Die bevorstehende selektive Erholung wird stärker als in der Vergangenheit von Deal-Struktur, Sektor-Logik und operativer Qualität geprägt sein. So gehen die befragten M&A-Berater, Private-Equity-Investoren und strategischen Käufer des aktuellen Dealcircle M&A Pulse 2025 davon aus, dass 2026 ein realistisches Erholungsjahr wird. Ursache für diese Marktbelebung sind gesunkene Zinsen, realistischere Bewertungserwartungen und ein wachsender Verkaufsdruck.
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Die bevorstehende selektive Erholung wird stärker als in der Vergangenheit von Deal-Struktur, Sektor-Logik und operativer Qualität geprägt sein. So gehen die befragten M&A-Berater, Private-Equity-Investoren und strategischen Käufer des aktuellen Dealcircle M&A Pulse 2025 davon aus, dass 2026 ein realistisches Erholungsjahr wird. Ursache für diese Marktbelebung sind gesunkene Zinsen, realistischere Bewertungserwartungen und ein wachsender Verkaufsdruck.
Gleichzeitig verbessert sich das makroökonomische Umfeld spürbar. Ein prognostiziertes BIP-Wachstum von 1 bis 1,5 Prozent, eine Inflation nahe 2 Prozent und erste Signale stabilerer Zinsen schaffen wieder Planbarkeit für Investoren und Verkäufer. Vor diesem Hintergrund lassen sich sechs zentrale Trends erkennen, die den M&A-Markt 2026 prägen werden.
1. Selektiver Rebound: Erholung mit klaren Qualitätsanforderungen
Die Stabilisierung schlägt sich nicht gleichmäßig in allen Marktsegmenten nieder, sondern wirkt sich besonders im Small- und Mid-Cap-Segment aus. Daher ist davon auszugehen, dass Käufer im kommenden Jahr gezielt dort aktiv werden, wo Geschäftsmodelle verlässliche Cashflows und nachvollziehbare Wachstumsperspektiven bieten. Gleichzeitig haben 2025 viele Inhaberinnen und Inhaber im Small- und Mid-Cap-Segment ihre Unternehmen zurückgehalten, in der Hoffnung auf bessere Bewertungen. Das strukturelle Paradox: Es gibt zwar viele potenzielle Verkäuferinnen und Verkäufer, aber relativ wenige wirklich attraktive Targets.
Daher könnten in der zweiten Jahreshälfte 2026 besonders im Mid-Cap-Segment wieder mehr Qualitätsassets auf den Markt kommen. Gleichzeitig schließt sich das Bewertungs-Gap zwischen Käufern und Verkäufern leicht, getragen von rationaleren Preisvorstellungen und dem anhaltenden Deploy-Druck der Fonds.
Besonders Unternehmen mit transparenten Zahlen, klarer Governance, sektoraler Einbettung und soliden Cashflow-Profilen sind gut positioniert, da breite Auktionen zunehmend gezielten Prozessen weichen. Sie haben deutlich bessere Chancen, den entstehenden Rebound zu nutzen als Geschäftsmodelle ohne Resilienzbeweis.
2. KI-Disruptionsresilienz als Erfolgsfaktor
2026 wird die Fähigkeit eines Unternehmens, sein Geschäftsmodell gegenüber technologischer Disruption zu schützen, zu einem zentralen Bewertungskriterium. In der Commercial Due Diligence gehört die Frage, ob ein Geschäftsmodell in den kommenden Jahren durch KI substituiert, automatisiert oder in seiner Wertschöpfung geschwächt werden kann, inzwischen zum Standard. Geschäftsmodelle mit hohem Substitutionsrisiko verlieren deutlich an Attraktivität und werden, selbst bei solider Performance, nur schwer Käufer finden.
Unternehmen, die KI hingegen produktiv integrieren und ihre Wertschöpfung durch Automatisierung, Effizienzgewinne oder technologische Barrieren stärken, bleiben wesentlich gefragter. KI-Resilienz entscheidet damit immer häufiger darüber, ob und zu welchen Konditionen eine Transaktion überhaupt zustande kommt.
3. Struktur statt Sticker Price: Die neuen Deal-Architekturen
Parallel zu dieser selektiven Erholung verändern sich die Mechanismen der Preisfindung. 2026 setzen sich strukturierte Kaufpreismodelle endgültig als Marktstandard durch und überbrücken bestehende Bewertungsdifferenzen. Earn-outs, Verkäuferdarlehen und Rollovers sind folglich in mehr als der Hälfte der Mid-Market-Transaktionen Teil der Verhandlung. Die Lücke zwischen Verkäuferansprüchen und realisierbaren Preisen wird dabei nicht über den Sticker Price, sondern über intelligente Mechanismen geschlossen. Deals werden damit komplexer, aber auch resilienter gegenüber kurzfristigen Marktschwankungen.
4. Finanzierung als Nadelöhr – Private Debt auf dem Vormarsch
Auch wenn der Markt sich stabilisiert, bleibt die Finanzierung 2026 ein kritischer Engpass. Die Zinsen verharren weiterhin auf erhöhtem Niveau, Banken bleiben restriktiv. Sie finanzieren in vielen Fällen nur bis zum 3,5- bis 4-fachen EBITDA. Der Leverage bleibt gedämpft, höhere Eigenkapitalquoten und strengere Covenants werden zur neuen Normalität.
Dadurch gewinnen Private-Debt-Modelle an Bedeutung. Unitranche-Strukturen, Mezzanine und hybride Modelle etablieren sich im kommenden Jar zunehmend als Alternative zu klassischen Bankkrediten. Bis Ende des Jahrzehnts könnten sie daher ein Volumen von knapp 30 Billionen US-Dollar erreichen. Parallel gewinnen Verkäuferdarlehen und Earn-outs an Bedeutung, um Transaktionen überhaupt möglich zu machen.
Die Zinswende kommt im Transaktionsgeschäft also noch nicht an, und die Finanzierung bleibt für viele Deals das Nadelöhr. Längere Prozesse, stärker strukturierte Finanzierungen und ein deutlicher Fokus auf Cash-Conversion und operative Resilienz sind 2026 somit eine Folge.
5. Nachfolge und Bereinigung: Demografie und Distress als Dealtreiber
Neben Zins- und Finanzierungsfragen sind es vor allem zwei strukturelle Faktoren, die das M&A-Geschehen 2026 prägen: die demografisch getriebene Unternehmensnachfolge und eine anhaltende Konsolidierungswelle.
So stehen laut IfM Bonn bis Ende 2030 jährlich mehr als 185.000 Betriebe vor einer Nachfolge. Der demografische Druck nimmt spürbar zu, viele Unternehmerinnen und Unternehmer der Babyboomer-Generation werden 2026 den konjunkturellen Rückenwind nutzen, um ihr Lebenswerk zu übergeben.
Bei den Unternehmensinsolvenzen wurden 2025 neue Höchststände erreicht: So stieg die Zahl im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 12,5 Prozent.
Diese Kombination aus demografischem Druck und steigenden Insolvenzen sorgt 2026 für zusätzlichen Dealflow – etwa in Form von Carve-outs, Konsolidierungen und Turnaround-Situationen. Käufer mit klarer Sektor-These und operativer Value-Creation-Kompetenz werden sich durchsetzen, während Multiples zunehmend differenziert nach Qualität und Cashflow-Stabilität bewertet werden. Das Ergebnis: mehr Aktivität bei Nachfolgelösungen und selektive Chancen im Distressed-Segment.
6. Operative Wertschöpfung ersetzt Financial Engineering
Die tiefgreifendste Verschiebung betrifft die Art und Weise, wie Wert geschaffen wird. In einem Umfeld, in dem hoher Leverage nur eingeschränkt verfügbar ist und die Kapitalkosten gestiegen sind, entsteht Wert zunehmend über operative Leistung, nicht über reine Finanzierungsarchitektur.
2026 sind daher Maßnahmen entscheidend, die den laufenden Cashflow stärken und planbar machen. Dazu gehören aber auch ein professionelles Kostenmanagement, die Digitalisierung operativer Kernprozesse und Mitarbeiterbeteiligungen. Fokussierte Buy-and-Build-Strategien gewinnen zudem an Bedeutung, bei denen kleinere Add-on-Akquisitionen gezielt in eine bestehende Plattform integriert werden und Wachstum treiben.
Kapital wird dabei bevorzugt in Geschäftsmodelle fließen, die planbare Cashflows aufweisen, beispielsweise B2B-Dienstleistungen, gesundheitsnahe Ökosysteme, regulierungsnahe Geschäftsmodelle und spezialisierte Nischensoftware.
Die Spreizung der Bewertungen wird anhalten. Doch statt Marktgröße oder vermeintlichem Trendpotenzial, spiegeln sie stärker die operative Qualität wider.
Die Erholung ist selektiv – und sie folgt neuen Bedingungen
2026 bringt dem deutschen M&A-Markt eine Erholung, jedoch keinen breiten Boom, sondern einen selektiven Rebound. Entscheidend sind Geschäftsmodelle mit resilienten Cashflows, klarer Governance und nachvollziehbarer operativer Stärke. Strukturierte Dealmodelle und alternative Finanzierungen gewinnen an Bedeutung, weil Bewertungsdifferenzen und Finanzierungsengpässe bestehen bleiben.
Zugleich sorgen demografischer Übergabedruck und steigende Insolvenzen für zusätzlichen, aber anspruchsvollen Dealflow. Wert entsteht nicht mehr über Leverage, sondern über operative Exzellenz. Wer diese neue Marktlogik versteht und strategisch nutzt, wird 2026 zu den Gewinnern zählen.
Über den Autor:
Kai Hesselmann ist Co-Founder und Managing Partner von Dealcircle einer ganzheitlichen Technologielösung für M&A und Firmenübernahmen. Vor der Gründung von Dealcircle war Hesselmann Partner eines Mid Cap Private Equity Investors mit Fokus auf Transaktionen im Segment Industrials sowie Berater für M&A-Transaktionen.
