Ausblick auf das neue Jahr Warum Aktien weiterhin chancenreich bleiben

Börsen-Trader in New York: Bei Industrieländeraktien ist im Jahr 2020 eine Rendite von 6 bis 7 Prozent zu erwarten. | © Getty Images

Börsen-Trader in New York: Bei Industrieländeraktien ist im Jahr 2020 eine Rendite von 6 bis 7 Prozent zu erwarten. Foto: Getty Images

Was können wir von den Finanzmärkten erwarten, wenn derzeit sämtliche Anlageklassen mit einer positiven Performance aufwarten? Im Jahr 2019 wurden die Anleger von allen Anlageklassen positiv überrascht: Die europäischen und amerikanischen Staatsanleihen verzeichneten auf Jahressicht ein Plus von etwa 8 Prozent, die Aktienkurse des Eurowährungsraums und der Vereinigten Staaten verbesserten sich sogar um mehr als 20 Prozent. Natürlich war 2018 auch ein Ausnahmejahr gewesen – mit umgekehrtem Vorzeichen, denn sämtliche Anleihen- und Aktienkurse waren rückläufig gewesen. Letztendlich hat sich der S&P 500 innerhalb von zwei Jahren um 17 Prozent erhöht, der europäische Stoxx 600 hingegen legte lediglich um 4 Prozent zu.

Gründe für höhere Renditen

Der Ausblick für 2020 erscheint aus jetziger Sicht offen. Viele Szenarien sind möglich, aber die meisten Anleger bleiben sehr vorsichtig. Welche Renditen erwarten wir für 2020?

Prognosen zu erstellen ist naturgemäß immer schwierig. Ebenso wichtig wie die Nennung einer Zahl ist es zu verstehen, auf welches Szenario sich die Prognose bezieht. In unserem Kernszenario gehen wir von einer Stabilisierung aus, auf die ein schrittweiser Aufschwung im Fertigungszyklus folgt. Wir erwarten außerdem eine Beruhigung der Handelsspannungen zwischen den USA und China. Diese Hypothese erscheint uns im Kontext des Präsidentschaftswahljahres in den USA als realistisch, allerdings stellt sich natürlich die Frage, was man während der ersten Amtszeit von Präsident Trump an Vernünftigem gesehen hat. Das US-Wachstum dürfte sich bei etwa 2 Prozent stabilisieren, das Wachstum in Europa bei etwa 1 Prozent, und in den Schwellenländern dürfte das Wachstum im globalen Rahmen leicht über dem von 2019 liegen. Wir erwarten keine weitere starke Lockerung der Geldpolitik. Die US-Notenbank Federal Reserve dürfte die Leitzinssätze 2020 höchstens ein Mal senken. In Europa wird jeglicher wirtschaftlichen Abschwächung mit einer gelockerten Haushaltspolitik begegnet werden müssen; eine erneute Zinssenkung wäre höchstwahrscheinlich wirkungslos.

In diesem Szenario dürften sich die Zinssätze stabilisieren und bei besseren Wirtschaftsindikatoren leicht ansteigen. Staatsanleihen dürften daher leicht negativ abschneiden (unter Berücksichtigung der Währungsabsicherung bei den nichteuropäischen Staatsanleihen). Bei Unternehmensanleihen werden schwache Renditen erwartet, denn die Credit Spreads hatten sich bereits 2019 stark verringert.

Aktien sind im Gegensatz zu Anleihen günstig bewertet

Bei Aktien bleibt der Risikoaufschlag chancenreich. Im Vergleich zu den teuren Anleihen sind Aktien etwas billiger. Die für 2020 erwartete Rendite kann als Summe der Gewinnsteigerungen der Unternehmen, der Dividendenrenditen und der Entwicklung der Aktienbewertungen gesehen werden. Die Gewinnsteigerungen der Unternehmen könnten leicht positiv ausfallen aber deutlich unter den allgemeinen Erwartungen liegen (etwa 9 Prozent für Aktien aus den Industrieländern). Das Renditepotenzial der Dividenden ist mit zwischen 2 Prozent und 3 Prozent attraktiv. Die Performances des Jahres werden stark von der Entwicklung der Bewertungsmultiplikatoren der Aktien abhängen. 2019 basierte die Performance von über 20 Prozent an den Aktienmärkten in den USA und Europa lediglich auf einer entsprechenden Erweiterung der Multiplikatoren. Daher erwarten wir für 2020 derzeit bei den Aktien aus den Industrieländern (MSCI World) eine potenzielle Rendite von 6 bis 7 Prozent. Bei den Schwellenländern dürfte diese Zahl leicht höher liegen.

Die positive Entwicklung der Aktienbewertungen hängt vor allem von dem Vertrauen der Anleger in das zukünftige Wachstum ab. Jeglicher negative Schock im Zusammenhang mit dem Ergebnis der US- Präsidentschaftswahl, erneuten geopolitischen Spannungen oder einem zu langsamen Fortschritt bei den europäischen Projekten kann die Anleger erneut beunruhigen und eine geringere Aktienbewertung auslösen.

Niedrigzinsen limitieren Abschwungpotenzial

Eine mögliche Abwärtsbewegung an den Aktienmärkten ist derzeit allerdings durch die niedrigen Zinssätze limitiert, sofern die Wahrscheinlichkeit eines Abschwungs nicht wieder stark steigt. Umgekehrt könnten die Anleger im Fall eines positiven Schocks entsprechend überrascht werden: Dies könnte zum Beispiel bei einer Streichung der von den USA auferlegten Zölle, einem stärkeren Stimulus in China, einer deutlichen Steigerung der Staatsausgaben in Europa und Impulsen rund um den „Green Deal“ eintreten.