Aus der Beratungspraxis ESG-Berichte werden für Stiftungsfonds wichtiger

Melanie Kühlborn Ebach und Andreas Heinrich: In ihrem Beitrag erörtern sie die Rolle von ESG-Berichten in Stiftungsfonds.  | © LMM, Hansen & Heinrich

Melanie Kühlborn Ebach und Andreas Heinrich: In ihrem Beitrag erörtern sie die Rolle von ESG-Berichten in Stiftungsfonds. Foto: LMM, Hansen & Heinrich

Stiftungen haben eine lange Tradition in der Geschichte Deutschlands. Bekannte Kirchen und Klöster aus dem 10. Jahrhundert sind bereits als Stiftungen dokumentiert. In Deutschland gibt es mehr als 250 Stiftungen, die seit über als 500 Jahren bestehen und heute noch Bestand haben.

Die meisten Stiftungen werden in privatrechtlicher Form organisiert. In Deutschland sind zirka 95 Prozent aller Stiftungen gemeinnützig. In den vergangenen fünfzehn Jahren hat sich die Zahl der Stiftungen auf über 22.000 verdoppelt. Parallel dazu wächst auch das Anlagevolumen von Stiftungen.

Vor dem Hintergrund des Ursprungs von Stiftungen und deren gemeinnütziger Ausrichtung überrascht es nicht, dass bei Stiftungen ein steigendes und nicht zu unterschätzendes Interesse für das Thema nachhaltiges Investieren vorhanden ist. Transparent zu sein und die Stakeholder über Mittelherkunft und -verwendung zu informieren, ist für für Stiftungen von großer Bedeutung. Durch Transparenz können sie Reputationsrisiken reduzieren. Gleichzeitig setzen sie Impulse für eine nachhaltige Entwicklung des Finanzmarktes.

Trend zum nachhaltigen Investieren bei institutionellen Anlegern

Nachhaltiges Investieren ist nicht neu, da es bereits vor mehr als zwei Jahrzenten öffentlich diskutiert wurde. In der Zwischenzeit hat es jedoch eine deutlich breitere Aufmerksamkeit gewonnen. Dementsprechend stieg auch die mediale Präsenz des Themas deutlich. Hinzu kommt, dass die Öffentlichkeit die Nachhaltigkeit auch im Zusammenhang mit den aktuellen Umweltdebatten diskutiert.

Die beschriebene Entwicklung hat dazu geführt, dass mehr und mehr Institutionen – auch außerhalb des Stiftungssegmentes – sich dem Thema nachhaltige Investments annehmen und entsprechende Prinzipien in ihrer Anlagestrategie und der Vermögensanlage verankern.

Nicht unerwähnt bleiben soll die zunehmende gesetzliche Regulierung, die institutionelle Investoren dazu bewegen, Nachhaltigkeitskriterien in ihre Anlagerichtlinien aufzunehmen. Ein Beispiel hierfür ist die Leitlinie der International Organization of Pension Supervisors (IOPS). IOPS ist ein internationaler Zusammenschluss von Aufsichtsbehörden aus 77 Ländern, die für Altersversorgung zuständig ist. Sie verfolgt das Ziel, die Effektivität und Qualität der Aufsicht von Zusatzrentensystemen weltweit zu verbessern.

IOPS hat ein 11-seitiges Dokument zum Thema Nachhaltigkeit entwickelt: Das Papier („Supervisory guidance on the integration of ESG factors in the investment and risk management of pension funds“) enthält einen Entwurf für Leitlinien („Draft Guidelines“) zur Integration von ESG-Kriterien in der Kapitalanlage und im Risikomanagement von Altersversorgungseinrichtungen sowie zur Offenlegung dieser Informationen.

Eine Übersicht über die aktuellen Entwicklungen rund um das nachhaltige Investieren bietet das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) in seinem aktuellen Marktbericht, den sie hier nachlesen können.

Folgende Aussagen aus dem Bericht stützen die oben beschriebenen Entwicklungen:

  • Die Summe nachhaltiger Geldanlagen erreicht mit 219 Milliarden Euro einen neuen Höchststand. Nachhaltige Fonds und Mandate verzeichnen ihr größtes Wachstum seit Beginn der Erhebung und legen um insgesamt 41 Milliarden Euro zu.
  • Nachhaltige Fonds und Mandate erreichen 2018 erstmals einen Marktanteil von 4,5 Prozent.
  • Sämtliche nachhaltigen Anlagestrategien legten stark zu – der Ausschluss von Kohle ist dabei neu unter den Top 10.
  • Das Wachstum im Markt für nachhaltige Geldanlagen wird in Deutschland weiterhin maßgeblich von institutionellen Investoren getrieben.