedern.

Hingegen dürften Schwellenländer mit makroökonomischen Ungleichgewichten oder einem Niedrigzinsumfeld stärker unter steigenden Zinsen leiden. Länder wie die Türkei oder Venezuela bleiben aus unserer Sicht fundamental durch einen Zinsschock gefährdet. Andere Beispiele sind Südkorea oder Singapur. Sie könnten trotz ihrer starken makroökonomischen Fundamentaldaten ebenfalls anfällig für Währungsabwertungen sein, da die Renditedifferenz zu den USA sich umkehrt.

Insgesamt sind die makroökonomischen Profile der einzelnen Länder in der gesamten Anlageklasse sehr unterschiedlich. Für Anleger bietet sich daher ein selektiver Ansatz an.