Aufsichtsgespräche der Bafin Versicherer wollen Vorreiter in der Nachhaltigkeit sein

Sitz der Finanzaufsicht Bafin in Frankfurt am Main: Die Finanzmarktwächter sehen bei Versicherungen einen Trend zu mehr Nachhaltigkeit.  | © Kai Hartmann Photography / Bafin

Sitz der Finanzaufsicht Bafin in Frankfurt am Main: Die Finanzmarktwächter sehen bei Versicherungen einen Trend zu mehr Nachhaltigkeit. Foto: Kai Hartmann Photography / Bafin

Versicherungsgesellschaften und Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV) – also Pensionskassen und Pensionsfonds – beschäftigen sich intensiv mit der Nachhaltigkeit in ihrer Kapitalanlage. Das berichtet die Bafin in der aktuellen Ausgabe ihres monatlich erscheinenden Bafin-Journals. Laut dem Bericht haben Mitarbeiter der Bafin im vergangenen Jahr zahlreiche Aufsichtsgespräche bei ausgewählten Versicherern und EbAV geführt.

Sozusagen auf dem kurzen Dienstweg will die Behörde Unternehmen bei der Integration von ESG-Kriterien (Environmental, Social and Governance – Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) in das Risikomanagement im Bereich der Kapitalanlage unterstützen. Zu diesem Zweck hielt die Aufsichtsbehörde nach eigener Darstellung auch mehrere Workshops mit Unternehmen und Verbänden ab. Dabei standen vor allem Klimastresstests und Szenarioanalysen im Fokus. 

Wie die Bafin nun rückblickend auf das vergangene Jahr erläutert, habe sich im Austausch mit den Unternehmen gezeigt, „dass sich viele Versicherer und EbAV bereits intensiv mit Nachhaltigkeit auseinandergesetzt haben, auch wenn sie im Umgang damit unterschiedlich weit sind.“ Insgesamt sei deutlich geworden, dass sich die Versicherungswirtschaft als Vorreiter betrachte.

Die Unternehmen verfolgten die regulatorischen Entwicklungen auf europäischer Ebene aktiv, berichten die deutschen Finanzmarktwächter. Das gelte insbesondere für den Aktionsplan „Finanzierung nachhaltigen Wachstums“. Diesen hatte die EU-Kommission im Jahr 2018 vorgelegt mit dem Ziel, die Kapitalmärkte grüner zu machen, Ressourcen zu schonen und Kapitalflüsse in nachhaltige Investitionen zu lenken.

Bafin analysiert Anlagetrends

Ein weiteres Thema, dem sich die Mitarbeiter der Bafin im Vorjahr gewidmet haben, waren die Anlagetrends in der Versicherungswirtschaft. Auch hier ist die Bafin auf die Unternehmen zugegangen und hat nach eigenen Angaben „mit gezielten örtlichen Prüfungen“ untersucht, welche Anlagetrends in der Versicherungswirtschaft aufgekommen sind. Nach Beobachtungen der Bafin sind in den vergangenen drei Jahren die Investments in Private Equity, Infrastruktur, Immobilien und Private Debt zulasten der liquiden festverzinslichen Anlagen leicht gestiegen.

Kleinere und mittelgroße Versicherungsunternehmen haben laut Bafin in dem ihnen vertrauten Immobilienbereich investiert. Den größten Teil ihrer Neuanlagen investierten die Versicherungsgesellschaften weiterhin in Unternehmensanleihen und Investmentfonds. Wie aus dem Bericht ebenfalls hervorgeht, haben die Großanleger eine niedrigere Bonität innerhalb des Investmentgrade-Ratings in Kauf genommen. Vor Hochzinsanlagen scheinen viele aber weiterhin zurückzuschrecken. Diese machten weiterhin nur einen geringen Anteil aus, so die Bafin, die hier nur „vereinzelt“ Zuwächse beobachtet.