Ausblick europäische High-Yield-Anleihen Sechs Prozent Rendite sind 2016 bei Europäischen Hochzinswerten drin

Sjors Haverkamp, Head of Europe High Yield bei NNIP

Sjors Haverkamp, Head of Europe High Yield bei NNIP

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Europäische Hochzinsanleihen standen in den letzten Monaten unter Druck. Dafür waren aus unserer Sicht die eingangs genannten Faktoren verantwortlich, die mit dem Markt im Speziellen jedoch nicht so viel zu tun haben. Die Renditen fielen hier zuletzt vor allem aus markttechnischen Gründen etwas niedriger aus. In 2016 halten wir jedoch eine Rendite von sechs Prozent für möglich. Die Aussichten sind unserer Ansicht nach deshalb so gut, da es bei geringen Ausfallquoten, einer attraktiven Bewertung und fehlenden Anlagealternativen für Investoren bei der Suche nach Erträgen bleibt.

Anlagechancen ergeben sich bei High-Yield-Werten generell aus den Ineffizienzen des Marktes. Und: Unterschiede hinsichtlich Qualität und Bewertung gibt es im gesamten Rating-Spektrum. Besonders aussichtsreich erscheinen uns aktuell Bonds mit kurzen Restlaufzeiten. So sind wir derzeit bei unserem Europe High Yield Fonds bewusst in dem Bereich des Universums übergewichtet, der die höheren Renditen bietet. Wir glauben, dass unser Fonds in diesem Marktumfeld eine Überrendite erzielen kann und streben als Zielrendite für dieses Jahr an, die Benchmark um 100 Basispunkte zu übertreffen.

Mit Bottom-Up und Top-Down ans Ziel

Wir kombinieren einen Bottom-Up-Ansatz, der den Emittenten ins Zentrum unserer Überlegungen stellt, mit einer Portfoliostruktur, die wir Top-Down ableiten. So sind wir im Bereich der Europäischen Hochzinspapiere bisher gut durch turbulente Märkte gekommen. Zentral ist für uns die Bottom-Up-Analyse. Wir konzipieren unser Portfolio ausgehend von der Analyse des Emittenten. Um Überrenditen zu erzielen, fokussieren wir auf verschiedene Quellen. Dazu gehören Unterschiede zwischen Regionen, Sektoren, Anleihebedingungen und Bonitäten. Wir glauben auch an den Kreditzyklus und berücksichtigen diesen bei unseren Anlageentscheidungen.

Zur Auswahl unserer Emittenten verwenden wir ein Scorecard-Modell. Dabei lassen wir unsere persönlichen Analysen einfließen, um Rating und Ausblick zu bestimmen. Um die besten Bonds auszuwählen, erstellen wir ein Value-Ranking, das sich an unserer persönlichen Überzeugung orientiert. Das Gesamtportfolio konstruieren wir so, dass es unserem bevorzugten Profil entspricht. Sämtliche Einzelpositionen unterziehen wir zusätzlich einer Risikoüberprüfung. Damit wollen wir sicherstellen, dass wir keine Positionen aufbauen, die nicht in unser Portfolio passen. Bei unserem Investmentansatz handelt es sich insofern um einen aktiven und zugleich risikobewussten Anlagestil.

Fokus auf Qualität bei Produkt und Management

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass wir mit unserem Ansatz die besten Chancen bei Anleihen finden, die ein wenig unter dem Radar gehandelt werden. Auch führt die Angst am Markt immer wieder zu Ineffizienzen, die Investoren nutzen können. Aktuell ergibt sich aus unserem Ansatz ein Übergewicht bei Zyklikern mit einem guten Produkt oder einer soliden Marktstellung. Weitere Faktoren, auf die Wert gelegt werden sollte, sind die Qualität des Managements und die klare Absicht, Fremdkapital reduzieren zu wollen.

Bezüglich der Branchenauswahl hat sich eine gewisse Skepsis bewährt. Sektoren, denen wir derzeit kritisch gegenüber stehen, sind Fluggesellschaften, Reedereien, Einzelhandel, Restaurantketten, Energiewerte und Technologie-Unternehmen.

Diversifikation als Schlüssel zum Erfolg

Hochzinsanleihen sind bei der Vermögensallokation eine gute Ergänzung zu einem Aktienportfolio. Auch wenn sie, wie der Name schon sagt, zur Kategorie der Anleihen gezählt werden, sind sie Aktien doch nicht unähnlich. Vor allem im Vergleich mit klassischen Bonds, wie etwa Staatsanleihen.

High-Yield-Papiere können das Chance-Risiko-Profil eines Portfolios verbessern und zur Diversifikation beitragen. Diese Eigenschaften sprechen viele Investoren an – denn Diversifikation ist der Schlüssel zu langfristigem Erfolg. So können Europäische Hochzinspapiere dabei helfen, in einem global ausgerichteten Portfolio den Anteil in Euro denominierter Anleihen zu erhöhen.

Grundsätzlich sollten High-Yield-Bonds nicht als Trading-Instrumente betrachtet werden. Stattdessen sollten Investoren auf Qualität achten und die Papiere erst abstoßen, wenn ein Emittent Anlass dazu gibt.

Abnehmende Liquidität als Risiko und Chance zugleich

Am Markt für Hochzinsanleihen wird die abnehmende Liquidität allmählich zu einem Problem. In einer Zeit, in der Investmentbanken immer weniger Risiken in den eigenen Büchern haben wollen, trocknen die Märkte zunehmend aus. Vor allem die Marktphasen, in denen Investoren keine Risiken eingehen wollen, sorgen immer wieder für Anomalien am Bondmarkt. In solchen Phasen können wir allerdings unser Wissen rund um High-Yield-Papiere voll ausspielen und Chancen ergreifen.