ESG ist ein wichtiges Entscheidungselement, aber auch die Berücksichtigung von Positiv- und Negativkriterien sowie der Ausschluss von kontroversen Geschäftsfeldern wie Alkohol und Tabak, Kinderarbeit, Pornografie, Glücksspiel, Atomkraft, Kohle. Die einzelnen Kriterien müssen zunächst erfasst und anschließend in den Anlageprozess integriert werden. Die Herausforderung besteht darin, den Prozess präzise, nachvollziehbar und transparent zu gestalten. Nur so ist er erklärbar, überprüfbar und damit letztendlich auch vergleichbar.
Hansen & Heinrich hat zu diesem Zweck ein auf den Daten von Thomson Reuters basiertes Scoring-System entwickelt. Der Prozess wurde der unabhängigen Partnerfirma LMM Investment Controlling beschrieben, offengelegt und auch das daraus resultierende Portfolio übermittelt. Zudem hat Hansen & Heinrich den Beratern von LMM das Portfolio für mehrere Referenzzeitpunkte inklusive der Portfoliotransaktionen bereitgestellt.
Auf dieser Grundlage konnte LMM diese Daten und das Portfolio prüfen und anschließend einen Status-quo-Report übermitteln. Anhand dieses Berichts wurden Stärken und Optimierungsmöglichkeiten im Portfolio in Bezug auf Nachhaltigkeit identifiziert. Das war die Grundlage, um das Portfolio unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkte zu verbessern.
Dieses Vorgehen auf dem Weg zu einem ESG-Rating für Stiftungsfonds schafft ein Höchstmaß an Transparenz. Sowohl auf der Anleihen- als auch auf der Aktienseite hat Hansen & Heinrich Veränderungen vorgenommen. Beispielsweise bekam die Depotstruktur sowohl auf Länder- als auch auf Branchenebene ein neues Gesicht. Es zeigte sich zudem, dass die laufenden Erträge und der langfristige Vermögenserhalt nicht gefährdet sind. Im Gegenteil, durch die Beachtung von Nachhaltigkeits- und ESG-Kriterien wurde ein konzentrierteres Anlageuniversum geschaffen. Die Anlagespezialisten können sich nun noch intensiver mit den Titeln und der Auswahl für das Portfolio beschäftigen (siehe Grafik).
LMM hat das Nachhaltigkeits-Rating für den H&H Stiftungsfonds erstmals zum Ende seines Geschäftsjahres (Ende Oktober) erstellt und wird das Rating in Zukunft vierteljährlich aktualisieren. Somit ist gewährleistet, dass der Nachhaltigkeitsprozess kontinuierlich und unabhängig geprüft, hinterfragt und bewertet wird.
Das aktuelle Marktumfeld ist herausfordernd. Einerseits wird es für Anleger anspruchsvoller, Zinserträge zu generieren. Auf der anderen Seite soll die Portfoliostruktur auch weiterhin so gestaltet sein, dass die Schwankungen der Anlagen moderat sind. Allerdings finden sich auch in diesem Umfeld noch lukrative Anlagemöglichkeiten, auch im Segment der Anleihen.
Tendenziell wird die Entwicklung aber dazu führen, dass der Aktienanteil im Portfolio steigt. Der Stiftungsfonds von Hansen & Heinrich hat die Möglichkeiten, flexibel auf die aktuellen Herausforderungen einzugehen. Die Anlagerichtlinien erlauben einen Aktienanteil von bis zu 40 Prozent.
Ausblick
Die Nachfrage nach nachhaltigen Vermögensanlagen steigt. Daher werden künftig Stiftungsfonds mit dieser Ausrichtung und mit einem integrierten ESG-Reporting vermehrt die Kundenbedürfnisse treffen. Erfolgt die ESG-Auswertung zugleich durch eine unabhängige Stelle, untermauert dies die Glaubwürdigkeit.
Denn nur eine transparente Darstellung der Rating-Ergebnisse ermöglicht es den Verantwortlichen, richtige Schlussfolgerungen zu ziehen und Verbesserungen einzuleiten. Bei Verstößen gegen Ausschlusskriterien werden die betroffenen Unternehmen und deren Gewichtung ausgewiesen. Und im Sinne der Transparenz wird festgehalten, aus welchem Grund ein Unternehmen gegen ESG-Kriterien verstößt.
Es ist davon auszugehen, dass die Daten in Bezug auf Nachhaltigkeit in Zukunft nach und nach präziser werden. Internationale Datenanbieter arbeiten an den Prozessen, um die Datenqualität auf Unternehmensebene zu verbessern.
Gleichzeitig sehen sich Unternehmen mehr denn je gezwungen, ESG-relevante Informationen zu veröffentlichen. Die Qualität dieser Kennzahlen steigt ebenfalls. Mit Hilfe der Digitalisierung wird es in Zukunft noch effizienter möglich sein, große Datenmengen aufzubereiten und auszuwerten. Diese Entwicklungen sind insbesondere für Stiftungsfonds von großer Relevanz.
Über die Autoren:
Melanie Kühlborn-Ebach ist Geschäftsführerin des Beratungsunternehmens LMM Investment Controlling in Deutschland. Die Betriebswirtin hält einen Master-Abschluss mit Schwerpunkt auf Immobilien und einen Abschluss der European Business School (EBS) für die Beratung von Immobilien-Investoren.
Andreas Heinrich ist Gründungsaktionär, Prokurist und Leiter Portfoliomanagement des Vermögensverwalters Hansen & Heinrich. Heinrich arbeitete von 1992 bis 2001 für die Deutsche Bank. Er ist Vorstand des im Jahr 2001 gegründeten Vermögensverwalters Hansen & Heinrich. Seit 2004 ist er außerdem Geschäftsführer der Hansen & Heinrich Vorsorgeberatung.