Auf dem Prüfstand, Teil 1 Die große Bilanz-Analyse der deutschen Privatbankenbranche

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4. Rückgang der Zinsüberschüsse belastet die Branche kaum

Während andere Sektoren der deutschen Bankenbranche erheblich vom rückläufigen Zinsüberschüssen betroffen sind, macht sich dieses Problem bei den betrachteten Privatbanken kaum bemerkbar. Sämtliche Institute erzielen ein Vielfaches an Provisionsüberschuss im Vergleich zum Zinsüberschuss, mit Ausnahme der Fürstlich Castell’schen Bank und von Donner & Reuschel, bei denen sich Provisions- und Zinsüberschuss etwa die Waage halten. Die beiden letzteren Institute stellen sich von ihrer Geschäftsstruktur eher als kleine Universalbanken mit einer größeren Bedeutung von Einlagen- und Kreditgeschäft dar, während bei allen anderen Instituten klar das provisionsgetriebene Geschäft dominiert. Dies immunisiert die Privatbanken zumindest gegenüber in der Zukunft möglicherweise weiter fallende Zinsüberschüsse.

5. Eigentümerstruktur kann Performance nicht erklären

Unter den sehr erfolgreichen Instituten gibt es sowohl eigenständige Institute, das heißt in Familien- und Streubesitz (Quirin, Berenberg, Fürst Fugger) als auch solche mit einer Muttergesellschaft (Hauck & Aufhäuser). Das gleiche gilt allerdings auch für die übrigen Institute, bei denen es mit Metzler, Lampe, Fürstlich Castell’sche und Warburg eigenständige Institute und mit Bethmann, Weberbank, Donner & Reuschel und Merck Finck Institute mit Muttergesellschaften gibt. Interessant und möglicherweise relevant ist der Aspekt, dass unter den Instituten mit Muttergesellschaft das ausgesprochen erfolgreiche Haus Hauck & Aufhäuser mit Fosun einen Finanzinvestor als Mutter hat, der dem Management einen vergleichsweise großen Freiraum in der operativen Führung des Unternehmens einräumt. Die übrigen Institute mit Muttergesellschaft gehören zu Finanzdienstleistungskonzernen wie Bethmann (ABN Amro), Weberbank (Mittelbrandenburgische Sparkasse), Donner & Reuschel (Signal Iduna) oder Merck Finck (Quintet). Offenbar gelingt es letzteren nicht im angestrebten Umfang, Synergieeffekte innerhalb der Unternehmensgruppe in Rentabilität und Wachstum zu übersetzen.

6. Personal- versus Sachkosten erklären nicht die Unterschiede

Der Anteil der Personalkosten an den gesamten Verwaltungsaufwendungen liegt zwischen 51,2 Prozent (Donner & Reuschel 2019) und 67,0 Prozent (Fürst Fugger 2019). Es existiert kein klarer Zusammenhang zwischen Rentabilität und Wachstum auf der einen und dem Anteil der Personalkosten auf der anderen Seite. Auch personalintensive Geschäftsmodelle wie die von Fürst Fugger, Berenberg oder Hauck & Aufhäuser können sehr erfolgreich sein. Gleichzeitig gibt es sachkostenintensivere Geschäftsmodelle wie Quirin, die ihre Kundenschnittstelle digital aufrüsten (Robo Advisor Quirion) und damit einen höheren operativen Hebel erreichen, wodurch sich Geschäftswachstum direkt in eine Steigerung der Rentabilität übersetzt.

7. Konsolidierung und Turnaround sind möglich

Einige Institute haben von 2018 zu 2019 das Wachstum ihrer Erlöse deutlich gesteigert (Quirin, Fürst Fugger, Berenberg, Warburg) und ihre Eigenkapitalrentabilität deutlich verbessert (Berenberg, Quirin). Sicher liegt diese positive Entwicklung auch an der 2019 im Vergleich zu 2018 positiveren Kapitalmarktentwicklung. Einige Spieler haben allerdings auch deutliche Veränderungen an ihrem Geschäftsmodell vorgenommen, etwa durch die Abgabe von ausländischen Niederlassungen (Berenberg), den Verkauf von Tochtergesellschaften und Standortschließungen (Warburg) oder Übernahmen (Hauck & Aufhäuser). Dadurch festige die Institute ihr Wertversprechen und beschreiten neue Wachstumspfade.

An dieser Stelle geht es in einer Woche weiter mit dem übergeordneten Bilanz-Check der deutchen Privatbankenbranche. Der zweite Teil der Analyse behandelt gemeinsame Stoßrichtungen, die Aussagen und Trends für die gesamte Branche erlauben.

 

Über die Autoren:
Stefanie Hehn-Ginsbach lehrt an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen als Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Corporate Finance & Kapitalmarkttheorie. Sie war von 2005 bis 2018 bei der Deutschen Bank tätig und bekleidete dort mehrere Führungspositionen im In- und Ausland. Zudem berät sie privatwirtschaftliche wie auch öffentliche Unternehmen bei finanzwirtschaftlichen Themen.

Gösta Jamin lehrt ebenfalls an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen als Professor für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre. Zudem begleitet er als Berater Banken, Fintechs und andere Finanzdienstleister bei Projekten der digitalen Transformation.

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