Die Athora Holding hat eine verbindliche Vereinbarung über den Verkauf ihres deutschen Lebensversicherungsgeschäfts an die Frankfurter-Leben-Gruppe unterzeichnet. Das teilten beide Unternehmen am Donnerstag mit.
Übernommen werden die Athora Verwaltungs GmbH und die Athora Deutschland Holding GmbH & Co. KG einschließlich ihrer Tochtergesellschaften – darunter die Athora Lebensversicherung AG und die Athora Pensionskasse AG. Der Vollzug der Transaktion steht unter dem Vorbehalt der üblichen regulatorischen Genehmigungen. Beide Seiten rechnen mit einem Abschluss Mitte 2027.
DWS als Partner
Die DWS Group tritt als Finanzierungspartner auf. Der Vermögensverwalter will nach eigenen Angaben „einen niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag“ in ein Restricted-Tier-1-Kapitalinstrument (RT1) der Frankfurter-Leben-Gruppe investieren und so Hybridkapital bereitstellen. Zu weiteren Details der Finanzierung vereinbarten die Partner Stillschweigen.
Athora Deutschland: geschlossener Bestand von 3,5 Milliarden Euro
Athora Deutschland ist ein Bestandsversicherer. Sein Portfolio setzt sich nach Unternehmensangaben aus traditionellen Lebensversicherungen, fondsgebundenen Policen und Pensionsverträgen im Volumen von 3,5 Milliarden Euro zusammen (Stand: 31. Dezember 2025).
Das Geschäft war ursprünglich Teil des Europageschäfts des damaligen Mutterkonzerns Athene Holding. Anfang 2018 wurde diese Sparte von Athene entkonsolidiert und ging als eigenständige Athora Holding an den Markt – das deutsche Lebensversicherungsgeschäft wurde entsprechend auf die neue Gesellschaft übertragen. Athene blieb dabei als Minderheitsgesellschafter an Athora beteiligt.
Das Deutschlandgeschäft macht nur einen kleinen Teil des Athora-Konzerns aus: Die Athora-Gruppe verwaltete zum 31. Dezember 2025 nach eigenen Angaben insgesamt rund 139 Milliarden Euro an Vermögenswerten (Assets under Management and Administration, AuMA)
Für die Frankfurter Leben-Gruppe ist es laut eigenen Angaben die siebte Übernahme eines Versicherungsbestands. Mit dem Zukauf steigt der von der 2015 gegründeten Gruppe betreute Vertragsbestand auf rund 800.000 Kunden und ein Kapitalanlagevolumen von rund 17 Milliarden Euro.
Mitarbeiter und Kundenverträge werden übernommen
Die Belegschaft von Athora Germany soll laut Frankfurter Leben übernommen werden und weiterhin die Athora-Bestände betreuen. Für die Kunden sollen sich Garantien, Laufzeiten und Konditionen der Verträge nicht ändern.
„Als spezialisierter Bestandsmanager mit langjähriger Erfahrung im deutschen Markt bringt die Frankfurter Leben die Voraussetzungen mit, um die umsichtige Verwaltung des Athora-Germany-Geschäfts im Run-off fortzuführen“, erklärt Athora-Chef Todd Solash. Frankfurter-Leben-CEO Christian Wrede sieht in der Übernahme eine Möglichkeit, den eigenen Anspruch an effizientes Bestandsmanagement zu unterstreichen.
DWS-Chef Stefan Hoops will durch die Zusammenarbeit die Präsenz der Deutsche-Bank-Tochter in zwei strategisch wichtigen Geschäftsfeldern stärken: dem Geschäft mit institutionellen Versicherungskunden und alternative Anlagen. „Wir sehen Bestandsplattformen als Wachstumsfeld“, sagt er.
Hintergrund: Gescheiterte Wachstumspläne, jetzt der Rückzug
Athora hatte in den vergangenen Jahren wiederholt versucht, in Deutschland zu wachsen – ohne Erfolg. 2024 platzte die geplante Übernahme von rund 900.000 Lebens- und Rentenverträgen der Axa, zuvor hatte sich Athora auch im Bieterwettbewerb um die Viridium Holding nicht gegen ein Allianz-geführtes Konsortium durchsetzen können. Daher kommt der Rückzug aus Deutschland nicht überraschend: Bereits im Januar sind entsprechende Pläne des Bestandsspezialisten bekannt geworden. Der jetzige Verkauf schließt diese Phase nun ab.
Bemerkenswert ist zudem die Rolle der DWS: Ebenfalls im Januar 2026 war über eine mögliche Minderheitsbeteiligung von Deutscher Bank und DWS an der Frankfurter Leben selbst spekuliert worden. Die nun bestätigte Struktur ist eine andere: DWS investiert als Finanzierungspartner in ein RT1-Hybridkapitalinstrument der Frankfurter Leben – keine direkte Eigenkapitalbeteiligung, wie sie im Januar im Raum stand.