Der Markt für Bankanleihen zeigt sich aktuell in solider Verfassung. Die Bilanzen der Finanzinstitute sind stabil. Notleidende Kredite verharren auf niedrigen Niveaus, die Kernkapitalquoten sind hoch und die Stresstests der Bankenaufsichten werden bestanden. Gleichzeitig sind die Risikoaufschläge, insbesondere im AT1-Bereich, auf niedrige Niveaus gesunken. Diese Konstellation ist kein Widerspruch.
Die Verbesserung der Fundamentaldaten hat das Vertrauen der Anleger in den Finanzsektor erhöht. Dies erklärt einen Teil der Spread-Kompression. Doch gerade weil viel Positives bereits eingepreist ist, verändert sich die Herausforderung im Umgang mit Bankanleihen. Gerade in Zeiten historisch enger Spreads wird das Durationsmanagement zum entscheidenden Hebel für den Anlageerfolg. Die entscheidende Frage ist also, wie man das Kreditrisiko über die Laufzeit steuert.
Emittenten nutzen das Zeitfenster
Betrachtet man die aktuell rege Emissionstätigkeit der Banken, fällt auf, dass neue Anleihen überwiegend mit langen Call-Perioden ausgestattet sind. Das betrifft insbesondere den Bereich der AT1-Anleihen. Dort sind sieben, teils zehn Jahre bis zum ersten Kündigungstermin keine Ausnahme. Aus Sicht der Emittenten ist das rational. In einem Umfeld enger Spreads sichern sich Banken langfristig günstige Refinanzierung. Für Investoren bedeutet diese Verlängerung jedoch eine höhere Kreditduration – und damit einen stärkeren Hebel bei Spreadbewegungen.
Sekundärmarkt statt Neuemission
Ein Ansatz zur Risikosteuerung besteht darin, den Fokus auf Anleihen mit geringerer effektiver Kreditduration zu legen. Insbesondere ältere AT1-Anleihen aus dem Sekundärmarkt weisen häufig höhere Reset-Spreads auf. Diese führen nach dem Call-Termin zu deutlich höheren Coupons und erhöhen damit den ökonomischen Anreiz für den Emittenten, die Anleihe zu kündigen. Für Investoren reduziert sich damit das Verlängerungsrisiko und verkürzt sich die tatsächliche Haltedauer. Das Ergebnis ist eine asymmetrischere Risikostruktur: Die laufende Rendite bleibt erhalten, während der Hebel bei Spreadausweitungen begrenzt wird.
Was zusätzlich die Attraktivität von Sekundäremissionen im AT1-Anleihen-Segment verstärkt, sind die aktuell sehr steilen Credit-Kurven bei Durationen von zwei bis drei Jahren. Dies kann eine zusätzliche Rendite von 1,5 bis 2 Prozent durch den Rolldown-Effekt generieren. Ab einer Duration von vier Jahren werden die Credit-Kurven deutlich flacher, was diesen Effekt wiederum reduziert.
Spread-Duration als Risikoverstärker
Die Auswirkungen der Laufzeiten auf den Kurs können erheblich sein. Weiten sich Kreditspreads um 100 Basispunkte aus, verliert eine Anleihe mit zehn Jahren bis zum Call etwa 10 Prozent an Wert. Beträgt die effektive Laufzeit hingegen nur drei Jahre, liegt der Kursrückgang eher bei drei Prozent.
Je länger die Kreditduration, desto höher fällt der potenzielle Drawdown aus. In einem Umfeld, in dem die Risikoaufschläge aktuell historisch niedrig sind, werden Differenzen bei den Laufzeiten also bedeutsamer. Eine Spreadausweitung muss dabei nicht unbedingt aus einer Bankenkrise resultieren, was angesichts der soliden Fundamentalkennzahlen ohnehin äußerst unwahrscheinlich ist. Politische Ereignisse oder makroökonomische Veränderungen können ebenso dazu führen, dass der Markt die Risikoprämien im Finanzsektor neu bewertet.
Aktives Management als Differenzierungsmerkmal
Bankanleihen bleiben ein attraktives Segment im Fixed-Income-Universum. Doch bei historisch engen Risikoaufschlägen gewinnt das aktive Durationsmanagement an Bedeutung. Die selektive Auswahl von Sekundäremissionen anstelle des blinden Kaufs von Neuemissionen mit längerer Duration wird immer kritischer. Mit einer gezielten Begrenzung der Laufzeit – beispielsweise auf rund drei Jahre – können Investoren das Verlustrisiko bei Marktstress deutlich reduzieren, ohne die Assetklasse insgesamt meiden zu müssen.